Corona-Solidarität

Drei Jahre nach dem ersten Lockdown: Das passierte mit den Solidaritätsgruppen

· Online seit 16.03.2023, 19:21 Uhr
Am Donnerstag jährte sich der Tag, an dem der Bundesrat den Notstand ausgerufen hat, zum dritten Mal. BärnToday hat nachgefragt, ob es die Gruppenchats in den Quartieren noch gibt und wie es um die Hilfsbereitschaft der Menschen steht.
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Vor drei Jahren verbreitete sich die Nachricht: Die Schweiz geht in einen Lockdown. Der Bundesrat hatte den Notstand ausgerufen, Veranstaltungen wurden abgesagt, Geschäfte und Lokale wurden geschlossen und die Bevölkerung dazu aufgerufen, zu Hause zu bleiben.

Lebensmittelgeschäfte blieben zwar während der ganzen Corona-Pandemie geöffnet, für ältere und kranke Menschen bestand das Risiko einer Ansteckung beim Einkaufen und so bildeten sich verschiedene Solidaritätsgruppen. In vielen Quartieren wurden Gruppenchats in Kurznachrichtendiensten eröffnet. Jüngere und gesunde Menschen gingen für andere einkaufen und konnten mit dieser kleinen Tat älteren und kranken Mitmenschen helfen.

«Es meldeten sich zu viele, die freiwillig helfen wollten»

Carine Fleury, Leiterin des Kompetenzzentrums für Freiwilligenarbeit des Schweizerischen Roten Kreuzes, erzählt gegenüber BärnToday, wie sich die Bereitschaft der Helfenden verändert hat: «Nach der Pandemie kamen dann nur wenige der langfristigen Helfenden, die über 60 Jahre alt sind, zurück. Diese fehlen nun. Sie waren sehr wichtig, da sie meist viel Zeit hatten und  regelmässig helfen konnten.»

Während der Pandemie konnte das SRK auf viele Helfende zählen: «Während der Coronapandemie hatten wir zu viele, die freiwillig helfen wollten. Während der ersten und zweiten Welle hatten wir viel mehr Freiwillige als Hilfsbedürftige. Das war zwar schön, aber auch schade, dass nicht alle helfen konnten, die wollten», so Carine Fleury.

Die Arbeit habe sich seit der Corona-Pandemie nicht gross verändert: «Die Aktivitäten sind die gleichen wie vor der Pandemie: Wichtig sind Fahrdienste, Hilfe für Migranten oder Entlastungsdienste. Gerade die Hilfe bei der Migration ist seit dem Ukrainekrieg gestiegen. Wir haben viele Angebote, bei denen man Flüchtlinge begleiten und ihnen helfen kann, das ist natürlich eine andere Arbeit als damals während der Corona-Pandemie.»

Die Initialzündung für Gruppenchats

In Bern wurden in vielen Quartieren Gruppenchats gebildet, um Hilfe anzubieten und nach Hilfe fragen zu können. Eine Dynamik, der Tom Lang, Quertierarbeiter in der Länggasse und der Engehalbinsel, viel Beachtung schenkt, wie er erzählt: «Es war eindrücklich. In der Länggasse wurde noch am gleichen Tag des Lockdowns ein Hilfechat erstellt, innerhalb weniger Tage ist der Chat ans Maximum der Teilnehmer gestossen. Über den Chat wurden dann Hilfeleistungen organisiert.» Diese Chats seien zwar über die Zeit ruhiger geworden, dennoch erkennt Tom Lang ein Bedürfnis: «Im Laufe der Zeit wurde es dann ruhiger auf diesen Chats, dennoch waren sie die Initialzündung für die Quartierchats, die es heute gibt. Corona hat dazu geführt, dass ein Bedürfnis entstand, sich in Quartieren miteinander austauschen zu können. Solche Chats sind nun ein wichtiges Gefäss geworden und auch wir kommunizieren dort mit den Leuten in den Quartieren.»

Tom Lang sieht das auch als Möglichkeit, um Geflüchteten aus der Ukraine helfen zu können: «Corona führte zu einem Selbstverständnis für solche Kanäle, wo man sich austauschen kann. Bei Vorhaben gründet man Gruppenchats, um zu kommunizieren. Auch in der temporären Unterkunft auf dem Viererfeld haben ukrainische Geflüchtete solche Gruppenchats. Sie können sich dort gegenseitig austauschen oder mit Leuten kommunizieren, die Hilfe anbieten.»

veröffentlicht: 16. März 2023 19:21
aktualisiert: 16. März 2023 19:21
Quelle: BärnToday

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