Dragqueen Miss Aislinn DLight

«Das Wichtigste ist das Selbstbewusstsein»

Philippe Flück, 15. Oktober 2022, 13:13 Uhr
Am Samstag findet in der Mahogany Hall die Dragshow Dragwunderland DLight statt. Dragqueen Miss Aislinn DLight erzählt, was an der Szene besonders spannend und warum die politische Botschaft dabei zentral ist.
Am Samstag findet in der Mahogany Hall eine Dragshow statt.
© ZVG
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BärnToday: Gleich zu Beginn: Was ist das Schöne an der Drag-Kultur?

Miss Aislinn DLight: Das Schöne ist die grosse Vielfalt. Bei der Drag-Kultur gibt es keine Verbote, ausser rassistische oder diskriminierende Inhalte. Es gibt so viele verschiedene Dragqueens, die einen eigenen Stil haben und auch auf der Bühne gibt es unterschiedliche Darstellungen. Ausserdem geht es um die Message: Wir sind für die Gleichberechtigung und gegen Homophobie.

Die politische Botschaft spielt also eine wichtige Rolle?

Das ist so. Wir kämpfen gegen die Homophobie, die es leider immer noch gibt.

Böse Zungen könnten sagen, dass eine Drag-Show einfach verkleidete Menschen sind, die Darbietung vorzeigen. Warum stimmt diese Aussage nicht?

Wie wir mit unseren Shows den Leuten offenlegen wollen, dass jede Persönlichkeit einzigartig ist. Man soll einander so akzeptieren, wie man ist. Wenn ich nicht als Dragqueen unterwegs bin, bin ich relativ scheu und zurückhaltend. Im Drag hingegen bin ich viel offener und wie eine andere Person.

Ist es also diese Freiheit und diese Möglichkeit, eine andere Persönlichkeit auszuleben, die Ihnen am Drag besonders gefällt?

Das ist so. Mich begeistert, dass man sich schminken, sich anziehen kann und dann auf der Bühne eine andere Person ist. Wenn man mich nicht im Drag sieht, würde man wahrscheinlich nicht erkennen, dass ich die Person bin, die dann auf der Bühne ist.

Wann haben Sie gemerkt, dass die Drag-Kultur Sie begeistert?

Das war vor rund fünf Jahren als ich RuPaul’s Drag Race geschaut habe. Das lief im amerikanischen TV und inspirierte viele Drags. Mit YouTube-Tutorials habe ich mir dann das Schminken selbst beigebracht. So bin ich darauf gekommen, dass ich das professionell machen möchte.

Was braucht es, um eine Dragqueen zu werden?

Das Wichtigste ist das Selbstbewusstsein. Dass man sich traut, an die Öffentlichkeit zu gehen. Damit hatte ich auch lange Mühe. Ich musste zuerst lernen, dass es mir egal sein kann, was andere Leute über mich denken.

Am Samstag nehmen Sie an der Show in der Mahogany Hall statt. Was kann das Publikum von der Show erwarten?

Es gibt viel Musik und verschiedene Performances. Zum Schluss auch ein Lip-Sync-Battle.  Zum Teil auch obszöne Dinge, aber natürlich in einem Rahmen. Ich sage immer, dass jede Person eine solche Show einmal gesehen haben muss, damit sie sich eigene Gedanken dazu machen kann und sieht, dass es nichts Schlimmes ist.

Wie ist die Drag-Szene in Bern?

Im Vergleich zu noch vor fünf Jahren haben sich Drag-Shows schon relativ gut etabliert. Die Region Bern ist allerdings noch eher schwach. Deshalb wollen wir die Show hier machen. Vor allem in Zürich hat es viele Dragqueens, wobei man sagen muss, dass es doch auch in Bern mittlerweile zahlreiche Dragqueens hat.

Quelle: BärnToday
veröffentlicht: 15. Oktober 2022 13:11
aktualisiert: 15. Oktober 2022 13:13