Nomination

Manfred Liechti: «Kneubühls Reaktion auf den Film berührte mich am meisten»

Riccardo Schmidlin, 25. Januar 2023, 05:43 Uhr
Mit «Peter K. – Alleine gegen den Staat» gelang dem Berner der grosse Erfolg. Die Filmkritikerinnen und -kritiker waren sich einig, dass er durch die Verkörperung des als «Amok-Rentner» bekannten Peter Hans Kneubühl den Film von A bis Z trägt. Nun ist Liechti für den Schweizer Filmpreis in der Kategorie «Bester Darsteller» nominiert.
Manfred Liechti brilliert in seiner Rolle als Peter K.
© zvg
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«Ich bin ein Glückspilz», sagt der 66-Jährige im Gespräch mit BärnToday. «Seit dem ersten Telefongespräch mit Filmemacher Laurent Wyss, als er mir erzählte, wie die Idee umzusetzen wäre, habe ich nur glückliche Tage erlebt.»

Diese Chancen macht sich Liechti aus 

Am 24. März wird der Schweizer Filmpreis 2023 in Genf verliehen. In der Kategorie «Bester Darsteller» ebenfalls nominiert sind Michael Neuenschwander für seine Darbietung in «A Forgotten Man» und Simon Wisler für «Drii Winter».

Liechti will sich für die Verleihung nicht zu weit aus dem Fenster lehnen: «Die anderen beiden Nominierten sind mindestens so hervorragend wie ich. Wenn ich Glück habe, erhalte ich am Ende ein paar Stimmen mehr.»

Quelle: BärnToday

Für seine Darbietung als Peter K. erhielt der Berner positive Rückmeldungen en masse. Die Reaktion, die ihn am meisten berührte, war jedoch jene von Kneubühl selbst, der den Film im Gefängnis gesehen hatte. «Er verfasste daraufhin einen Brief, in dem er mir schrieb, dass er hundertprozentig hinter dem Film stehe und begeistert über das Resultat sei.»

Kneubühl habe einzig darauf hingewiesen, dass im Film viele Dinge ausgelassen wurden. Seine Reaktion darauf: «Ich begreife es aber, dass man meine ganze Lebensgeschichte nicht in 90 Minuten reinquetschen kann.»

Ärger um Schlagzeilen 

Dass seine Reaktion so positiv ausfiel, ist für den Schauspieler nicht selbstverständlich. «Es bestand die grosse Gefahr, dass Herr Kneubühl sich nicht wiedererkennen würde oder sich darin bestätigt fühlen könnte, nicht in Ruhe gelassen zu werden», sagt Liechti mit Verweis auf die grosse mediale Berichterstattung. Er selbst kann Schlagzeilen wie «Amok-Rentner» nicht nachvollziehen. «Dieser Mann lief keine einzige Sekunde Amok, sondern verbarrikadierte sich», ärgert sich der Schauspieler.

Um nichts ins gleiche Fahrwasser zu geraten, sei Vorbereitung das A und O gewesen. «Wir haben uns intensiv mit seinen Tagebüchern und seiner Korrespondenz mit den Behörden sowie den zugänglichen Polizeiprotokollen beschäftigt.» Den Reaktionen nach hat sich dieser Aufwand scheinbar gelohnt.

Was wartet nach «Peter K. – Alleine gegen den Staat» auf Liechti? Noch habe er keine neuen Filmangebote erhalten. Er hofft aber, dass ihm die Nomination neue Türen öffnet. «Was wäre der Mensch ohne Hoffnung?», meint er zuversichtlich.

Du willst mehr über den Fall Kneubühl erfahren? Dann schaue dir den TeleBärn-Beitrag vom 8. September 2020 an.

Quelle: TeleBärn

Quelle: BärnToday
veröffentlicht: 25. Januar 2023 05:44
aktualisiert: 25. Januar 2023 05:44