Bern

Spezialtransport im Emmental: Tiny House von Weier nach Gohl auf Camping gebracht

Vom Weier nach Gohl

Spezialtransport im Emmental: Ein Gartenhäuschen geht auf Reisen

11.07.2024, 17:17 Uhr
· Online seit 11.07.2024, 06:38 Uhr
Vom Weier auf den Campingplatz Mettlen in Gohl: Am Donnerstag wird das kleinste Haus des Emmentals gezügelt – per Spezialtransport. Es kann deswegen zu Rückstau auf den Strassen kommen. Die Geschichte des Gartenhäuschens bietet so manche Überraschung.
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Vom Weier im Emmental, nach Sumiswald, Ramsei, Zollbrück, Langnau, Bärau und Gohl – bis auf den Campingplatz Mettlen. Diese Strecke wird ein kleines Gartenhaus am Donnerstag ab 8.00 Uhr zurücklegen. Der Transport ist speziell – die Geschichte hinter dem Häuschen umso mehr.

«Vorsichtig fahren wegen Glasscheiben»

Rund 45 bis 60 Minuten soll die «Züglete» vom Weier im Emmental nach Gohl auf den Campingplatz dauern. Gestartet wird bei der Firma Holzbau Käser, welche für das Projekt mitverantwortlich ist. «Das Gartenhäuschen wird fixfertig transportiert. Es hat eine Breite von 4 Metern und ist gar noch etwas höher, deshalb braucht es einen Ausnahmetransport», erklärt Nick Käser, zukünftiger Geschäftsführer von Holzbau Käser im Weier im Emmental.

So verlief der Spezialtransport

Die Ladung sei nicht schwer, aber ungewohnt. Vom Fahrer brauche es Fingerspitzengefühl. «Er muss vorsichtig fahren. Er kann mit dem Gartenhäuschen nicht so schnell unterwegs sein wie mit anderen Ladungen.» Dies, weil beispielsweise die Glasscheiben und eine Küche bereits eingebaut sind. Dem Spezialtransport wird ein Fahrzeug vorausfahren, welches den Verkehr auf die Besonderheit aufmerksam macht. Es kann zu kurzen Wartezeiten auf den Strassen in der Umgebung kommen.

Nach Brand blieb nur noch Gartenhaus

Durchgeführt wird der Spezialtransport von der Firma Emil Egger aus Hasle-Rüegsau. Die Spezialisten verfügen über das entsprechende Fahrzeug und einen Kran, mit welchem das Gartenhäuschen dann auf den Campingplatz gehievt wird.

Ursprünglich stand das Häuschen auf einem Bauerhof im Weier im Emmental. «Seit 1948 war es dort. Dann brannte der Bauernhof nieder. Das Einzige, was blieb, war das Gartenhaus», sagt Nick Käser. Das meiste Hab und Gut hätte die Bauernfamilie damals verloren. Aber: Nach dem Neuaufbau des Landwirtschaftsbetriebs war das Gartenhäuschen etwas «im Weg», es wurde nicht mehr wirklich gebraucht. «Da haben wir angeboten, dass wir es zu uns in die Werkstatt, die nicht weit davon entfernt ist, transportieren.» Dort habe die Firma das Häuschen seither gehortet.

Die Frau war «schockverliebt»

Eines Tages kam eine Frau bei Holzbau Käser vorbei und hat das Gartenhäuschen per Zufall entdeckt. Sie war sofort «schockverliebt», erinnert sich Nick Käser. Genau nach so einem Haus hatte sie schon seit einer Ewigkeit gesucht – um darin auf kleinem Raum zu wohnen.

Die Frau konnte das Häuschen schliesslich der Bauernfamilie abkaufen – und beauftragte Holzbau Käser damit, daraus ein sogenanntes Tiny House zu bauen. Der Holzbaubetrieb hat daraufhin das Haus isoliert, ein Bett, eine Küche und einen Tisch eingebaut – alles auf einer Fläche von 5,5 Quadratmetern. Über den Auftrag habe man sich sehr gefreut, sagt Käser. «Es dann noch für jemanden umzubauen, der viel Freude daran hat und es wirklich schätzt, ist toll.»

Besonders macht das Projekt auch, dass die Lernenden des Betriebs das Tiny House umgebaut haben. «Da konnten sie zeigen, was sie können», sagt Käser. Mit dem Resultat ist der zukünftige Geschäftsführer des Betriebs sehr zufrieden: «Es ist wunderbar.»

Als neue Heimat für das Tiny House war schon von Anfang an ein Campingplatz angedacht, doch einen Stellplatz zu finden, stellte sich als schwierig heraus. Auch hier konnte Nick Käser aushelfen: «Ein Kollege von mir hat einen Campingplatz in Gohl. Ich habe ihn angefragt und er war von der Idee hell begeistert.» Ab Donnerstag wird das Gartenhäuschen nun also auf dem Campingplatz Mettlen eine neue Heimat haben.

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veröffentlicht: 11. Juli 2024 06:38
aktualisiert: 11. Juli 2024 17:17
Quelle: BärnToday

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