«Tropfen auf den heissen Stein»

Bern kämpft trotz Unwettern weiter gegen Trockenheit

Riccardo Schmidlin, 18. August 2022, 16:31 Uhr
Nach der wochenlangen Hitze gewitterte es im Kanton Bern heftig. Vielerorts kam es zu Überschwemmungen. Ein Meteorologe erklärt, warum der Regen aber nur bedingt gegen die Trockenheit hilft.

Quelle: BärnToday

Nach der wochenlangen Hitzewelle mit kaum Niederschlägen ist es im Kanton Bern am Mittwochabend und in der Nacht auf Donnerstag zu heftigen Gewittern gekommen. Den meisten Niederschlag mit 21 Millimetern in den letzten 24 Stunden verzeichnete die Stadt Bern und Langnau im Emmental.

Über 70 Unwetterschäden im Bernbiet

Dies blieb nicht ohne Folgen: Bäche traten über die Ufer, Wasser drang in Häuser ein, Strassen überfluteten, Äste fielen auf die Fahrbahn und Dächer wurden beschädigt. Bei der Kantonspolizei Bern gingen über 70 Meldungen im Zusammenhang mit Unwetterschäden ein.

«MeteoNews»-Meteorologe Michael Eichmann erklärt auf Anfrage von BärnToday: «Die Böden waren trocken, so dass sie das Wasser nicht gut aufnehmen konnten. Das Wasser floss oberirdisch ab.»

Meteorologe: «Trockenheit nicht weggewischt»

Der Niederschlag kommt nach der lang anhaltenden Trockenheit zwar recht. Aber: «Die Niederschläge waren ein Tropfen auf den heissen Stein», sagt er. «Die Trockenheit ist nicht weggewischt. Für eine deutliche Entspannung bräuchte es länger dauernde Niederschläge.»

Auf das ganze Jahr betrachtet, gebe es ein enormes Defizit an Regen. Laut dem Meteorologen fehlen 200 bis 250 Millimeter. «Das ist mit einem Niederschlag nicht eingeholt. Deshalb sind die Niederschläge in den nächsten Tagen wichtig, um die Trockenheit weiter zu lindern.»

Bis und mit Sonntag bleibt es im Bernbiet weiterhin nass. Es werden lokal 30 bis 50 Millimeter Niederschlag pro Quadratmeter erwartet, im Berner Oberland gar 70 bis 90 Millimeter. «Die Speicher der Böden sind noch nicht voll. Es kann also noch viel Wasser versickern», so Eichmann.

Angefeuchtete Böden verhindern Überschwemmungen 

Da die Böden nun angefeuchtet sind, sollten Überschwemmungen ausbleiben. Eichmann rechnet nur vereinzelt mit überfluteten Strassen oder überquellenden Senklöchern. Auch einzelne Bäche in den Bergen könnten bei viel Niederschlag überschwappen.

Kommende Woche aber zeigt sich der Sommer wieder von seiner sonnigen Seite. «Ein Hochdruckgebiet aus dem Atlantik nähert sich der Schweiz und sorgt für stabiles Wetter», sagt Eichmann. Am Donnerstag soll das Thermometer erneut die 30-Grad-Grenze überschreiten. Somit dürfte sich die Trockenheit erneut verschärfen. «Zusätzlich verstärkt eine Bise die Trockenheit», so der Meteorologe.

Quelle: BärnToday
veröffentlicht: 18. August 2022 11:41
aktualisiert: 18. August 2022 16:31
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