Trotz Ausbrüchen

«Berner Gefängnisse sind sicher»

9. August 2022, 18:16 Uhr
In den letzten Wochen sind gleich mehrere Insassen aus Berner Gefängnissen geflohen. Behörden erklären, wie es dazu kommen konnte.
Sicht aus der JVA Witzwil
© KEYSTONE/Peter Schneider

Wenn man an Gefängnisausbrüche denkt, haben die meisten wahrscheinlich spektakuläre Bilder aus Hollywood-Filmen im Kopf. So weit muss allerdings gar nicht gedacht werden: Auch in Berner Gefängnissen kann es ähnlich spektakulär werden, wenn Insassen die Flucht ergreifen. So konnte vor wenigen Wochen im Regionalgefängnis Bern ein Mann die Gitterstäbe eines Fensters durchsägen und erst letztes Wochenende schaffte es ein 41-Jähriger, sich in der Justizvollzuganstalt Witzwil durch eine Essensklappe zu drücken, die nicht grösser ist als ein A4-Papierblatt.

Keine hundertprozentige Sicherheit

Dennoch: «Berner Vollzugseinrichtungen sind sicher», sagt Olivier Aebischer, Leiter der Kommunikation im Amt für Justizvollzug im Kanton Bern. Der Kanton verbuchte im Jahr über 340'000 Übernachtungen in Justizvollzuganstalten. «Dabei verzeichneten wir in den letzten 20 Jahren sieben Fluchtereignisse.» Dauerhaft hundertprozentige Sicherheit zu erreichen, sei nicht möglich. «Das ist im Flugverkehr so, das ist im Strassenverkehr so und das ist auch bei uns so.»

Quelle: BärnToday / Warner Nattiel

Klar ist auch, dass nach einem Ausbruch sofort Massnahmen umgesetzt werden. «Wenn jemand ausbricht, zeigt diese Person uns eine Schwachstelle. Diese müssen wir ganz konsequent identifizieren und beseitigen», so Aebischer. Zum einen gelte es, die Präsenzkontrolle zu überdenken, zum anderen müsse auch die technische Einrichtung überdacht werden.

Auch für den Fliehenden könne der Ausbruch Konsequenzen habe «Wer flieht begeht kein Delikt, wenn es aber dabei zu einer Sachbeschädigung kommt, muss er dafür geradestehen.»

Offenes «Suppentörli»

Wie es in Witzwil zu einer Flucht kommen konnte, erklärt Hans Bütikofer, Direktor der Justizvollzugsanstalt: «Der Gefangene war im Arrest und es ist ihm in der Nacht auf Sonntag gelungen, durch das sogenannte ‹Suppentörli› in die Freiheit zu kommen.» Grund für das Offenbleiben des «Suppentörlis» sei die aktuelle Hitze: «Damit für die Insassen die Räume einigermassen erträglich werden, lassen wir momentan in der Nacht dieses Türchen offen.»

Quelle: BärnToday / Warner Nattiel

Flucht nicht unmöglich

Es dürfe nicht vergessen werden, dass das Gefängnis in Witzwil keine geschlossene Anstalt sei: «Deshalb ist die Anstalt nicht so gestaltet, dass eine Flucht unmöglich ist, wie das etwa in Thorberg der Fall ist», sagt Bütikofer. Eine offene Vollzugsanstalt sei die letzte Stufe vor der Freiheit, bei den Insassen werde nicht von einer hohen Fluchtgefahr ausgegangen. Dies auch, weil die Insassen in einem offenen Vollzug ihr Netzwerk in der Schweiz hätten: «Man rechnet nicht mit einer Flucht, wenn Verwandte, Bekannte und der Lebensmittelpunkt eines Insassen in der Schweiz sind und kein Interesse besteht, an einem anderen Ort zu leben.»

Sollte der Flüchtige gefasst werden und würde er wieder nach Witzwil kommen, seien disziplinarische Massnahmen sehr wahrscheinlich: «Er müsste sicher wieder mit einer Arreststrafe rechnen», so Bütikofer.

(pfl)

Quelle: BärnToday
veröffentlicht: 9. August 2022 18:17
aktualisiert: 9. August 2022 18:17
Anzeige