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Krimiautorin Christine Brand spricht über ihr Leben als Schriftstellerin

So lebt sie

Oberburger Autorin Christine Brand spricht über das «einsame Schreiben»

05.11.2023, 07:03 Uhr
· Online seit 02.11.2023, 20:06 Uhr
Christine Brand stammt aus dem Emmental, ist Krimi-Autorin und freie Journalistin: Im zweiten Teil des Interviews verrät sie, wo sie besonders gerne schreibt, wann sie Motivationsschwierigkeiten hat und wie sie als Autorin über die Runden kommt.
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BärnToday: Christine Brand, inwiefern hat Ihre Karriere als Journalistin Ihr Schreiben beeinflusst?

Christine Brand: Davon profitiere ich sehr fest – einerseits, da ich Gerichtsreporterin war und viele Fälle miterlebt und so die Aussagen von Mördern und Opfern aussagen gehört habe. Das fliesst alles in meine Bücher mit ein. In fast jedem verstecke ich einen wahren Fall. Andererseits konnte ich durch meine Zeit als Journalistin auch ein Helfernetz aufbauen: eine forensische Psychologin, eine Person aus Zürich, die ihr Leben lang Mordfälle aufgedeckt hat oder ein emeritierter Rechtsmediziner. Eigentlich bin ich überrascht, dass ich wegen meines E-Mail-Verkehrs mit diesen Personen noch nie verhaftet wurde – würde der Überwachungsstaat funktionieren und meine Mails lesen, ich der ich frage, wie ein Charakter am besten umgebracht werden könnte, hätten sie mich schon lange wegen Vorbereitungshandlungen zu Mord verhaften können.

An welchen Orten schreiben Sie besonders gerne?

In der Schweiz bin ich eine schlechte Schreiberin. Hierzulande bin ich vor allem mit Lesungen beschäftigt und komme gar nicht dazu. Meistens schreibe ich daher auf einer Insel. Am häufigsten geschieht dies auf Sanisbar, dieser Ort wurde mittlerweile zu meinem zweiten Zuhause. Allerdings kann ich auch unterwegs schreiben; ich bin so etwas wie eine schreibende Nomadin. Zum Schreiben muss ich einfach weg – weg von meinem sozialen Umfeld, weg von der Ablenkung. Nur so kann ich richtig eintauchen zu können in die Geschichte, die ja eigentlich nur in meinem Kopf existiert.

Stellt Sie Ihr Lebensstil auch mal vor Konflikte in Ihrem sozialen Umfeld?

Ich lebe diesen Lebensstil ja mittlerweile schon seit sieben oder acht Jahren. Doch bereits als junge Frau bin ich immer viel gereist. Einmal nahm ich mir sieben Monate Zeit, um alleine die Welt zu reisen. Natürlich gibt es Menschen wie beispielsweise meine Mutter, die es nicht so toll finden, wenn ich so lange weg bin. Eine oder zwei Freundschaften haben das auch nicht so gut überstanden. Aber bei den langen, guten Freundschaften ist es kein Problem. Ich finde sogar, es ist leichter, Beziehungen zu pflegen, wenn man nicht immer da ist: Man verabschiedet oder trifft sich bewusster. Mit einigen meiner Freundinnen habe ich mehr Kontakt, wenn ich weg bin.

Bringt Sie Schreiben manchmal auch unter Druck?

Als ich mich entschieden habe, mein Journalistinnen-Job an den Nagel zu hängen, habe ich mir im ersten Moment vorgestellt, immer in einem schönen Strandcafé schreiben zu können. So ist es nicht. Bevor der Buchvertrag kommt, muss ich immer Exposés abgeben, in der ich die Geschichte schon auf 30 Seiten erzähle. Momentan habe ich drei Buchverträge, die ich erfüllen muss. Den nächsten Krimi muss ich im Dezember abgeben, den übernächsten im November 2024 und einen weiteren – der in Sansibar spielen wird – im April 2025. Diese Bücher fertigzubringen, löst schon Druck aus.

Kommen Sie damit finanziell über die Runden?

Pro verkauftes Buch verdiene ich nicht wahnsinnig viel Geld – im Schnitt vielleicht einen Franken. Um über die Runden zu kommen, muss ich Lesungen halten. Diese Woche waren es sechs an sechs Abenden. Daher bedeutet mein Beruf viel mehr als nur Schreiben: Ich bin auch Managerin und Alleinunterhalterin auf der Bühne.

Können Sie an mehreren Büchern gleichzeitig schreiben?

Wenn ich am Überarbeiten bin, kann ich schon nebenher an einer anderen Geschichte schreiben. Aber es ist für mich schwierig, gleichzeitig meinen Kopf in zwei verschiedenen Geschichten zu haben. Daher versuche ich immer, das aktuelle Buch so weit als möglich fertigzustellen und danach das Nächste in Angriff zu nehmen.

Haben Sie manchmal Schreibblockaden?

Das kam erst ein einziges Mal vor. Als ich mein erstes Exposé – eine Zusammenfassung des Buches – geschrieben und daraufhin einen Buchvertrag erhalten habe, wusste ich nicht, wie ich mit dem Roman beginnen soll. Ich dachte mir, ich weiss ja bereits alles, was passiert. Dann rief ich meine Verlegerin an und fragte, wie fest der Roman dem Exposé entsprechen müsse. Sie antwortete, solange kein historischer Liebesroman daraus entstehe, sei alles im grünen Bereich. Dann habe ich doch noch einige Sachen abgeändert. So wurde das Schreiben wieder zum Vergnügen. Seither hatte ich keinen einzigen Schreibstau mehr.

Wie steht es mit Motivationsproblemen?

Stundenlanges Schreiben kann sehr einsam sein. Daher habe ich manchmal schon das Bedürfnis, wieder in das reale Leben zurückzugehen. In solchen Situationen muss ich mich manchmal schon etwas durchbeissen.

Weshalb Krimis und nicht Liebesgeschichten?

Ich glaube nicht, dass ich die richtige Person für Liebesgeschichten wäre – die sind mir zu süss, schnulzig und kitschig. Ich mag lieber Bücher, bei denen etwas deftiger zu- und hergeht. Krimis liegen mir am meisten, da ich so lange Gerichtsreporterin war. Und ich finde sie auch am einfachsten, da man mit einem Gerüst arbeiten kann: Es passiert ein Verbrechen, das aufgeklärt wird. Der Täter wird schlussendlich gefunden. Bei anderen Romanen steht man mehr im leeren Raum – aber auch für solche Geschichten habe ich noch zwei, drei Ideen.

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Im ersten Teil des Interviews sprach Christine Brand über ihre neuen Bücher «Wahre Verbrechen» und «Der Feind» und wie sie dabei beim Schreiben an ihre Grenzen gestossen ist.

veröffentlicht: 2. November 2023 20:06
aktualisiert: 5. November 2023 07:03
Quelle: BärnToday

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