Tod von Franz Gertsch

«Ein sehr grosser und wichtiger Künstler ist von uns gegangen»

Raphael Willen, 23. Dezember 2022, 13:18 Uhr
Der Berner Maler und Fotorealist Franz Gertsch ist am Mittwoch im Alter von 92 Jahren gestorben. Gertsch zählt zu den bedeutendsten Schweizer Künstlern der Gegenwart. Auch Peter Schneemann, Professor an der Uni Bern, spricht in den höchsten Tönen von Gertsch.
Franz Gertsch ist am Mittwoch 92-jährig verstorben.
© KEYSTONE/Ti-Press/Alessandro Crinari
Anzeige

«Mit Franz Gertsch ist ein sehr grosser, wichtiger und internationaler Künstler von uns gegangen», sagt Peter Schneemann. Schneemann ist seit 2001 Direktor der Abteilung Kunstgeschichte und Gegenwart an der Universität Bern.

Die Nachricht von Gertschs Tod habe ihn ausserordentlich bestürzt, so Schneemann. Er habe ihn persönlich gekannt. «Franz Gertsch spielt tatsächlich in der obersten Liga.» Umso mehr bewundert Schneemann die Bescheidenheit des Berners, die er während persönlicher Begegnungen mit ihm gespürt hat.

International angesehen

Nicht vergessen dürfe man, dass Gertsch Ende der 60er-Jahre und in den 70er-Jahren international sehr intensiv rezipiert worden sei. «Grosse internationale Museen haben seine Werke», erklärt Uni-Professor Schneemann. Jetzt habe Gertsch in Burgdorf sein eigenes Museum. Der gebürtige Deutsche betont: «Viele Bernerinnen und Berner wissen gar nicht, was dort für ein Schatz gehütet wird.»

Franz Gertsch war für seine grossformatigen, hyperrealistischen Bilder bekannt. Peter Schneemann schwärmt von den Werken des Berner Künstlers. Und er meint: «Die ausgesprochen frischen, grossformatigen, pop-artigen Bilder sind auch von der allgemeinen Bevölkerung sehr breit wahrgenommen worden.» Zu erwähnen seien auch die bekannten Porträt-Serien, zu denen beispielsweise «Silvia» gehört. «Wenn man sich die Porträts einmal angeschaut hat, konnte man sich ihnen fast nicht mehr entziehen.»

Schneemann ist kein Maler bekannt, dessen Arbeit so zeitaufwendig ist, wie es beim gebürtigen Seeländer der Fall war. Gertsch habe teilweise Jahre in seine Gemälde investiert. Abschliessend sagt Schneemann, der seit 2021 an der Universität Bern auch Vizedekan und Senator der Philosophisch-historischen Fakultät ist: «Ich kann jedem nur empfehlen, sich die Zeit zu nehmen, sich auf diese Bilder einzulassen.»

Quelle: BärnToday
veröffentlicht: 23. Dezember 2022 12:07
aktualisiert: 23. Dezember 2022 13:18