Electras zieht um

Ein weiteres Fachgeschäft verschwindet aus der Berner Altstadt

Raphael Willen, 25. Januar 2023, 14:29 Uhr
Das Kaffeemaschinen- und Rasierfachgeschäft Electras verlässt das Amthausgässchen Ende Februar nach 50 Jahren. Wegen mangelndem Platz zügelt das Unternehmen nach Schönbühl. Damit verliert die Berner Altstadt ein weiteres Traditionsgeschäft.
Electras verkauft und repariert Kaffeemaschinen und Rasierapparate.
© zVg
Anzeige

«Wir werden Bern vermissen», sagt Roman Bieri, Inhaber der Electras GmbH. «Wir waren extrem gern in der Stadt, aber es wurde einfach zu klein.»

Vor 85 Jahren beim Zytglogge als Rasierfachgeschäft gestartet, verlegte Electras seine Räumlichkeiten 35 Jahre später ans Amthausgässchen 3. Nach 50 Jahren an diesem Standort hat sich das Unternehmen nun für einen Umzug entschieden. «Aus Platzgründen», wie Bieri sagt. «In den 90er-Jahren haben wir angefangen, mehr und mehr auf Kaffeemaschinen umzustellen. Weil wir immer mehr Maschinen verkaufen konnten, hatte das zur Folge, dass es auch immer mehr Reparaturen gab.» Mittlerweile sei der Platz für die Maschinen aber viel zu knapp geworden, erklärt Roman Bieri.

Rösterei bereits in Schönbühl

Seit fünf Jahren betreibt Electras eine eigene Kaffeerösterei. Diese befindet sich seit 2020 in Schönbühl. Dort hat sich nun die Gelegenheit ergeben, dass weitere Räumlichkeiten frei wurden. So entsteht neben der Rösterei nun eine grosse Kaffeemaschinen-Werkstatt, ein Laden und ein Showroom, in welchem auch Kurse und Events durchgeführt werden.

Der alte Standort von Electras am Amthausgässchen 3 in Bern.

© zVg

Die Ankündigung des Umzugs sei natürlich nicht überall gleich gut angekommen. «Ältere Kunden, die vor allem ihre Rasierapparate zu uns bringen, konnten es gar nicht verstehen und hatten Probleme mit dem Entscheid», meint Inhaber Bieri. Er hat Verständnis für solche Reaktionen. «Wir sind nun mal eines der einzigen Rasierfachgeschäfte in der Region.» Man habe versucht, den Leuten beizubringen, dass sie ihre Apparate auch in Schönbühl vorbeibringen oder per Post schicken können. «Die meisten haben es dann begriffen», so Bieri.

Keine Laufkundschaft mehr

Roman Bieri rechnet damit, dass Electras durch den Standortwechsel Kundinnen und Kunden verlieren wird. «Laufkundschaft werden wir in Schönbühl sicher nicht mehr haben, die Leute werden explizit wegen uns dorthin kommen. Wir werden die Berner Kunden natürlich vermissen.»

Gleichzeitig sieht das Unternehmen den Umzug auch als Chance. «Wir haben viel mehr Platz, sodass die Kunden auch anständig sitzen und einen Kaffee unserer eigenen Rösterei trinken können», führt Bieri aus. Mit dem zusätzlichen Platz sei es ausserdem möglich, mehr Kaffeemaschinen auszustellen. «Und nach 50 Jahren ist es auch einfach mal schön, etwas Neues zu haben.»

Quelle: BärnToday
veröffentlicht: 25. Januar 2023 14:08
aktualisiert: 25. Januar 2023 14:29