Sänger nach Konzertabbruch

«Ich habe keine Sekunde geschlafen»

28. Juli 2022, 08:15 Uhr
Das Konzert der Berner Band Lauwarm in der Brasserie Lorraine wurde Mitte Juli abgebrochen. Grund dafür: Gäste hätten sich durch die weissen Männer, die Reggae spielen, unwohl gefühlt. Leadsänger Dominik Plumettaz reagiert auf die Anschuldigungen.
Das Konzert der Band Lauwarm wurde abgebrochen.
© Instagram / @lauarm_music

Die Band Lauwarm hat eine verrückte Nacht hinter sich. Sie hätten «keine Sekunde geschlafen», wie Leadsänger Dominik Plumettaz erzählt. Der Grund: Ein Konzert, das am 18. Juli in der Brasserie Lorraine stattfand und abgebrochen werden musste. Gäste sollen sich beklagt haben, dass weisse Männer Reggae spielen.

Am 26. Juli, wurde «20 Minuten» auf die Geschichte aufmerksam und zahlreiche Medien zogen nach. «Ich konnte es kaum glauben, dass das Thema so stark aufgenommen wurde», sagt der 27-Jährige.

In der Nacht auf Mittwoch hat die Band nun selbst ein Statement veröffentlicht. «Wenn man nicht selbst reagiert hätte, hätten alle geschrieben was sie wollen», erklärt Plumettaz. «Wir akzeptieren den Entscheid und sind nicht sauer auf die Brasserie», sagt der Leadsänger. Etwas zu kritisieren sei menschlich und absolut in Ordnung.

Was die Band hauptsächlich stört, sei die Art und Weise, wie einige Gäste kritisiert haben: «Wir konnten keine Stellung nehmen zur Kritik von diesen Menschen. Wir haben bis heute keine Ahnung, wer das war.»

Ist «kulturelle Aneignung» zwingend negativ?

Auch zum Begriff der «kulturellen Aneignung» findet Dominik Plumettaz klare Worte: «Wir distanzieren uns von diesem Vorwurf.» Eher das Gegenteil sei der Fall, findet Plumettaz: «Inwiefern ist Aneignung überhaupt Verletzung oder Beleidung einer Kultur? Wenn eine Kultur etwas hat, was man toll findet und das man weiterträgt, ist das doch etwas sehr Positives.»

Quelle: TeleBärn

Etwas an ihnen oder an der Band ändern wollen die Musiker nicht: «Wir sehen keinen Grund dafür. Wie man an unseren Texten entnehmen kann, sind wir absolut weltoffen.» Es sei gar keine Frage, deswegen keinen Reggae zu machen oder die Dreadlocks abzuschneiden.

Beide Seiten wollen Dialog

Rückmeldungen habe die Band auf der ganzen Bandbreite erhalten: Leute, die den Aufruhr nicht verstehen, aber auch solche, die die Band kritisieren. Für Plumettaz ist es aber wichtig, auch stets ein Ohr für die Gegenseite zu haben.

Am Mittwochmorgen rief die Band auf Facebook zum offenen Dialog auf:

Auch die Genossenschaft Restaurant Brasserie Lorraine äusserte sich am Dienstagabend über Social Media. «Uns ist wichtig, dass die Brasserie Lorraine ein Ort ist, wo sich alle wohl und sicher fühlen», schreibt der Veranstaltungsort in seinem Statement. «Auch finden wir nicht, dass Mitglieder der Band oder «weisse Menschen» automatisch Rassisten sind. Es gibt einen Unterschied zwischen bekennende Rassist*in zu sein, und unbewusst rassistische Strukturen zu reproduzieren.»

Die Brasserie wirft die Fragen auf, welches die problematischen Aspekte «kultureller Aneignung» seien und welche Kritik an dieser neuen Bewegung berechtigt sei.

Auf viel Verständnis scheint die Brasserie aber nicht zu stossen: Auf Google wird das Restaurant mit schlechten Reviews überhäuft und auch auf Social Media hagelt es kritische Kommentare.

Quelle: BärnToday
veröffentlicht: 27. Juli 2022 16:49
aktualisiert: 28. Juli 2022 08:15
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