Angebot der SBB

«Nicht zeitgemäss»: Berner Gemeinden kritisieren neue Tageskarte

24.12.2023, 10:23 Uhr
· Online seit 23.12.2023, 06:56 Uhr
Ab 2024 ist die «Tageskarte Gemeinde» Geschichte – sie wird durch die «Spartageskarte Gemeinde» ersetzt. Das neue Angebot bedeutet für die Gemeinden und Städte einen erheblichen Mehraufwand – drei Gemeinden erklären, weshalb sie nicht mitmachen.

Quelle: BärnToday / Warner Nattiel

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Die «Tageskarte Gemeinde» ist seit Jahren fester Bestandteil des Angebots etlicher Gemeinden in der Schweiz. Auch wenn die Nachfrage in den letzten Jahren teilweise zurückging, hielten viele Gemeinden an den Tages-GAs fest – auch im Kanton Bern.

Die bisherigen Tageskarten konnten jeweils zu einem Fixpreis auf den Websites der Gemeinden reserviert oder direkt am Schalter bezogen werden. Jede Gemeinde hatte dafür ein tägliches Kontingent zur Verfügung. Die Tageskarten waren ausschliesslich als physische Billette erhältlich. Die Preise variierten je nach Gemeinde, bewegten sich aber etwa um die 45 Franken. Dieses Angebot läuft in den meisten Gemeinden noch bis Ende Januar 2024.

Ab dem 1. Januar 2024 läuft jedoch bereits das Nachfolgeangebot, das von der Alliance Swisspass in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Gemeindeverband (SGV) und dem Schweizerischen Städteverband (SSV) entwickelt wurde.

Die «Spartageskarten Gemeinde» sind ebenfalls kontingentiert, es greifen jedoch alle Gemeinden auf das gleiche Kontingent zu. Ist dieses ausgeschöpft, kann schweizweit an keinem Schalter mehr eine Tageskarte gekauft werden. Die Spartageskarten sind sechs Monate im Voraus und bis zu einem Tag vor der Reise erhältlich. Die Billette sind nur personalisiert erhältlich, können also nicht weitergegeben werden. Zudem sind sie sowohl digital als auch in Papierform zu haben.

Zwei Preisstufen bei der «Spartageskarte Gemeinde»

Die neue Tageskarte steht Kundinnen und Kunden in zwei Preisstufen für die 1. und 2. Klasse mit oder ohne Halbtax zur Verfügung. Je früher man die Tickets kauft, desto günstiger.

Die günstigste Spartageskarte kostet 39 Franken (2. Klasse mit Halbtax, bis zehn Tage vor Reisetag gekauft), die teuerste 148 Franken (1. Klasse ohne Halbtax, bis einen Tag vor Reisetag gekauft).

Für die Gemeinden ist der Wechsel vor allem mit Mehraufwand verbunden. Auch deshalb gibt es einige Berner Gemeinden und Städte, welche die Spartageskarten nicht anbieten. Einer der grössten Ortschaften im Kanton Bern, die nicht mitmacht, ist die Stadt Langenthal. «Das neue SBB-Konzept ist sowohl ablauf- und prozesstechnisch als auch digital ein Rückschritt gegenüber dem bestehenden System», sagt Barbara Eggimann, Leiterin Fachbereich Kommunikation und Marketing.

Die Erfassung und Abwicklung nehme doppelt so viel Zeit wie vorher in Anspruch, der personelle und organisatorische Aufwand würde unverhältnismässig steigen. «Es ist nicht zielführend, dass die Einwohnerdienste Beratungsdienstleistungen für den öffentlichen Verkehr übernehmen.»

Aufwendige Abwicklung für Berner Gemeinden

Das findet auch Andrea Burkhardt, Gemeindeschreiberin von Ittigen: «De facto würde Ittigen zur Verkaufsstelle der SBB.» Die Nachbargemeinde der Stadt Bern verzichtet ebenfalls darauf, die neuen Tageskarten anzubieten. Weil die Nutzerinnen und Nutzer namentlich erfasst werden müssen, wäre die Abwicklung der neuen Spartageskarte aufwendig, so Burkhardt.

Das Angebot entspreche zudem nicht dem Kundenbedürfnis. «Über 90 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer besitzen ein Smartphone und können daher bequem von zu Hause aus und bedürfnisgerecht Zugbillette kaufen. Ein solches Angebot ist nicht mehr zeitgemäss.»

Am Schalter der Gemeinde Lyss werden ebenfalls bald keine SBB-Tageskarten mehr angeboten. «Die Verkaufsabwicklung wird als zu aufwendig betrachtet und die Angebotsstruktur scheint aus Kundensicht zu wenig vorteilhaft», sagt Heidi Ulrich, Bereichsleiterin öffentliche Sicherheit.

Mit dem neuen Angebot würde der Aufwand um ein Vielfaches steigen, so Ulrich. «Beispielsweise müssen die Tageskarten für einige Personen ausgedruckt werden oder auf deren Smartphone gesandt werden.» Dabei sollte der Aufwand für die Gemeinden ihrer Meinung nach nicht erhöht werden. Dass die Spartageskarten nicht online verkauft werden, erachtet die Bereichsleiterin der Gemeinde Lyss als Rückschritt.

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veröffentlicht: 23. Dezember 2023 06:56
aktualisiert: 24. Dezember 2023 10:23
Quelle: BärnToday

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