Bern

Public Viewing «Dr Bitz» zeigt umstrittene WM in Katar

Mit Amnesty International

Public Viewing «Dr Bitz» zeigt umstrittene WM in Katar

03.10.2022, 09:09 Uhr
· Online seit 28.09.2022, 06:46 Uhr
«Hopp Fussball, feines Bier, Glühwein und gute Atmosphäre» – das erhofft sich Beat Wenger, Veranstalter von «Dr Bitz» in Bern. Aufgrund der Menschenrechtslage in Katar will er ein Public Viewing auf eine andere Art auf die Beine stellen. Dazu hat er sich einen besonderen Partner ins Boot geholt.
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Letztes Jahr feierte das Public Viewing «Dr Bitz» im Casinopark in Bern grossen Erfolg. Daran wollte die Veranstalterin, die Eventagentur Zone B, bei den Fussball-Weltmeisterschaften im November anknüpfen.

«Aber mit der Problematik, die Katar mit sich bringt – mit den zahlreichen Toten rund um den Stadionbau – können wir kein klassisches Public Viewing machen», sagt Zone-B-Inhaber Beat Wenger. «Zuerst wollten wir es sogar boykottieren, entschieden uns aber dann, einen Menschenrechtspartner zu suchen. Das gibt uns die Berechtigung, Fussball abzufeiern, aber auch in Katar hinzuschauen, was dort menschenrechtsmässig nicht gut läuft.»

Den Partner für das Indoor-Viewing in den Vidmarhallen hat Zone B in Amnesty International Schweiz gefunden. Die Nichtregierungs-Organisation wolle an Public Viewings präsent sein, erklärt Natalie Wenger, Mediensprecherin Amnesty International Schweiz. «Weil wir finden, dass an dieser Weltmeisterschaft die Menschenrechte nicht vergessen werden sollen.» Amnesty kann inhaltlich bei «Dr Bitz» stark mitreden.

Den Druck auf die Fifa erhöhen

Konkret heisst das, dass Amnesty International Schweiz vor, zwischen und nach den Matches eine Plattform haben wird. Diese will man für Sensibilisierung nutzen: «Für uns ist das Ziel, an den Public Viewings einen Dialog zu schaffen, dass wir Fussballfans auf Menschenrechtsthematiken sensibilisieren», so die Amnesty-Sprecherin. So solle der öffentliche Druck auf die Fifa steigen.

Auch Podiumsgespräche zum Thema Fussball und Menschenrechte sind geplant. Beat Wenger betont: «Fussball an sich ist nichts Schlechtes – er verbindet Menschen. Aber das, was in Zusammenhang mit dem Event läuft, ist nicht gut und das wollen wir beleuchten.»

Bernerinnen und Berner, die «Dr Bitz» besuchen, dürfen sich auch auf Konzerte freuen. Zusätzlich organisiert Amnesty für «Dr Bitz» eine Fotoausstellung. In «Forgotten Team» zeigt der Fotograf Mohammed Badarme, der selbst mehrmals in Katar war, Fotos von Frauen, deren Rechte verletzt worden sind.

Boykott war keine Frage

Auf die Frage, ob man die umstrittene Weltmeisterschaft nicht boykottieren sollte, geben Wenger und Wenger ein klares «Nein» als Antwort. «Wir sind generell gegen Boykott und haben nicht das Gefühl, dass dies die richtige Lösung ist, um Veränderungen zu bewirken», ordnet die Amnesty-Sprecherin ein. Das zeige auch die Arbeit. «Wir haben in Katar viel erreicht, weil wir den Dialog suchen, vor Ort sind und Gespräche mit Verantwortlichen suchen.» Boykott hingegen sei selten gewinnbringend.

Für Natalie Wenger ist klar: «Unser Engagement in Katar wird nicht fertig sein, wenn die WM vorbei ist.» Sie findet die Unterstützung des Public Viewings nicht problematisch: «Wir zahlen ja nicht der Fifa und Katar Geld. Wir sind präsent, um darauf aufmerksam zu machen, was falsch läuft.»

Kein Drumherum und keine Werbung

Denn «Dr Bitz» wird anders als herkömmliche Public Viewings. Beat Wenger von Zone B sagt deutlich: «Wir zeigen Fussball. Wir schalten Bild und Ton ein, wenn der Schiri anpfeift – wenn er zur Pause pfeift, schalten wir wieder aus.» Es werde keine Pausenwerbung und keinen Studio-Talk geben. «Die, die es vor allem interessiert, was die Experten nach dem Match plaudern, müssen vielleicht auf dem Sofa daheim zuschauen.»

«Dr Bitz» wird durch Crowdfunding, lose Spenden und Gastronomie vor Ort finanziert. Wenn die Fixkosten gedeckt sind und dann noch etwas übrig bleibt, gehe das an Amnesty-Projekte. Für Beat Wenger besonders wichtig: «Wir werden und wollen keinen Franken daran verdienen, denn ich finde, wir haben keine Berechtigung dafür.» Man wolle Amnesty «einen schönen Batzen» spenden.

veröffentlicht: 28. September 2022 06:46
aktualisiert: 3. Oktober 2022 09:09
Quelle: BärnToday

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