Medizin

Bund schliesst Vertrag für Affenpocken-Impfstoff ab

14. Oktober 2022, 14:47 Uhr
Der Bund hat mit der Firma Bavarian Nordic einen Vertrag über die Lieferungen von Impfstoff-Dosen gegen Affenpocken abgeschlossen. Um die Ausbreitung der Affenpocken einzudämmen, bezieht die Schweiz 40'000 Dosen, wie das Bundesamt für Gesundheit am Freitag mitteilte.
Die Schweiz bezieht zur Bekämpfung der Affenpocken 40'000 Impfdosen. (Archivbild)
© KEYSTONE/DPA/SVEN HOPPE
Anzeige

Die ersten Dosen werden bis Anfang November geliefert, die restlichen Dosen bis Ende Jahr. Der Impfstoff, der auf einem abgeschwächten Pockenvirus basiert, soll in erster Linie bei Personen mit einem erhöhten Risiko eingesetzt werden.

Weitere 60'000 Dosen wurden für die Armee beschafft. Die Lieferung dieser Dosen erfolgt im Jahr 2023. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) beschafft den Impfstoff namens Jynneos in Zusammenarbeit mit der Armee-Apotheke.

Die Impfdosen werden in den nächsten Wochen in der Schweiz eintreffen und anschliessend von der Armee-Apotheke an die Kantone ausgeliefert. Die Kantone sind dann für die Modalitäten der Verimpfung und die Information der Bevölkerung verantwortlich.

Präventive Wirkung

Darüber hinaus wird die Zielgruppe wie bisher im Zusammenhang mit der Aids-Hilfe informiert. Gemeinsam mit der Eidgenössischen Kommission für Impffragen empfiehlt das BAG die Impfung präventiv für Männer, die Sex mit Männern haben, und Trans-Personen mit wechselnden Sexualpartnern.

Darüber hinaus wird der Impfstoff präventiv auch für Personen empfohlen, die aus beruflichen Gründen gegen Affenpocken exponiert sind, also medizinisches Personal oder Mitarbeitende in Speziallaboratorien, wie es in der Mitteilung des BAG weiter heisst.

Das gleiche gilt auch für Kontaktpersonen von erkrankten Menschen. Dadurch sollen die Infektionsketten unterbrochen und Kinder, Schwangere und allfällige weitere Risiko-Personen geschützt werden. Nicht bekannt ist aktuell, ob die Impfung alle Symptome der Affenpocken oder die Übertragung des Virus verhindern kann.

Bund übernimmt Kosten

Die Kosten des Impfstoffs werden vorläufig durch den Bund übernommen, bis die Voraussetzungen geschaffen sind, dass die obligatorische Krankenpflegeversicherung sie übernehmen kann.

In der Schweiz wurden bisher über 500 Fälle von Affenpocken registriert. Bei den Erkrankten handelt es sich praktisch ausschliesslich um Männer. Am meisten betroffen sind die Kantone Waadt, Genf und Zürich. Die Zahl der wöchentlich neu auftretenden Fälle von Affenpocken nimmt in der Schweiz wie auch in Europa ab.

Bavarian Nordic ist ein dänisch-deutsches Unternehmen, das auf die Herstellung von Impfstoffen spezialisiert ist. Es ist das bisher einzige Unternehmen, das einen anerkannten Impfstoff gegen Affenpocken entwickelt hat. Die US-Gesundheitsbehörde hat 11 Millionen Dollar in das Produkt Jynneos der Bavarian Nordic investiert.

Pink Cross ist erleichtert

Die Organisation Pink Cross, der Schweizer Dachverband der schwulen und bi Männer, hat den Impfstoff-Entscheid des Bundes erleichtert zur Kenntnis genommen. Im umliegenden Ausland werde der Stoff gegen Affenpocken bereits seit Mitte Juli geimpft. Pink Cross fordert, dass das Beschaffungsdebakel nachträglich untersucht wird.

Quelle: sda
veröffentlicht: 14. Oktober 2022 14:34
aktualisiert: 14. Oktober 2022 14:47