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Besetzer-Kollektiv kritisiert Bieler Stadtregierung

Droht Räumung?

Besetzer-Kollektiv kritisiert Bieler Stadtregierung

· Online seit 15.06.2023, 17:28 Uhr
Vergangene Woche besetzte das Kollektiv «L’équipe» das Haus am Unteren Quai 30 und den angrenzenden Komplex am Wydenauweg in Biel. Eine Frist des Kantons liess das Kollektiv verstreichen – und kritisiert nun den Kommunikationsstopp der Stadtregierung.
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Der Bieler Gemeinderat hat ein Schreiben des Kollektivs «L’équipe» erhalten, wird auf dieses aber nicht reagieren. Man beantworte «keine anonymen Schreiben», teilte der Gemeinderat Mitte Woche mit. «Der Gemeinderat erinnert daran, dass er als gewählte Behörde und aus Prinzip nur mit Personen diskutieren kann, die unter ihrer wahren Identität auftreten», ist der Medienmitteilung zu entnehmen.

Kollektiv: «Seit erstem Tag Identitätsnachweise gegeben»

Beim Kollektiv stösst dies auf Unverständnis: «Entgegen der Behauptung, wir würden unsere Identität verdeckt behalten, haben zwei Verantwortliche seit dem ersten Tag der Polizei Identitätsnachweise gegeben», schreibt «L’équipe» auf Anfrage. Auch mit Medien hätten Vertreterinnen und Vertreter des Kollektivs unmaskiert gesprochen. Gegen aussen trete man aber nicht als Privatpersonen auf, da Entscheide gemeinsam getroffen würden und man als Kollektiv auftrete.

Die Besetzer äussern auch Kritik an der Haltung des Kantons, dass es nicht zu verantworten sei, sich in bestimmten Teilen der Gebäude aufzuhalten. «Die Bausubstanz der Gebäude ist von uns gut abschätzbar, da diverse handwerklich ausgebildete und interessierte Personen im und ums Kollektiv vertreten sind. Wir zeigen uns bereit, in einer gemeinsamen Zusammenarbeit mit externen Fachpersonen unserer Wahl eine Rücksprache zu halten und gemeinsam nötige Instandsetzungen zu planen und durchzuführen», so das Kollektiv.

Wie «L’équipe» mitteilt, hätten am vergangenen Wochenende sechs Bands gespielt und über 500 Menschen seien auf dem besetzten Areal gewesen.

Kommt es bald zur Räumung?

Die Entscheidung des Gemeinderats stützt auch der Kanton: Stephan Lanter, Stv. Kantonsbaumeister und Leiter Bauprojektmanagement, sagt, dass zuerst ein legaler Zustand hergestellt werden müsse und dass nur mit Personen und Körperschaften verhandelt werde, «die unter ihrer wahren Identität auf einer legalen Basis auftreten.» Die Anliegen des Kollektivs habe man zur Kenntnis genommen, doch: «Durch den aktuell illegalen Zustand besteht keine Basis, näher darauf einzutreten.»

Der Kanton habe den Fall nun einem Rechtsanwalt übergeben. «Der jetzige Zustand ist illegal, das heisst, dass Kollektiv müsste bereits weg sein», so Lanter. Auf die Frage, wann das Areal denn nun geräumt werde, gibt die Stadt Biel keine konkrete Auskunft: «Der Räumungszeitpunkt folgt nun dem ordentlichen Prozess.»

(dak/ade)

veröffentlicht: 15. Juni 2023 17:28
aktualisiert: 15. Juni 2023 17:28
Quelle: BärnToday

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