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«30 Prozent der Schweizer Bevölkerung haben ein Schlafproblem»

Swiss Sleep House Bern

«30 Prozent der Schweizer Bevölkerung haben ein Schlafproblem»

· Online seit 26.11.2022, 07:21 Uhr
Am 29. November wird das Swiss Sleep House Bern im Tiefenau-Spital eröffnet. Im Interview erklärt Co-Leiter und Schlafforscher Albrecht Vorster, ob Schlafprobleme in der Schweiz zunehmen und wie eine Schlaftherapie im Swiss Sleep House abläuft.
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Das Swiss Sleep House wird am 29. November eröffnet. Wieso braucht es diese Einrichtung?

Albrecht Vorster: Etwa dreissig Prozent der Bevölkerung haben ein Schlafproblem. Bisher gibt es kaum Anlaufstellen für Menschen mit Schlafproblemen. Das Swiss Sleep House dient genau als solche Anlaufstelle.

Werden die Schlafprobleme bei Menschen in der Schweiz immer häufiger?

Tatsächlich ist die Häufigkeit von Schlafproblemen in der Schweiz in den letzten Jahren eher gleich geblieben. Die einzige Problematik, die sich erhöht hat, ist das Schnarchen mit Atemaussetzern, die sogenannte Schlafapnoe. Diese hat sich erhöht, weil mehr Leute übergewichtig sind. Übergewicht ist der grösste Risikofaktor, um Schlafapnoe zu entwickeln.

Was wird im Swiss Sleep House angeboten?

Im Swiss Sleep House können Menschen in ein «Walk-In» kommen und sich erstmal kostenlos informieren und beraten lassen. Wenn eine behandlungsbedürftige Schlaferkrankung vorliegt, können sie sich auch behandeln lassen. Entweder wegen einer Durchschlafstörung, einer Albtraumstörung oder einer Schichtarbeitsproblematik.

Sie bieten einen 5-minütigen Schlaf-Check an, wie funktioniert dieser genau?

In unserem kostenlosen Schlaf-Check gibt es die Möglichkeit, einen Fragebogen auszufüllen. Anhand der Antworten haben wir schon mal eine gute Vorstellung, wo die Ursache eines Schlafproblems liegt. Es gibt ganz viele verschiedene Ursachen, warum man schlecht schläft: Es kann sein, dass man eine Schlafapnoe hat. Oder man hat «restless legs», also ruhelose Beine, die schmerzen und einen am Ein- und Durchschlafen hindern. Es gibt aber auch Menschen, die Albträume haben oder deren Tagesrhythmus nicht konstant ist. Das Wichtigste bei einer Schlafstörung, bevor man einen Tipp gibt, ist, herauszufinden, wo die Ursache ist. Das können wir in diesen ersten fünf Minuten tun. Danach können wir den Patienten beraten, wie es weitergeht.

Sie bieten sowohl Einzel- als auch Gruppentherapien an. Wie sehen diese Therapien aus?

In der Einzeltherapie sitzen wir mit dem Patienten sechs bis zehn Mal im Abstand von ein bis zwei Wochen zusammen. In dieser Zeit füllt er auch ein Schlafprotokoll aus. Dann beraten wir ihn zu den Massnahmen, die er Schritt für Schritt umsetzen kann. Denn bei einem Schlafproblem braucht es meistens nicht nur einen Tipp, sondern eine komplette Verhaltensänderung. In den letzten Jahren war aber auch die Gruppentherapie sehr erfolgreich. Da kommen sechs bis zehn Menschen mit dem gleichen Schlafproblem zusammen. Mitunter können sich die Patienten sehr gut gegenseitig motivieren, dabeizubleiben. Es ist nämlich nicht so, dass man einfach nur zuhört. Es ist wirklich anstrengend, eine solche Therapie zu machen. Da ist es hilfreich, wenn man Andere hat, die einem das Gefühl geben, nicht alleine auf der Welt zu sein.

Was sind Ihre Therapieansätze?

Beim Swiss Sleep House schauen wir auf das Schlafverhalten. Wir schauen zunächst, wann, wie, wie viel geschlafen wird und wann die Schlafprobleme auftreten. Im zweiten Schritt machen wir dann Vorschläge dazu, wann man im Bett liegen und wann man es verlassen sollte und wann man ans Licht gehen sollte. Wir machen Ratgeber über die Ernährung und wir klären auf, wie man mit Grübel- und Durchschlafproblemen im Bett umgehen kann. Es ist eine relativ komplexe Therapie.

Sollte man den eigenen Schlaf häufiger untersuchen oder darüber nachdenken, wie man eigentlich schläft?

Das ist eine spannende Frage. Bei uns können auch Menschen ohne Schlafprobleme untersuchen, ob sie ein Schlafverhalten haben, das für den Schlaf förderlich ist. Häufig haben Leute ein Verhalten, das den Schlaf gefährdet, woraus dann eine Schlafstörung entsteht. Nicht dienlich sind irgendwelche Handgelenks-Bewegungs-Tracker, welche sogenannte Schlaf-Stadien wiedergeben, diese aber eigentlich gar nicht wirklich messen können. Die Geräte können Menschen verwirren und zum Glauben verleiten, dass wir eine Schlafstörung haben, obwohl dies gar nicht der Fall ist.

Seit September besteht die Möglichkeit, das Swiss Sleep House zu besuchen. Wie rege wird Ihr Angebot genutzt?

Ich bin überrascht, wie gut sich das Angebot schon herumgesprochen hat. Es kommen täglich ein oder zwei Besucher ins Walk-In und lassen sich hier beraten. Wir haben aber aktuell noch Kapazitäten für weitere Menschen. Wir freuen uns, wenn Menschen das Angebot nutzen und sich zu ihrem Schlaf beraten lassen.

veröffentlicht: 26. November 2022 07:21
aktualisiert: 26. November 2022 07:21
Quelle: BärnToday

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