Lehrermangel

Schulstart wird zur Herausforderung: Ein Zehntel der Berner Lehrpersonen ist unterqualifiziert

9. August 2022, 05:29 Uhr
Rund 10 Prozent aller Lehrpersonen im Kanton Bern haben eine ungenügende Ausbildung. Für den Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz LCH ist dieser Zustand nicht annehmbar. Wichtig sei besonders, neu ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer lange im Beruf zu behalten.
Schwierige Situation im Schulzimmer: Viele Lehrpersonen verfügen nicht über die nötigen Qualifikationen.
© KEYSTONE/Ti-Press/Elia Bianchi

Schon bald ist wieder Schulstart angesagt. Doch nicht nur viele Schülerinnen und Schüler bangen auf den Termin: Für die Lehrkräfte wird die Problematik um den Lehrermangel immer schwieriger. Immer mehr Lehrpersonen werden auch ohne genügende Qualifikationen eingestellt. Dies löse das Problem aber nur bedingt, da solche Lehrkräfte eher eine Mehrbelastung als eine Entlastung für die Schulen bringen.

Der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz LCH machte am Montag mit einer Medienkonferenz auf die angespannte Lage aufmerksam. Zum Schulstart am nächsten Montag gibt es auch für die Berner Kinder viele Fragezeichen. «Man weiss noch nicht, wie die Situation aussehen wird, ob die Klassen grösser gemacht werden müssen oder ob eine Person vor der Klasse steht, die keine Ausbildung hat», sagt Damar Rösler, Zentralpräsidentin Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz.

Mehr Aufwand statt Entlastung

«Im Kanton Bern schätzt man, dass 10 Prozent der Lehrpersonen nicht die adäquate Ausbildung haben», sagt Beat Schwendimann, Leiter Pädagogik beim LCH. «In Bern werden schon länger Menschen beschäftigt, die nicht die notwendige Ausbildung haben.» Für den Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer Schweiz sei dieser Zustand nicht annehmbar.

Quelle: BärnToday / Warner Nattiel

Einerseits sei man zwar dankbar für die Notfallmänner und -frauen, die jetzt ohne die passende Ausbildung einspringen, aber für den LCH ist es keine langfristige Lösung. Nicht genügend ausgebildete Personen sorgten bei den ausgelasteten Lehrerinnen und Lehrern für mehr Betreuung und damit zu einer Mehrbelastung. Viel mehr brauche es junge ausgebildete Lehrpersonen, die den Lehrermangel decken.

Auch wenn die pädagogischen Hochschulen aktuell Rekordzahlen verzeichnen, reiche es nicht, sagt Zentralpräsidentin Rösler. Wichtig sei besonders, dass diese jungen Lehrerinnen und Lehrer im Beruf bleiben und nicht nach einige Jahren wieder aussteigen oder gar nie in den Beruf einsteigen.

Gleicher Meinung ist auch Schwendimann: «Es braucht Anpassungen, dass Lehrpersonen nicht überlastet werden und aufgrund eines Burnouts wieder aussteigen.»

Den Lehrerberuf in ein gutes Licht rücken

Doch wie kann man den Lehrberuf wieder attraktiv machen? Daniel Hofmann, Co-Schulleiter der Schule Manuel, sagt: «Das Image des Berufes muss wieder positiv besetzt werden. Es muss hervorgehoben werden, dass es ein kreativer Beruf ist, bei welchem man bei jungen Menschen viel bewirken kann.»

Quelle: BärnToday / Warner Nattiel

Der LCH fordert bessere Arbeitsbedingungen und ein Mentoringprogramm für junge und unerfahrene Lehrpersonen. Auch dies führe zu Mehrbelastung, so Rösler, aber man wolle schliesslich, dass die jungen Lehrerinnen und Lehrer möglichst lange im Beruf bleiben.

Mit einem Mentoringprogramm hat man an der Schule Manuel in Bern bereits gute Erfahrungen gemacht. «Ich glaube, dass es ein Instrument ist, das Zukunft hat. Es wird nicht dazu führen, dass wir sofort mehr Lehrpersonen haben, aber dass wir die, wir wir ausbilden, länger behalten können.»

(dak)

Quelle: BärnToday
veröffentlicht: 8. August 2022 21:02
aktualisiert: 9. August 2022 05:29
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