Zweifache Schwingerkönigin

«Mehr Schwingerinnen und Zuschauer wären schön»

David Kocher, 25. August 2022, 16:19 Uhr
Am vergangenen Wochenende wurde Diana Fankhauser zum zweiten Mal in ihrer Karriere Schwingerkönigin. Am 20. August fand nämlich das Eidgenössische Meitli- und Frauenschwingfest in Uezwil AG statt.
Schwingerkönigin Diana Fankhauser
© zvg/Lara Guggisberg

Eine Woche vor dem ESAF in Pratteln fand ein etwas kleineres Eidgenössisches statt. Am 20. August trafen sich die Schweizer Schwingerinnen zum Eidgenössischen Meitli- und Frauenschwingfest in Uezwil AG.

Ein grosser Unterschied zum Schwingen der Männer: Bei den Frauen wird nicht diejenige Schwingerkönigin, die das Eidgenössische gewinnt, sondern die Frau mit der höchsten Saison-Gesamtpunktzahl. Genau dies gelang am vergangenen Samstag der Bernerin Diana Fankhauser. Sie wurde damit bereits zum zweiten Mal Schwingerkönigin in ihrer Karriere. Im Interview mit BärnToday spricht die 26-Jährige über erste Sponsoren, Unterschiede zu den männlichen Schwingerkollegen und wieso sie gar nicht zum Feiern gekommen ist.

BärnToday: Herzliche Gratulation zum Titel, konnten Sie den Sieg gebührend feiern?

Diana Fankhauser: Gross gefeiert habe ich eigentlich nicht. Am Abend war ich mit meiner Familie am Konzert der Büetzer Buebe. Wahrscheinlich wird dann noch ein bisschen nachgefeiert.

Wie waren die Reaktionen aus ihrem Umfeld?

Es war sehr schön. Meine Familie, viele Kolleginnen und Kollegen und Leute vom Schwingclub haben mir zum Sieg gratuliert.

Beim «Eidgenössischen» in Uezwil landete Diana Fankhauser in der Rangliste auf Platz 6 – ohne Kranz.

© zvg/Lara Guggisberg

Wie vergleichen Sie den Titel dieses Jahr mit ihrem ersten Sieg von 2018?

Ich will nicht sagen, dass es weniger schön war, aber es war anders. Einen zweiten Titel wollte ich unbedingt erreichen und meinen ersten Titel damit bestätigen. Meine zwei Tanten wurden auch jeweils zweimal Schwingerköniginnen. Das hat mich zusätzlich angespornt.

Was gab es als Preis am Eidgenössische Frauenschwingfest?

Als Preis gab es keinen Siegermuni, dafür ein Rind. Ich entschied mich stattdessen für das Preisgeld.

Wieso?

Das Rind hatte schon Hörner. Aber meine Eltern haben einen Laufstall mit Kühen ohne Hörner. Ich habe aber dieses Jahr ein Kälbchen gewonnen, das ich genommen habe. Auch 2018 auf der Mörlialp, als ich meinen zweiten Festsieg gefeiert habe, gab es ein Kalb. Und diese Kuh steht immer noch bei meinen Eltern und ich würde sie für nichts hergeben.

Da bei den Schwingerinnen aber die Jahreswertung über den Titel entscheidet, sicherte sich Diana Fankhauser zum zweiten Mal den Titel der Schwingerkönigin.

© zvg/Lara Guggisberg

Wo gibt es im Vergleich zum immer populärer werdenden Schwingen bei Männern noch Aufholbedarf?

Es wäre hilfreich, wenn wir in allen Altersklassen mehr Schwingerinnen hätten. An den Wettkämpfen ist es sehr übersichtlich und familiär, aber mehr Zuschauerinnen und Zuschauer wären schön. Es bräuchte ja nicht gerade so viele wie am Eidgenössischen der Männer – aber es würde uns freuen, wenn auch unsere Anlässe mehr Anklang finden würden. Ich habe das Gefühl, dass die Gesellschaft bereits offener ist und man mehr davon hört und liest.

Seit diesem Jahr habe ich mit der Mineralquellen Adelboden AG zum ersten Mal einen Sponsoren. Das ist aber nicht die Norm. Es ist zwar schön, finanzielle Unterstützung zu erhalten, aber bei Sponsoren geht es mir vor allem darum, dass man dadurch den Frauenschwingsport weiter nach aussen tragen kann. So spricht man ein breiteres Publikum und Menschen an, die vielleicht noch gar nicht davon gehört haben.

Ob die 26-jährige Bernerin für einen dritten Titel antritt, weiss sie noch nicht.

© zvg/Lara Guggisberg

Was würden Sie jungen Frauen oder Mädchen raten, die sich für den Sport interessieren?

Kommt unbedingt bei einem Training vorbei. Oft hat man noch ein falsches Bild vom Schwingen. Man muss es einfach ausprobieren und schauen, ob es Spass macht. Es ist eine faszinierende Sportart, man lernt zu verlieren, den Gegner zu respektieren und fair mit ihm umzugehen.

Gibt es auch blöde Kommentare von männlichen Schwingern?

Die gibt es sicher auch, aber ich habe so etwas selten erlebt. Ich trainiere auch mit den Männern in verschiedenen Schwingclubs und werde dort gut akzeptiert. Manchmal nimmt man sich vielleicht ein bisschen hoch, aber das ist nicht ernst gemeint. Wer wirklich etwas daran auszusetzen hat, sollte besser einmal Training oder ein Schwingfest besuchen, dann ändert man vielleicht seine Meinung.

Für den Frauenschwingsport wünsch sich die zweifache Schwingerkönigin mehr Aufmerksamkeit und neue Schwingerinnen.

© zvg/Lara Guggisberg

Sind Sie am ESAF in Pratteln dabei?

Am Freitagnachmittag ist der Eidgenössische Frauenschwingverband mit Schwingerinnen (Meitli und Frauen) aus der ganzen Schweiz am Umzug mit dabei. Am Samstag und Sonntag verfolge ich das ESAF und hoffe, dass meine Trainingskollegen gut abschneiden.

Wie geht es jetzt für Sie sportlich weiter? Folgt noch der dritte Königinnentitel?

Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Ich muss in der Pause jetzt erst einmal zur Ruhe kommen und danach schauen, wie es weitergeht.

Quelle: BärnToday
veröffentlicht: 25. August 2022 16:04
aktualisiert: 25. August 2022 16:19
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