Korrektur Bahnhofumbau

Opposition freut sich über Teilsieg am Hirschengraben – folgt ein Kampf um die Passage?

23. November 2022, 08:35 Uhr
Bei der Umgestaltung des Berner Hirschengrabens sollen die Baumreihen nun doch möglichst erhalten bleiben. Das hat der Gemeinderat am Dienstag beschlossen. Doch die geplante Passage sorgt weiterhin für gespaltene Gemüter.
Der Berner Gemeinderat will möglichst viele Bäume im Hirschengraben erhalten.
© Stadt Bern
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Der drohende Verlust der alten Kastanienbäume beim Hirschengraben gibt in Bern seit Jahren zu reden. Er war auch Thema, als dem Volk im März 2021 ein Kredit von 112 Millionen Franken für städtische Massnahmen in Zusammenhang mit dem Ausbau des Bahnhofs Bern vorgelegt wurde. Die Vorlage wurde mit 58 Prozent Ja-Stimmen gutgeheissen.

Die Stadt machte sich an die Vorbereitung des Bewilligungsverfahrens. Die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege forderte vor gut einem Jahr dann zusätzliche Gutachten. Die Expertisen zu den Bäumen, zur Archäologie und zu gartendenkmalpflegerischen Fragen liegen nun vor.

Bäume sollen erhalten bleiben

Der Gemeinderat teilte am Dienstag mit, dass man mehrere Anpassungen am Hirschengraben-Projekt vorgenommen habe – im Sinne eines Kompromisses, um den politischen Auftrag ausführen zu können.

So sollen die bestehenden Bäume möglichst erhalten und die Baumreihen nicht verschoben werden. Die Kastanienbäume werden erst ersetzt, wenn es ihr Gesundheitszustand erfordert. Der Ersatz soll einzeln und an gleicher Lage erfolgen, und zwar durch eine klimaresistente Baumart.

Weiter wird der Passagenaufgang verschmälert und zentriert. Damit können die vier Bäume, die aufgrund der Bauarbeiten gefällt werden müssen, an gleicher Lage ersetzt werden. Der Hirschengraben wird zudem nur partiell gepflästert.

Grosse Freude bei der IG «Rettet den Hirschengraben»

«Es freut uns sehr, dass die Bäume möglichst erhalten werden sollen», sagt Gisela Vollmer von der IG «Rettet den Hirschengraben». Doch sei es nach wie vor ein Wermutstropfen, dass die Fussgängerunterführung gebaut werden soll. So sei auch eine weitere Verschmälerung der Passage in den Augen der IG nicht sinnvoll. «Wir sehen nicht, warum man die Passage überhaupt noch machen kann oder machen muss», so Vollmer.

Von Seiten IG «Rettet den Hirschengraben» wird ausserdem kritisiert, dass der Gemeinderat bereits jetzt einen Entscheid gefällt hat, obwohl noch zwei Studien (ZMB Zweite Tramachse und Testplanung Stadtraum Bahnhof Bern) laufen. «Warum man nicht bis im Frühjahr 2023 gewartet hat, ist für uns unverständlich», so Gisela Vollmer.

«Passage ist absolut nötig»

Peter Krebs, Präsident IGöV Sektion Bern, kann verstehen, dass man einen Kompromiss gesucht hat: «Für eine schnelle Realisierung ist das vielleicht keine schlechte Sache.» Doch die geplante Verschmälerung der Unterführung sei für die öV-Nutzer sicher nicht von Vorteil, so Krebs: «Die Passage ist absolut nötig, da kann man nicht darauf verzichten.»

«Wir fordern, dass die Anzahl Reisenden, die für die Passage vorgesehen sind, diese benützen können, ohne dass es zu  beengenden Verhältnissen kommt. Und von den Gegnern des Projekts erwarten wir, dass es zu keiner Fundamentalopposition kommt», sagt Peter Krebs. «Ich hoffe, dass es keinen Kampf gibt, es ist aber möglich.»

Dass es möglich ist, lässt auch die IG Rettet den Hirschengraben durchblicken. Man werde sich überlegen, wie man im Frühling gegen die Passage vorgehen möchte, sagt Gisela Voller.

Späterer Baustart

Das Hirschengraben-Projekt soll nach den Frühlingsferien 2023 öffentlich aufgelegt werden. Der Baustart kann frühestens 2025 erfolgen, etwas später als bislang geplant.

Eine rechtzeitige Inbetriebnahme der wichtigsten Projektteile sei trotzdem möglich, hielt der Gemeinderat fest. Weitere Verzögerungen seien allerdings nicht auszuschliessen. Denn im Rahmen des Genehmigungsverfahrens könnte es zu Beschwerden kommen, die an höhere juristische Instanzen weitergezogen werden können.

(sda)

Quelle: BärnToday
veröffentlicht: 22. November 2022 09:17
aktualisiert: 23. November 2022 08:35