Seltene Nager gesucht

Bern ruft zur Haselnussjagd auf

Anissa Dennenmoser, 31. August 2022, 11:59 Uhr
Haselmaus und Siebenschläfer sieht man selten in den Büschen Berns. Mit dem neuen Projekt «Haselnussliebhaber in der Stadt Bern» will sich Stadtgrün Bern gemeinsam mit der Bevölkerung auf die Spur der kleinen Säugetiere machen.
Die Haselmaus ist eine gefährdete Tierart.
© Getty
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Ein paar der scheuen Tierchen leben auf Berner Stadtgebiet – nur weiss niemand, wo genau.

«Es geht darum, angefressene Haselnüsse, die am Boden liegen, zu sammeln. Weil diese uns helfen, herauszufinden, welche Tiere die Nüsse angefressen haben», erklärt Nicola Indermühle von Stadtgrün Bern. So kann die Fachstelle herausfinden, wo welche der nachtaktiven Tiere im Gebiet Unterschlupf finden. «Wir wissen noch nicht viel darüber, wo diese sehr versteckt lebenden Säugetiere überall vorkommen.»

Es sei ein typisches Citizen-Science-Projekt. «Wir sind auf die Hilfe der Bevölkerung angewiesen», so Indermühle. Jeder kann mitmachen. Einige Schulklassen und Privatpersonen hätten bereits angekündigt, dass sie dabei sind.

So läuft die Haselnussjagd ab

Freiwillige laufen mit einem Plastiksäckchen Büschen entlang und suchen nach Haselnüssen, die am Boden liegen. Bei angefressenen Haselnüssen müsse man genau hinschauen, so Indermühle. Verschiedene angeknabberte Nüsse werden gesammelt und mit den Koordinaten versehen eingepackt.

Wenn du Nüsse findest, die von einer Haselmaus angeknabbert worden sind, dann nimm alle davon mit. Mehrere von Eichhörnchen zerteilte Haselnüsse brauchst du aber nicht einzustecken, ein Nüsschen reicht.

Wie die Fressspuren aussehen, kannst du in der Bestimmungshilfe nachschauen.

Einige der Fressspuren sind einfach zu erkennen: beispielsweise das Loch, das der Haselnussbohrer hinterlässt. Hierbei bohrt das Käfer-Weibchen ein Loch in die Schale, um das Ei zu legen. Die geschlüpfte Larve frisst dann die Nuss. Auch Eichhörnchenspuren erkennt man gut. Aber wenn es um Nagespuren von Schläfern oder Mäusen geht, wird es etwas komplizierter. Besteht der Verdacht, dass die Spuren von der seltenen Haselmaus kommen, wird die Haselnuss zusätzlich von einem Spezialisten untersucht.

Im September kann man die Nüsse zu den Sammelstellen bringen. Dann wird ausgewertet. «Innerhalb unserer Fachstelle schliessen wir schon Wetten ab, um zu schauen: Wer trifft die Menge Haselnüsse, die kommen wird?» Das Team sei sehr gespannt, was eintrudeln wird, erzählt Nicola Indermühle.

Was denkst du, wie viele Haselnüsse werden gesammelt? Gib deinen Tipp ab bei BärnToday.

Hier findest du die Haselmaus

«Insbesondere über die Verbreitung der Haselmaus, eine gefährdete Säugetierart, weiss man noch relativ wenig.» Da bestehe der Verdacht, dass die Populationen am Zurückgehen seien. Es gibt laut Indermühle knapp drei Meldungen aus den letzten zehn Jahren, dass Haselmäuse auf Stadtgebiet gefunden worden sind. Beim Siebenschläfer ist die Lage ähnlich, obwohl dieser noch besser verbreitet ist.

Die kleinen Tiere verstecken sich gerne, sind nachtaktiv und machen einen langen Winterschlaf. Die Haselmaus brauche grössere, zusammenhängende dichte Hecken, die ein breites Nahrungsangebot liefern, erklärt Nicola Indermühle. «Also besonders Beeren- und nusstragende einheimische Sträucher.» Sie mag grössere Lebensräume und ist tendenziell am Stadtrand zu finden.

Um genau diese besser kennen zu lernen, hat Stadtgrün Bern das Projekt gestartet. Das Gebiet flächendeckend systematisch zu untersuchen, wäre laut dem Experten viel zu aufwendig. Mit den gesammelten Daten sollen die Räume zielgerichtet gestaltet werden. Eine Vernetzung der Lebensräume dieser Tiere sei «total wichtig», aber dazu müsse man auch wissen, wo welche Arten vorkommen.

Für Indermühle ist die Zusammenarbeit mit der Bevölkerung ebenso von Bedeutung. Denn «Naturerlebnisse zu ermöglichen, ist wichtig, um Biodiversität zu fördern».

Quelle: BärnToday
veröffentlicht: 30. August 2022 18:17
aktualisiert: 31. August 2022 11:59