Angst vor Demos

Umstrittene serbische Filmvorführung in Bolligen abgesagt

14. Oktober 2022, 07:16 Uhr
Ein serbischer Dokumentarfilm würde «Gräueltaten verharmlosen», monieren bosnische Vereine. Nach Beschwerden wurde ein Filmanlass in Bolligen dieses Films abgesagt. Auch anderswo stehen Vorstellungen auf der Kippe.
Bosnische Kulturvereine werfen dem Film vor, es werden Völkermorde verharmlost. (Symbolbild)
© Imago
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Eine geplante Vorführung des umstrittenen serbischen Films «Srpska– Kampf für die Freiheit» in Bolligen ist abgesagt worden – in Absprache mit der Gemeinde. Alfons Cina, Geschäftsführer Reberhaus, wo der Film am 20. Oktober hätte gezeigt werden sollen, befürchtete, dass es wegen des Filmes zu Demonstrationen kommen könnte. Über 60 Beschwerdemails waren zuvor bei der Gemeindeverwaltung eingegangen, wie die «Berner Zeitung» und «Der Bund» berichten.

«Gräueltaten verharmlost»

Im Dokumentarfilm geht es um die Gründung der Republik Srpska– eine der zwei Teilrepubliken Bosnien-Herzegowinas, die mehrheitlich von bosnischen Serben bewohnt ist. Während des Bosnienkriegs kam es auf dem Gebiet unter anderem zum Völkermord in Srebrenica.

Bosnische Kulturvereine werfen den Filmemachenden vor, die Dokumentation würde die «Gräueltaten der Polizei und der Armee der Serbischen Republik im Zeitraum 1992 bis 1995» verharmlosen. Regisseur Boris Malagurski würde mit dem Film politische Ziele verfolgen, um der Republik Srspka mehr Autonomie zu verschaffen, lautet der Vorwurf.

«Wir nehmen die Vorwürfe der bosnischen Kulturvereine ernst», wird Bolligens Vize-Gemeindepräsidentin Marianne Zürcher im Bericht zitiert. Zum Inhalt des Films nehmen weder sie noch Geschäftsführer Cina weiter Stellung.

Regisseur weist Vorwürfe zurück 

Nicht nur in Bolligen wird der Film nicht vorgeführt. Die Stadt Uster entschied sich, den Film nicht zeigen zu wollen und auch in Volketswil steht eine geplante Veranstaltung auf der Kippe, wie «20 Minuten» berichtet. Auf der Plattform change.org haben bislang über 20'000 Personen unterschrieben, die die europaweite Ausstrahlung des Dokumentarfilms verbieten wollen.

Regisseur Malagurski weist die Vorwürfe zurück. «Das Ziel des Films ist es, die Zusammenarbeit zwischen den in Bosnien lebenden Serben und Bosniaken zu unterstützen», sagt er gegenüber der Pendlerzeitung. Den Vorwurf, den Völkermord zu leugnen oder zu verharmlosen, weist er zurück. Auch habe er weder Fördergelder vom serbischen Staat noch von der Republik Srspka erhalten, wie bosnische Vereine dies ihm unterstellen.

(ris)

Quelle: BärnToday
veröffentlicht: 14. Oktober 2022 07:17
aktualisiert: 14. Oktober 2022 07:17