Leichtathletik-EM

Mujinga Kambundji holt Gold über 200 Meter und ist Europameisterin

20. August 2022, 06:40 Uhr
Mujinga Kambundji holt eine weitere Medaille für die Schweiz. Sie siegt an der Leichtathletik-EM in München über 200 Meter – und ist die neue Europameisterin.
Mujinga Kambundji freut sich über ihre Goldmedaille im 200-Meter-Sprint.
© KEYSTONE/Georgios Kefalas

Mujinga Kambundji hat sich den ersehnten ersten Freiluft-Titel gesichert. Die Bernerin gewinnt in München über 200 m das Duell mit Dina Asher-Smith und ist erstmals Europameisterin.

Über die 100 m liess sich Kambundji am Dienstag im Finish noch abfangen. Über die doppelte Distanz liess die 30-Jährige nichts mehr anbrennen. In 22,32 Sekunden holte die Schweizer Sprintkönigin ihre zweite Goldmedaille in diesem Jahr nach dem Titel über 60 m an der Hallen-WM in Belgrad und ihre zweite Medaille an diesen Titelkämpfen.

Wie erwartet wurde der Kampf um Gold zum Duell zwischen Kambundji und Asher-Smith, die noch über 100 m hatte aufgeben müssen. Mit einem Zehntel Vorsprung überquerte die Schweizerin schliesslich unter den Augen von Bundesrätin und Sportministerin Viola Amherd die Ziellinie. Die restlichen Konkurrentinnen hatten keine Chance. Die Dänin Ida Karstoft wies als Dritte bereits eine halbe Sekunde Rückstand auf.

Nach der Kurve durchgezogen

Wie üblich startete Kambundji schnell. Ausgangs Kurve hatte die Hallen-Weltmeisterin und Olympia-Sechste ihre Konkurrentin Asher-Smith eingeholt. «Dann dachte ich nur, jetzt durchziehen und ja keinen Fehler mehr machen», so eine überglückliche Kambundji in einer ersten Reaktion gegenüber SRF. Das gelang – auch wenn ihr Schweizer Rekord von der WM in Eugene (22,05) ausser Reichweite lag.

Für Kambundji ist es die vierte Medaille an Freiluft-Titelkämpfen. Die Erleichterung war der Bernerin anzusehen, sie war spürbar, es muss ihr ein riesiger Stein vom Herzen gefallen sein. «Ein Titel ist etwas anderes als eine Medaille», sagte sie. «Dieser Titel bleibt für immer.»

Von einer Vollendung ihrer Karriere durch das Gold über 200 m mochte die 30-Jährige allerdings nicht sprechen. «Es kommen immer neue Ziele. Ich will alles mitnehmen was ich kann.» Als Athletin wolle man immer mehr. «Das spornt einen an. Ich habe ja vor ein paar Jahren auch nicht gedacht, dass ich Hallen-Weltmeisterin oder Europameisterin werden könnte.»

Auch vom wichtigsten Sieg oder der wichtigsten Medaille ihrer Karriere wollte die Bernerin nicht explizit sprechen. «Es ist schwer, Hallen-Weltmeisterschaften, Weltmeisterschaften und Europameisterschaften zu vergleichen. Jede Medaille hat ihr eigene Geschichte.»

Mit Silber Frieden geschlossen

Ein Satz verriet allerdings, wie stark sie die Niederlage über 100 m vom Dienstag beschäftigt hatte. «An der Medaillenfeier habe ich mit der Silbermedaille Frieden geschlossen», sagte Mujinga Kambundji. Das Scheitern gegen die Aussenseiterin Gina Lückenkemper um fünf Tausendstel war wohl mehr als eine verpasste Chance gewesen. Eine Niederlage, die einen wurmt.

Es spricht für Mujinga Kambundji als Sportlerin, dass sie den Fokus für die nächste Aufgabe schnell wieder fand. Denn der Sieg gegen die Britin Dina Asher-Smith war alles andere als aufgelegt. Am nasskalten Abend auf einer nicht all zu schnellen Bahn ohne grosse Windunterstützung die 200 m in 22,32 Sekunden zu laufen, das ist schon Klasse.

Dass sie für die Traumsaison 2022 mit Hallen-WM-Gold, den Schweizer Rekorden über 100 m und 200 m sowie dem EM-Titel 30 Jahre alt werden musste, stört WM-Dritte von Doha 2019 nicht. «Das beste Beispiel ist doch Shelly-Ann Fraser-Pryce», meint sie mit einem Augenzwinkern. Die 100-m-Weltmeisterin aus Jamaika wird dieses Jahr noch ihren 36. Geburtstag feiern.

(sda)

Quelle: BärnToday
veröffentlicht: 19. August 2022 06:50
aktualisiert: 20. August 2022 06:40
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