Kritik von der SVP

Für diese Kunst verzichtet die Stadt Bern auf über 40'000 Franken

David Kocher, 15. September 2022, 22:48 Uhr
Manch einem dürften die bunten Autowracks in verschiedenen Berner Quartieren sicher schon aufgefallen sein. Am Donnerstag beantwortete der Gemeinderat dazu eine Anfrage der SVP-Fraktion zum Kunstprojekt der Universität Bern.
Kunst zum Klimawandel: Einer der sogenannten «Flooded Cars» in Bern.
© BärnToday

Seit Ende Mai findet man in einigen Berner Quartieren vollgesprayte und mit Grünzeug überwachsene Autowracks. Was postapokalyptisch anmutet, ist durchaus so ähnlich gemeint: Die Autos des Kunstprojekts des Geografischen Instituts der Universität Bern sollen wirken, als wären sie angeschwemmt worden. Die aufgetürmten Autowracks würden hochwassergefährdete Stellen zeigen, beschreiben die Verantwortlichen das Projekt. Mit einem an den Autos angebrachten QR-Code können weitere Informationen abgerufen werden. Es soll zum Nachdenken über Stadtraum in Zeiten der Klimaerwärmung anregen.

Angeregt haben die kaputten Autos auch die SVP-Fraktion, und zwar zu einer kritischen Anfrage beim Gemeinderat über das Bewilligungsverfahren und die Kosten für Bern. Denn für das Kunstprojekt wurden temporär Parkplätze aufgehoben – teilweise in der blauen Zone, teilweise gebührenpflichtige Parkplätze.

Es wächst im «Flood Car» an der Lorrainestrasse. Per QR-Code erhält man weitere Informationen.

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Auseinandersetzung mit dem Klimawandel

Am Donnerstag antwortete der Gemeinderat nun auf die Anfrage. Laut ihm sollen die Installationen und Performances wie die Autowracks «Flooded Cars» die positiven Nebenwirkungen von Klimaschutzmassnahmen für die Lebensqualität erfahrbar machen.

Die Bewilligung habe die zuständige Direktion für Sicherheit, Umwelt und Energie gestützt auf einen Gemeinderatsbeschluss erteilt, heisst es. Die anfallenden Verkehrsbeschränkungen wurden im April von der Direktion für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün publiziert.

Die Autowracks sollen wirken, als wären sie angespült worden.

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Von der Uni finanziert, aber Gebühren erlassen

Die Kunstinstallation selbst sei vom Geografischen Institut der Universität Bern finanziert worden, so der Gemeinderat in seiner Antwort. Was für einen Einfluss hat das Projekt also für den Berner Geldbeutel? Das Geografische Institut wurde auf dessen Anfrage von anfallenden Gebühren im Umfang von insgesamt 42'000 Franken befreit, so der Gemeinderat weiter.

Dazu kämen noch die entfallenen Einnahmen der besetzten Parkplätze, wie Marc Heeb, Co-Leiter des Polizeiinspektorats, auf Anfrage erklärt. Ein Parkplatz nehme zwischen 2,17 bis 5,61 Franken pro Tag ein. Damit verzichtet die Stadt Bern zusätzlich ergo auf Einnahmen im mittleren dreistelligen Bereich.

Reaktionen auf die «Flooded Cars» habe man aus der Bevölkerung bisher noch keine erhalten, sagt Heeb. Aktuell sind in Bern noch zwei Parkplätze mit den Autowracks besetzt: An der Lorrainestrasse bis zum 3. Oktober und an der Belpstrasse bis zum 24. Oktober.

Quelle: BärnToday
veröffentlicht: 16. September 2022 09:00
aktualisiert: 16. September 2022 09:00
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