Bundesratswahlen

Allemann ist die grosse Verliererin – SP setzt auf zwei Männer

26.11.2023, 08:16 Uhr
· Online seit 25.11.2023, 22:10 Uhr
Viele waren sich im Vorfeld sicher: Die SP schickt einen Mann und eine Frau ins Rennen um den freiwerdenden Bundesratssitz von Alain Berset. Damit schien die Berner Regierungsrätin Evi Allemann für das SP-Ticket gesetzt. Fühlte sie sich zu sicher?
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18 Wahlgänge brauchte es am Samstag, bis sich die SP-Fraktion endlich entschieden hatte: Der Bündner Jon Pult und der Basler Beat Jans wurden für das SP-Zweierticket nominiert. Man sehe und staune: Die Gleichstellungspartei SP hat sich für zwei Männer ausgesprochen.

Die grosse Verliererin dieses Entscheides ist die Berner Regierungsrätin Evi Allemann. Im Vorfeld galt sie unter anderem aufgrund ihres Geschlechts als Favoritin – viele sahen es als gegeben, dass sie es als Frau zumindest auf das Zweierticket schaffen würde.

Es kam bekanntlich anders. Innerhalb eines Jahres verpasst es Allemann zum zweiten Mal, von ihrer Partei als Bundesratskandidatin aufgestellt zu werden. Zuletzt hatten ihre Parteigenossinnen und Parteigenossen Elisabeth Baume-Schneider und Eva Herzog den Vortritt gegeben.

War Allemann zu zuversichtlich?

Allemann blieb im Vorfeld des heutigen Entscheids relativ blass. Einige Medien sprachen ihr mit dieser Begründung bereits in den letzten Tagen die Favoritenrolle ab. Fühlte sie sich zu sicher? Auf eine Telefonanfrage von BärnToday hat sie am Samstagabend nicht reagiert. Es ist aber davon auszugehen, dass sie sich gute Chancen ausgerechnet hat, sonst hätte sie nicht innerhalb eines Jahres zum zweiten Mal kandidiert.

Für Allemann, die sich nun weiter auf ihre Tätigkeit in der Berner Kantonsregierung konzentrieren kann, dürfte es nur ein schwacher Trost sein, dass der Zürcher Ständerat Daniel Jositsch ebenfalls zum zweiten Mal scheiterte. Denn anders als Allemann gehörte Jositsch nach seinem Vorpreschen vor einem Jahr nie zum Favoritenkreis.

Niederlage für die SP Frauen

Die Nicht-Nominierung von Evi Allemann ist gleichzusetzen mit einer Niederlage der SP Frauen. Diese sprachen sich bewusst nur für eine Kandidatin aus, um so die Chancen einer weiblichen Kandidatur zu erhöhen.

Zwar haben die SP Frauen mit Elisabeth Baume-Schneider bereits eine Vertreterin im Bundesrat. Trotzdem: Dass die SP, die sich als Vorreiterin der Gleichstellung sieht, dem Parlament ein reines Männerticket vorschlägt, dürfte den SP Frauen rund um Präsidentin Tamara Funiciello kaum gefallen. Funiciello war am Samstagabend ebenfalls nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Bundesratssitz für Basel oder Graubünden

Ob die aktuelle Zusammensetzung des Bundesrates eine Nominierung von Evi Allemann verhindert hat oder nicht, ist schwer zu sagen. Klar ist: Geholfen hat die Zusammensetzung sicherlich nicht.

Anders als vor einem Jahr, als die SP auf ein reines Frauenticket setzte, war in diesem Jahr klar, dass nach der Wahl von Elisabeth Baume-Schneider zumindest ein Mann für die Bundesratswahlen nominiert werden würde. Mit Albert Rösti (SVP) sitzt zudem bereits ein Berner im Bundesrat, während die Basler seit dem Rücktritt von Hans-Peter Tschudi 1973 auf eine Vertretung im Bundesrat warten. Auch der Kanton Graubünden hat seit Eveline Widmer-Schlumpf (2015) keine Vertreterin oder Vertreter in der Landesregierung gehabt.

veröffentlicht: 25. November 2023 22:10
aktualisiert: 26. November 2023 08:16
Quelle: BärnToday

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