Bern

Sorgt neue Unterkunft für Geflüchtete in Grosshöchstetten für Proteste?

Unterkunft für 150 Geflüchtete

Präsidentin von Grosshöchstetten: «Ich hoffe sehr, dass es keine Proteste gibt»

· Online seit 24.04.2024, 04:45 Uhr
Der Kanton Bern schafft in Grosshöchstetten eine Kollektivunterkunft für 150 geflüchtete Personen. Der Gemeinderat von Grosshöchstetten hat klare Forderungen gestellt, steht aber hinter dem Entscheid. Wie sieht es die Bevölkerung? Gemeindepräsidentin Christine Hofer nimmt Stellung.
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Frau Hofer, der Kanton sucht dringend Kollektivunterkünfte. In Grosshöchstetten soll ab 2025 nun eine Unterkunft für 150 geflüchtete Personen eröffnen. Wo genau?

Die Kollektivunterkunft ist im Neuhuspark, wo das ehemalige Spital lag. Es handelt sich um drei Gebäudekomplexe. Die Kollektivunterkunft entsteht im ehemaligen Bettenhochhaus des Spitals. Es liegt etwas am Rand der Gemeinde und liegt in der Nähe des Kreisels beim Coop Pronto, wenn man von Worb oder Biglen nach Grosshöchstetten kommt.

Was war eigentlich aktuell im Neuhuspark?

Der Neuhuspark war ein temporäres Altersheim. Wenn Institutionen ihre Heime saniert haben, konnten sie ihre Bewohnerinnen und Bewohner zwischenzeitlich hier in Grosshöchstetten unterbringen. Nach der Sanierung gingen sie zurück in ihr angestammtes Altersheim. Es gab mehrere solche Nutzungen. Zuletzt stand das Gebäude leer.

Wem gehört das Gebäude?

Die Gebäude gehören einer privaten AG. Die Verantwortlichen haben gemeinsam mit dem Kanton Bern einen Vertrag für die künftige Kollektivunterkunft ausgehandelt.

Zuletzt gab es immer wieder in Berner Gemeinden Proteste gegen die Schaffung von Kollektivunterkünften. Wie sieht es in Grosshöchstetten aus?

Das werden wir sehen. Bei uns war es schon mehrmals Thema, dass wir Flüchtlinge aufnehmen, da die Gemeinde eine Militärunterkunft besitzt. Der Kanton hatte zweimal angefragt, ob man diese als Kollektivunterkunft nutzen könnte. Sie eignete sich aber nicht. Man kann sie nur sehr schlecht heizen und es wäre zu Überschneidungen mit Nutzungen der Gemeinde gekommen. Deshalb ist die Thematik nicht ganz neu. Dass wir nun in diesem Umfang geflüchtete Personen aufnehmen, ist für Grosshöchstetten neu. Ich habe vor der Reaktion der Bevölkerung Respekt. Aber ich denke auch, dass die Leute ein gewisses Verständnis haben für Leute, die auf der Flucht sind und einen Unterschlupf suchen. Dass es auch kritische Reaktionen geben wird, darauf mache ich mich gefasst.

Sie erwarten keine Reaktionen wie in Wolfisberg, wo sich Gemeinde und Bevölkerung aktiv gegen die Kollektivunterkunft gewehrt haben?

Ich hoffe es nicht. Die Gemeinde fühlte sich dort von den kantonalen Behörden überrumpelt. Bei uns war das anders. Wir wurden miteinbezogen, konnten es im Gemeinderat diskutieren und auch Einfluss nehmen. Beispielsweise haben wir uns für eine Obergrenze eingesetzt, dass maximal 150 Personen im Gebäude untergebracht werden dürfen. Die Zusammenarbeit mit dem Neuhuspark und dem Kanton ist gut.

Hätte der Kanton gerne noch mehr geflüchtete Leute in Grosshöchstetten untergebracht?

Das weiss ich nicht. Möglich wäre es natürlich, denn das ehemalige Bettenhaus bietet Platz für noch mehr Leute und wenn der Kanton dringend Unterkünfte braucht, könnte er das ja in Betracht ziehen. Deshalb haben wir darauf bestanden, dass maximal 150 Personen einquartiert werden dürfen. Mehr könnte die Gemeinde nicht stemmen.

Können sie diese Zahl von 150 Personen einordnen? Was heisst das für Grosshöchstetten?

Bei uns ist die Relation anders als beispielsweise im kleinen Wolfisberg. Grosshöchstetten hat rund 4200 Einwohnerinnen und Einwohner. Die 150 geflüchteten Personen sind in einem Bereich, den wir stemmen können.

Wie ist die Haltung des Gemeinderats?

Wir wollen mit den kantonalen Behörden zusammenarbeiten. Unseren Teil zur Flüchtlingsthematik beitragen und wo es Probleme gibt, suchen wir nach guten Lösungen. Wir sind überzeugt, dass wir das gemeinsam schaffen.

veröffentlicht: 24. April 2024 04:45
aktualisiert: 24. April 2024 04:45
Quelle: BärnToday

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