Baldiger Schulstart

Der Kanton Bern startet mit «einigermassen gutem Gefühl»

Philippe Flück, 10. August 2022, 14:09 Uhr
Für das neue Schuljahr sieht der Kanton Bern neue Massnahmen vor, um dem akuten Lehrpersonenmangel zu begegnen. Diese sieht der Berufsverband aber vor allem als Notlösungen.
Am kommenden Montag beginnt im Kanton Bern die Schule wieder. (Archivbild)
© KEYSTONE/Ti-Press/SAMUEL GOLAY

Der Countdown zum Schulstart läuft: In fünf Tagen werden rund 110'200 Schülerinnen und Schüler die Schulhäuser im ganzen Kanton Bern wieder beleben. Das sind rund 2'500 Kinder mehr als noch im letzten Schuljahr. Die wachsende Zahl an Schulkindern verschärft den ohnehin andauernden Lehrpersonenmangel zusätzlich.

Massnahmen zur Entlastung

Der Kanton hat auf das neue Schuljahr einige Massnahmen beschlossen, um die Schulen zu entlasten. So wird der Einsatz von Klassenhilfen auf allen Stufen der Volksschule möglich sein. Diese sollen die Lehrperson unterstützen, ohne allerdings die pädagogische Verantwortung zu übernehmen. «Besonders bei grossen Klassen kann das sehr wichtig sein», erklärt Christine Häsler, Bildungsdirektorin des Kantons. Weiter erhalten Klassenlehrpersonen auf begründete Anträge hin vorübergehend eine zweite Entlastungslektion.

Schulen sollen sich ausserdem auf das Unverzichtbare fokussieren und aufwändige Projekte, die nicht im direkten Zusammenhang mit dem Bildungsauftrag stehen, möglichst hinausschieben. Schülerinnen und Schüler können aber aufatmen: Davon betroffen sind ausdrücklich keine Landschulwochen oder Schullager.

Schnelle Ausbildung

Dass im Kanton Bern die meisten offenen Stellen besetzt werden konnten, sei einerseits der Verdienst von Lehrpersonen, die zusätzliche Lektionen übernehmen. Andererseits seien auch die vielen Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger wichtig. «Wir legen allerdings grossen Wert darauf, dass sich diese möglichst schnell ausbilden lassen», sagt Häsler. Der Kanton unterstütze deshalb zusammen mit der PH Bern Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger.

Bildungsdirektorin Christine Häsler dankte am Mittwoch allen Lehrkräften und Schulleitungen im Kanton Bern für ihr grosses Engagement in Zeiten des Lehrermangels.
© KEYSTONE/PETER KLAUNZER

Für den Berufsverband Bildung Bern ist aber klar: «Dass man Personen anstellt, die nicht ausgebildet sind, ist eine Notlösung und zeigt den Ernst der Lage», sagt Präsident Pino Mangiaratti. Das Ziel müsse ganz klar sein, gut ausgebildete Lehrpersonen anzustellen. «Im schlimmsten Fall haben wir in der Schule keine Bildung mehr, sondern Betreuung.»

Der aktuelle Lehrermangel im Kanton Bern hat unter anderem auch mit einer grossen Pensionierungswelle der «Boomer»-Generation zu tun. Dazu kommen aber auch die ständig steigenden Ansprüche an die Lehrerinnen und Lehrer.

Schulstart mit gutem Gefühl

Bildung Bern trägt die Massnahmen mit. Es könne sich dabei aber nicht um langfristige Lösungen handeln. Für Mangiaratti ist das aber nur einen Tropfen auf den heissen Stein: «Momentan hat man Notlösungen gefunden.» Langfristig trage nur eine Verbesserung der Rahmenbedingungen zu einer Entschärfung des Problems bei: «Der Beruf muss attraktiver gemacht werden.»

Dies ist auch Häsler bewusst: «Längerfristig muss es um gute Arbeitsbedingungen für unsere Lehrpersonen gehen.» Dazu gehöre auch das Gehalt, das im Kanton Bern tiefer ist als anderswo. Vorerst geht es aber vor allem um den anstehenden Schulstart. Diesem schaut Häsler positiv entgegen: «Wir können am nächsten Montag mit einem einigermassen guten Gefühl starten.» 

Daniel Bichsel vom Verband bernischer Gemeinden steht auch hinter dem Massnahmen des Kantons, wie er vor den Medien betonte. Ebenfalls für ein gutes Gefühl können die Zahlen der Hochschulen sorgen: Der Kanton Bern verzeichne sehr hohe Studierendenzahlen an der Pädagogischen Hochschule.

(pfl/sda)

Quelle: sda
veröffentlicht: 10. August 2022 13:45
aktualisiert: 10. August 2022 14:09
Anzeige