Vor dem Schulstart

Weshalb Eltern ihr Kind nicht zur Schule fahren sollten

Anissa Perumbuli, 10. August 2022, 11:26 Uhr
Der Verkehr in der Stadt Bern wächst. Immer mehr Eltern fahren ihre Kinder mit dem Auto zur Schule: sogenannte Elterntaxis. Sie wollen damit ihre Kinder schützen, bewirken aber das Gegenteil.

Es ist ein Trend: Vor Berner Schulen fahren jeden Morgen Autos vor, sogenannte Elterntaxis. Eltern fahren ihre Kinder mit dem Auto zur Schule, anstatt dass sie diese zu Fuss auf den Schulweg schicken. Ein wachsendes Phänomen, das Schulleitungen und Polizei Sorgen bereitet.

Die betroffenen Eltern meinen es gut, aber sie verfehlen das Ziel deutlich. «Wahrscheinlich aus Vorsicht, weil sie das Gefühl haben, ihre Kinder so besser vor dem Strassenverkehr zu schützen», erklärt Dominik Jäggi, stellvertretender Chef Fachgruppe Verkehrsprävention der Kantonspolizei Bern. «Tatsache ist aber, dass sie das Gegenteil bewirken, wenn sie dem Kind nicht die Chance geben, zu lernen den Schulweg selbst zu bewältigen.»

Elterntaxis machen die Strassen gefährlicher

Durch ihren Chauffeurdienst erhöhen sie selbst das Verkehrsaufkommen vor der Schule – und somit die Gefahr. Jäggi betont: «Wenn dann Hektik und Stress dazu kommen – am Morgen vor der Arbeit oder am Abend, wenn man nach Hause will – kann es zu gefährlichen Situationen kommen.» Die Kantonspolizei Bern rät davon ab, die Kinder mit dem Auto zur Schule zu bringen.

Für die Sicherheit des Kindes ist es wichtig, dass die Eltern den Schulweg mit ihm üben.
© KEYSTONE/Lukas Lehmann

Einerseits habe das Kind so nicht die Möglichkeit, den Schulweg selbst zu erleben, meint Dominik Jäggi. Nicht nur das falle weg, sondern «auch Schritt für Schritt zu lernen, wie man sich irgendwann auch selbstständig im Verkehr bewegen kann».

So ist der Schulweg sicherer

Der Experte appelliert an die Eltern:

Konkret rät der Polizist: «Den Weg in einer ersten Phase gemeinsam üben, bis man selbst sicher ist und merkt, dass auch das Kind sicher ist. Jäggi ist sich bewusst, dass dies eine gewisse Zeit braucht. Aber: «Mit viel Vertrauen in das Kind ist der erste Schritt gemacht.» Eltern müssten sich auch die Zeit dazu nehmen. So können sie einen wesentlichen Beitrag zur Sicherheit ihres Kindes leisten.

Kinder ahmen nach, deshalb ist es wichtig, dass sich Erwachsene, besonders Eltern, im Verkehr richtig verhalten.
© KEYSTONE/Lukas Lehmann

Der traditionelle Schulweg hat Vorteile

Für Jäggi ist klar: «Der Schulweg ist nicht nur der Weg zur Schule, sondern ein Lebensweg.» Kinder würden auf dem Schulweg andere Kinder kennenlernen und würden so lernen, Konflikte auszutragen. «Der Schulweg ist nicht nur für die Verkehrssicherheit, die sozialen Kontakte und Erlebnisse gut, sondern er trägt auch zur Gesundheit des Kindes bei.» Der Polizist erklärt weiter, dass Bewegung am Morgen die Konzentration und Leistungsfähigkeit in der Schule fördere. «Kinder, die mit dem Auto zur Schule gebracht werden, haben diese Vorteile nicht.»

Auch die Polizei versucht die Kinder im Verkehrsunterricht an den Strassenverkehr heranzuführen. «Aber das ist nur ein kurzer Moment im Schuljahr. Deshalb ist es so wichtig, dass die Eltern ausserhalb des Verkehrsunterrichts mit ihnen üben.» Das Verhalten der Eltern prägt die Kinder besonders stark. «Ganz wichtig: Vorbild sein. Kinder ahmen uns nach. Deshalb ist es entscheidend, dass sich Erwachsene im Strassenverkehr richtig verhalten», so Dominik Jäggi.

Quelle: BärnToday
veröffentlicht: 11. August 2022 08:01
aktualisiert: 11. August 2022 08:01
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