Imame in Bern

«Wir predigen seit vielen Jahren in deutscher Sprache»

28. September 2022, 09:20 Uhr
Immer mehr Imame in der Schweiz halten ihre Predigten in einer Landessprache. Auch in Bern sei das seit vielen Jahren der Fall, wie Mustafa Memeti vom Haus der Religionen sagt.
Mustafa Memeti ist Imam im Haus der Religionen in Bern und leitet den Muslimischen Verein Bern.
© KEYSTONE/Peter Klaunzer
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«In unserem Zentrum predigen wir seit vielen Jahren in der deutschen Sprache», sagt der Imam Mustafa Memeti vom Muslimischen Verein Bern auf Anfrage von BärnToday. «Die deutsche Sprache ist die einzige, die hier alle Leute unter einen Hut bringt.» Memeti ist zusätzlich Präsident des Vorstandes des Albanisch Islamischen Verbands Schweiz und ist als Seelsorger in der Strafanstalt Thorberg tätig.

Predigten auf Berndeutsch kämen aktuell nicht in Frage, da die Strukturen des Zentrums sehr divers seien und viele verschiedene Nationen zusammenkämen.

Interesse an Weiterbildung gross

Das Interesse an Weiterbildung sei bei den Imamen gross, wie das Schweizerische Zentrum für Islam und Gesellschaft (SZIG) nach Abschluss einer zwölfmonatigen Workshop-Reihe für Schweizer Imame festhält. Das Zentrum wertet die Reihe mit dem Titel «Muslimische Organisationen als gesellschaftliche Akteure» als Erfolg: 65 Schweizer Imame seien damit erreicht worden – nach Angaben des SZIG mehr als die Hälfte der in der Schweiz tätigen Vorbeter in Moscheen.

Viele der neuen Imame hätten – angestossen durch die Workshops – zusätzliche Sprachkurse besucht. Einzelne erweiterten ihre Kompetenzen durch ein Masterstudium oder eine Seelsorgeweiterbildung. Die Teilnehmer des Workshops hätten einhellig den Wunsch nach künftigen Weiterbildungsangeboten geäussert.

Generationenwandel

Es habe sich gezeigt, dass bei den Imamen ein Generationenwandel stattfinde, heisst es weiter. Mittlerweile gebe es einige Imame, welche in der Schweiz aufgewachsen seien. In Bern ist das nicht anders. «Es gibt einige Imame in zweiter oder dritter Generation, die hier geboren und aufgewachsen sind», meint Memeti.

In Bern sei das Interesse am Beruf des Imams aktuell nicht sehr gross, wie Memeti mitteilt. «Die jungen Leute sehen in anderen Berufen mehr Perspektiven.»

Erstmals Frauen an Workshops

Erstmals nahmen an einem der Workshops sieben Frauen teil, die als Seelsorgerinnen oder Lehrerinnen in den Moscheen tätig sind. «Dabei wurde deutlich, dass Imame verstärkt auf die Zusammenarbeit mit weiblichen Betreuungspersonen (...) angewiesen sind», schreibt das Zentrum mit Sitz an der Universität Freiburg.

(sda/raw)

Quelle: BärnToday
veröffentlicht: 28. September 2022 09:20
aktualisiert: 28. September 2022 09:20