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Unterhosen vergraben für die Wissenschaft

Citizen Science

Unterhosen vergraben für die Wissenschaft

· Online seit 28.09.2022, 14:24 Uhr
2000 Unterhosen sind in Schweizer Böden vergraben worden. Im Rahmen eines wissenschaftlichen Versuchs zeigten die Kleidungsstücke auf, wo die Böden besonders fruchtbar sind.
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Im April 2021 hatten die Forschenden von Agroscope und der Universität Zürich das Citizen-Science-Projekt «Beweisstück Unterhose» lanciert. 1000 Laienforscherinnen und Laienforscher vergruben mit einem standardisierten Verfahren Unterhosen sowie Teebeutel in ihren Gärten, Wiesen und Äckern. Zusätzlich sammelten sie Bodenproben und hielten Bewirtschaftungsdaten fest.

Viele Daten dank hunderten Bürgerwissenschaftlern

Im Vergleich zu privaten Gärten verrotteten die Unterhosen aus Baumwolle in landwirtschaftlich genutztem Boden um 23 Prozent langsamer, wie Studienleiter Marcel van der Heijden von der Versuchsanstalt Agroscope in einer Medienmitteilung vom Mittwoch schrieb. Wo es schneller ging, befanden sich mehr Nährstoffe im Boden.

Auch im Kanton Bern nahmen zahlreiche Laienwissenschaftlerinnen und Laienwissenschaftler am Projekt teil. Auf der Webseite von «Beweisstück Unterhose» lässt sich anhand einer Karte die Ausbeute der ausgegrabenen genau Unterhosen verfolgen. Eine in den Berner Familiengärten Schlossgut vergrabene Unterhose wurde so in einem Zeitraum von einem Monat um circa 30 Prozent abgebaut. In Münsingen wurde eine Unterhose über zwei Monate um circa 60 Prozent abgebaut. Eine Unterhose in Thun wurde in diesem Zeitraum fast komplett verarbeitet.

«Ohne die Mitarbeit der Citizen Scientists hätten wir nie so viele Daten erhalten. In der Schweiz war es das bisher grösste Projekt seiner Art», sagt Bender. Im Labor liess sich der Zersetzungsgrad der Unterhosen anhand digitaler Scans genau messen. Ebenso wurden die mitgelieferten Bodenproben analysiert.

Mehr Nährstoffe in privaten Gärten

Die Studie habe bewiesen, wie wichtig der Humusgehalt für den Wasserhaushalt des Bodens sei. «Je mehr Humus ein Boden enthielt, desto mehr Wasser konnte er speichern», sagt Projektleiter Franz Bender.

Dass in privaten Gärten mehr Nährstoffe vorhanden waren, führen die Forscher auf den Einsatz von Kompost zurück. Dieser setze Nährstoffe frei, die auch als Nahrung für Bodenlebewesen dienten. Die Forscher haben Vorschläge für die Landwirtschaft. «Wenn wir die Landwirtschaft gegen die zunehmende Trockenheit wappnen, den Ertrag hochhalten und nachhaltiger produzieren wollen, können wir unter anderem beim Humusgehalt ansetzen», sagt Marcel van der Heijden.

Millionen Lebensformen im Humus

Der Humus lasse das Bodenökosystem optimal funktionieren. Es gebe schon bekannte Massnahmen dafür. Beispielsweise eine permanente Bodenbedeckung, eine reduzierte Bodenbearbeitung und das Ausbringen von Kompost oder Mulch. Auch der Humusbilanz-Rechner, ein für alle verfügbares, kostenloses Onlinetool, könne Landwirtinnen und Landwirten beim Humusaufbau helfen.

Die Forschenden entdeckten mit über 18’900 Bakterienarten und 6500 verschiedenen Pilzen eine enorme Vielfalt an Bodenlebewesen. Das beweise, dass Millionen von Lebensformen jeden Kubikzentimeter Boden bevölkerten. Sie rezyklieren organisches Material wie alte Blätter, Gras, Dung und auch Kadaver und wandeln es in Nährstoffe für die Pflanzen um, heisst es in der Mitteilung. Sie produzierten «Gratisdünger» für die Gärten und die Landwirtschaft.

(sda/dak)

veröffentlicht: 28. September 2022 14:24
aktualisiert: 28. September 2022 14:24
Quelle: BärnToday

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