Vom Kult- zum Geisterhotel

Alles andere als romantisch: Hotel Schwefelbergbad verlottert seit Jahren

· Online seit 11.02.2024, 07:24 Uhr
Einst herrschten im ehemaligen Romantik-Hotel Schwefelbergbad reges Treiben und rauschende Feste. Hier traf man sich, um Ski zu fahren, ein Schwefelbad zu nehmen oder zu wandern. Doch seit dem Verkauf an die Global Ammann AG Ende 2012 geht gar nichts mehr auf dem Schwefelberg. Warum?
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Das ehemalige Romantik-Hotel Schwefelbergbad hatte einiges zu bieten: Eine wunderschöne Umgebung im Gantrischgebiet, eine eigene, bereits im Jahr 1561 urkundlich erwähnte Schwefelquelle sowie – schweizweit einzigartig – Mineralschlamm vulkanischen Ursprungs, der ebenfalls zum Baden und Kuren geeignet ist.

Dank eines Skilifts direkt auf dem Gelände konnte man auf dem Schwefelberg auch Wintersport betreiben.

Einst sollen in dieser Gegend rauschende Feste gefeiert worden sein. Die Hotel-Website – ähnlich verlassen wie das heutige Hotelgebäude – beschreibt die Geschichte des einstigen «Erstklasshauses»: Bereits im 17. Jahrhundert sollen die Lebensfreude und Bräuche der Älpler die Herren des Tals derart verärgert haben, dass sie dem «gottlosen Unwesen» den Kampf ansagten und im Bernischen Konvent Klage führten. Der Landvogt habe daraufhin mit Bussen gedroht und ein Badeverbot für die Quellen erlassen.

Der Ruf der Heilkraft der Schwefelquellen blieb jedoch nicht verborgen: Nach der Erstellung eines Badehauses folgte nach 1834 der Bau eines Gästehauses. Ein Berner Grossrat baute das Gebäude aus – so entstand das heutige Hotelgebäude mit 140 Betten, 17 Badestuben, zahlreichen Duschzimmern und Restaurationssälen.

Eigentümer ist kein Unbekannter

Vom einstigen Glanz des einstigen Vier-Sterne-Hotels ist heute allerdings nicht mehr viel übrig. Denn: Das Hotel steht mittlerweile seit elf Jahren leer. Warum?

40 Jahre lang befand sich das Hotel Schwefelbergbad im Besitz der Familie Meier. Im Herbst 2012 verkaufte die damalige Hoteldirektorin Claudia Meier das Hotel an die Ammann Globalbau AG.

Das Unternehmen mit Sitz in Hilterfingen ist nicht unbekannt: Nebst diversen Wohnsiedlungen in verschiedenen Gemeinden wie Thun, Hilterfingen oder Bolligen gehört der Firma auch das BEO Center in Spiez oder das CIS-Sportcenter in Solothurn. Letzteres Gebäude hat ebenfalls Sanierungsbedarf: Ein Pächter will das Sportcenter der Ammann Globalbau AG abkaufen – doch noch fehlt das Geld.

Ammann liess Baubewilligung verstreichen

Für das einstige Romantik-Hotel Schwefelbergbad plante der neue Besitzer Peter Ammann im Jahr 2013 umfassende Neuerungen: Unter anderem hätten zwölf neue Hotelzimmer sowie ein neues Dach entstehen sollen. Eine entsprechende Baubewilligung liess der Eigentümer aber verstreichen. Seither ist das Schwefelbergbad zum Geisterhotel geworden.

Ein Augenschein vor Ort zeigt: Sowohl Gebäude als auch das dazugehörige Gelände wirken verlassen, baufällig und erinnern entfernt an das Overlook-Hotel aus der Verfilmung von Stephen Kings «Shining» aus den Achtzigern. Ein Unterschied: Überwachungskameras und «Betreten-verboten»-Schilder.

Skilift müsste abgerissen werden

Der Skilift, wenige Meter vom ehemaligen Hotel entfernt, wird seit Stillegung des Hotels nicht mehr benutzt. Entsprechend rostet die Anlage vor sich hin.

Ein Dorn im Auge für Naturschützerinnen und Naturschützer. «Für uns ist es selbstverständlich, dass, wenn Infrastruktur aufgegeben wird, der ursprüngliche Zustand der Landschaft wieder hergestellt wird», so Luisa Deubzer, Projektleiterin der Alpenschutzorganisation «Mountain Wilderness», im Januar gegenüber der SRF Rundschau.

«Wird der Skilift definitiv nicht mehr in Betrieb genommen, muss die Anlage zurückgebaut werden», erklärt Christian Aebi, Amtsvorsteher der Bau- und Verkehrsdirektion des Kantons Bern, auf Anfrage von BärnToday. Denn: «Es muss davon ausgegangen werden, dass die Anlage nach dieser langen Standzeit ohne grosse Revisionsarbeiten nicht mehr betriebstauglich ist.»

Als hoteleigener Skilift müsste die Eigentümerschaft für den Rückbau aufkommen. Eine Frist dafür gibt es allerdings nicht.

Als die Ammann Globalbau AG das Schwefelbergbad 2012 übernommen hat, hätte das Unternehmen angekündigt, den Betrieb des Bügelliftes wieder aufnehmen zu wollen, erklärt Aebi. «Die aktuellen Eigentümer sind informiert über die allgemeinen Anforderungen, damit die Anlage wieder in Betrieb gehen könnte.» Nötig wäre die Abnahme des Skilifts durch die interkantonale Kontrollstelle IKSS. Passiert ist aber nie etwas.

Förderverein Region Gantrisch: «Schwefelbergbad hätte grosses Potenzial für Gäste»

Ob im Schwefelbergbad je wieder Ski gefahren oder gebadet werden kann, ist ungewiss. Eine Wiederinbetriebnahme des Hotels wäre für die Tourismusregion Gantrisch ein Gewinn, betont Martina Summermatter vom Förderverein Region Gantrisch. «Das historische Gebäude des Schwefelbergbads hätte in der Tat ein grosses Potenzial für Gäste, welche in die Bäderzeit eintauchen und die wunderschöne Landschaft rund um das Hotel geniessen möchten.»

Der Ball bleibt bei der Eigentümerschaft. Doch diese schweigt: Trotz mehreren Interview-Anfragen wollte sich die Ammann Globalbau AG nicht zu ihren weiteren Plänen fürs Schwefelbergbad äussern.

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veröffentlicht: 11. Februar 2024 07:24
aktualisiert: 11. Februar 2024 07:24
Quelle: BärnToday

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