Bern-Bethlehem

«Man setzt 3,7 Millionen Franken in den Sand»: Kritik am hohen Spielplatz-Kredit

25. November 2022, 11:20 Uhr
Die Stadt Bern kann dem Apothekenkonzern Galenica für 3,7 Millionen Franken ein Grundstück in Bern-Bethlehem abkaufen, um dort eine neue Spiel- und Begegnungsfläche zu errichten. Der Stadtrat hat den Kredit am Donnerstag mit 45 zu 22 Stimmen bewilligt.
Der Berner Stadtrat stimmt für den Millionen schweren Kauf eines Grundstücks für einen Spielplatz. (Symbolbild)
© KEYSTONE/DPA/Christoph Soeder
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Der Preis gab im Parlament viel zu reden. Thomas Fuchs (SVP) sprach vom «teuersten Spielplatz der Welt». Heute befindet sich auf dem Grundstück an der Looslistrasse ein Parkplatz für rund 90 Fahrzeuge. Die Stadt plant eine Umnutzung, weil es im Untermattquartier zu wenig Spiel- und Begegnungsflächen gebe. Umgesetzt werden sollen die Pläne nach der 2023 geplanten Volksabstimmung über die Überbauungsordnung Weyermannshaus West.

Für Unbehagen sorgte im Stadtrat der hohe Preis von 1580 Franken pro Quadratmeter. Der Gemeinderat begründete ihn damit, dass die Parzelle in der Wohnzone liege. Kritisiert wurde im Parlament auch, dass Galenica die Einnahmen aus der Vermietung der Parkplätze bis zum Baubeginn weiterhin einstreichen darf. Dabei soll es sich um etwa 40'000 Franken pro Jahr handeln.

«Zeigt, dass Stadt Bern nicht mit Geld umgehen kann»

«Ich bin schockiert. Wir kaufen nur das Land für diesen Spielplatz für 3,7 Millionen Franken», sagt SVP-Politiker Thomas Fuchs auf Anfrage. «Und das in einem Industriegebiet, das für Kinder absolut ungeeignet ist.» Während man an anderen Orten sparen wolle, setze man hier 3,7 Millionen Franken in den Sand, kritisiert Fuchs: «Das zeigt, dass die Stadt Bern nicht mit Geld umgehen kann.» 

Auch für das Argument als strategische Landreserve hat Thomas Fuchs kein Verständnis. Erfahrungen aus anderen Gebieten zeige, dass eine Rückumnutzung fast unmöglich sei. 

«Keine Alternative»

Gemeinderat Michael Aebersold (SP) räumte ein, dass die Kosten für eine Spiel- und Begegnungsfläche hoch seien. Eine Alternative im Quartier gebe es aber nicht, «und freie Flächen werden uns relativ selten geschenkt». Der Stadt bleibe nichts anderes übrig, als teures Wohnland zu kaufen und für eine öffentliche Nutzung zu verwenden.

Land zu kaufen, sei im übrigen nie dumm. Kurz- und mittelfristig gebe es zwar einen Spielplatz, aber da die Parzelle in der Wohnzone liege, wäre dereinst auch eine Überbauung möglich. Schon jetzt sei klar, dass der Landpreis in den kommenden Jahrzehnten weiter steigen werde. Es handle sich also um eine strategisch kluge Landreserve.

Stadträtin Bernadette Häfliger (SP) betont auf Anfrage ebenfalls die Unterversorgung im Quartier mit Grünflächen und Spielplätzen. Dass es dort eine Spielbewegungszone brauche, sei klar.

«3,7 Millionen Franken ist schon eine enorme Zahl, die auch zu recht kritisiert wurde», so Häfliger. «Wenn man es als Landkauf betrachtet, dann ist an einer strategisch interessanten Stelle und sinnvoll, dass man keine Umzonung macht.» 

(sda/fho/dak)

Quelle: BärnToday
veröffentlicht: 25. November 2022 06:17
aktualisiert: 25. November 2022 11:20