Prostitutionsgewerbegesetz

«Sexarbeit muss entstigmatisiert werden»

22. November 2022, 17:43 Uhr
Im Kanton Bern sollen Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter mit dem 2013 eingeführten Prostitutionsgewerbegesetz besser geschützt werden. Das Gesetz habe sich als wirksam erwiesen, wie der Kanton mitteilt. Die Fachstelle Xenia spricht sich gegen eine Sonderregulierung aus.
Im Kanton Bern gibt es seit 2013 ein Prostitutionsgewerbegesetz.
© KEYSTONE/Jean-Christophe Bott
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Zum Schluss, dass sich das Prostitutionsgewerbegesetz im Kanton Bern als wirksam erwiesen haben soll, kommt ein Team der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Es hat die Wirkung des Gesetzes im Auftrag das Kantons untersucht. Dies schreibt der Kanton Bern in einer Mitteilung.

Er führte 2013 als erster Deutschschweizer Kanton ein umfassendes Regelwerk für das Sexgewerbe ein. Ein Hauptziel war, Sexarbeitende vor Ausbeutung und Missbrauch zu schützen. Kernstück des Gesetzes ist die Bewilligungspflicht für Betreiber von Sexsalons.

Xenia gegen Sonderregulierung

Die Regierung zieht aus dem Evaluationsbericht den Schluss, dass sich das Gesetz insgesamt bewährt habe und spricht sich für weitere Kontrollen und Legalisierung aus. Jegliche Form des Verbots der Prostitution würde zu mehr Problemen führen.

Die Fachstelle Xenia, die im Kanton Bern Sexarbeitende und Behörden berät, ist gegen eine Sonderregulierung von Prostitution, wie sie auf Anfrage mitteilt. Eine Sonderregelung würde weiterhin dazu führen, dass es mehr Abhängigkeiten gebe und das Gewerbe weiterhin stigmatisiert werde.

Christa Ammann ist Leiterin der Fachstelle Xenia.

© TeleBärn

Optimierungsbedarf bestehe unter anderem bei der Bewilligungspflicht, heisst es in der Mitteilung weiter. Insbesondere für Kleinstbetriebe seien die gesetzlichen Anforderungen zu hoch. Eine Vereinfachung sei vonnöten. Das wird auch von der Fachstelle Xenia begrüsst, wie Christa Ammann sagt.

Schutz vor Missbrauch

Der Kanton Bern will mit dem Prostitutionsgewerbegesetz unter anderem Sexarbeitende vor Ausbeutung und Missbrauch schützen. Ammann stellt infrage, ob das Gesetz das wirksame Mittel ist, um dies zu erreichen. Aber sie sagt auch: «Es führt natürlich dazu, dass die Arbeitsorte bekannt sind und Kontakte zwischen den kontrollierenden Organen und den Sexarbeitenden stattfinden können.»

Für den Berner Regierungsrat besteht «kein unmittelbarer Bedarf», das Beratungsangebot für Personen im Sexgewerbe auszubauen. Auch das sieht Ammann kritisch, die Ressourcen von Xenia seien zu knapp. «Wir können den Bedarf, der an Beratungen vorhanden ist, nicht decken.»

Abschliessend wünscht sich Ammann eine Entstigmatisierung des Gewerbes und ein normalerer Umgang mit Sexarbeitenden. Denn: «Da leidet man sehr darunter, wenn man so stigmatisiert wird.»

(raw/sda)

Quelle: BärnToday
veröffentlicht: 22. November 2022 19:17
aktualisiert: 22. November 2022 19:17