Im Herbst kommen mehr

«Viele haben chronischen Husten»: Diese Igel leben auf der Igelstation im Oberland

Anissa Dennenmoser, 1. September 2022, 15:27 Uhr
Im Herbst bereiten sich die Igel auf den Winterschlaf vor. Aber nicht alle überleben ohne Hilfe: Verlassene Igel-Babys oder verletzte Tiere finden bei der Igelstation Meiersmaad Zuflucht. Dort werden sie aufgepäppelt, damit sie den Winter überstehen.

Quelle: BärnToday / Anissa Perumbuli & Warner Nattiel

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54 Igel hat Rosmarie Blaser dieses Jahr bereits umsorgt – fast alle wurden wieder ausgewildert. Auch die Igelchen, die aktuell gepflegt und aufgepäppelt werden, können laut Blaser, Leiterin Igelstation Meiersmaad, wohl vor dem Winter in die Wildnis. «Meine Erfahrung zeigt, dass sie sehr schnell wieder verwildern, auch wenn man sie als Baby bekommt.»

Auch im kommenden Herbst erwartet sie, dass viele Igel-Babys bei ihr in Meiersmaad (Gemeinde Sigriswil) abgegeben werden. «Momentan habe ich genug Platz. Im Kabäuschen können wir sogar etwas heizen.» Denn bei Temperaturen zwischen 15 bis 18 Grad essen die Jungtiere noch. Das sei wichtig, damit sie vor dem Winterschlaf noch Gewicht zulegen. In der Wildnis hätten sie schlichtweg zu wenig Zeit sich vor Wintereinbruch genug Gewicht anzufressen. Im Rest des Stalls wird nicht geheizt, denn die anderen Tiere sollen in Ruhe und vor allem kühl Winterschlaf machen können.

So werden Igeli in Meiersmaad gepflegt

Die Igel in ihrer Obhut trennt Rosmarie Blaser voneinander. Denn nur so kann sie die Tiere gut auseinanderhalten und entsprechend pflegen. Das ist nötig, «auch wenn sie sehr individuelle Gesichter haben». Manche Jungtiere brauchen die Pflege: «Viele haben chronischen Husten, denn die Luftverschmutzung schadet ihnen», so Blaser.

Wenn die Igel aufgepäppelt sind und genug Gewicht haben, kommen sie in den Garten. Dort werden sie auf das Leben in der Wildnis vorbereitet.

Aus kleinem «Mäuschen» wird grosser Igel

«Fanki» und «Vüni» wurden als Igelbabys zu Blasers Igelstation gebracht. Die beiden Igelchen, die jetzt sozusagen Teenager sind, wurden gemeinsam aufgezogen und geschöppelet. «Fanki» habe eine ganz besondere Geschichte, erinnert sich Rosmarie Blaser. «Er war wie ein Mäuschen mit Stacheln.»

«Fanki» war nur zwei Tage alt und wog knapp 25 Gramm – eigentlich hätte das Igel-Baby keine Überlebenschancen gehabt. Er sei aber so munter gewesen, dass Rosmarie Blaser sich entschied, den kleinen Igel zu «schöppele» – in den ersten paar Tagen alle zwei Stunden. «Das Igeli hat zugenommen, ist mittlerweile ein grosser Igel.» Jetzt steht er kurz vor der Auswilderung.

Igel müssen mindestens 600 Gramm schwer sein, damit sie gut durch den Winter kommen. Wenn sie dieses Gewicht nicht erreichen, dann müssen sie den Winter über in den Holzhüttchen auf der Igelstation bleiben. Im Winterschlaf verlieren Igel rund ein Drittel ihres Körpergewichts – wenn sie zu früh aufwachen und kein Essen finden, kann das tödlich sein. Davor sind sie in der Igelstation geschützt.

Quelle: BärnToday
veröffentlicht: 1. September 2022 07:06
aktualisiert: 1. September 2022 15:27