Bergrestaurant ist konkurs

Bussalp-Pächterin: «Schlechtes Wetter hat mir das Genick gebrochen»

· Online seit 04.04.2024, 14:10 Uhr
Das Bergrestaurant Bussalp ist nach weniger als einem Jahr wieder geschlossen. Wir haben mit der ehemaligen Pächterin Alexandra Köksal über die Gründe gesprochen und gefragt, was sich auf der Bussalp in Zukunft ändern muss.
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BärnToday: Frau Köksal, Sie haben das Restaurant Bussalp knapp ein Jahr geführt. Wie kam es zum Konkurs?

Alexandra Köksal: Das Winterwetter war dieses Jahr wirklich katastrophal. Im Dezember hat es eine Woche vor der Eröffnung mit viel Schnee zwar super angefangen, zum Start ist dieser aber leider schon wieder verschwunden. Danach gab es Stürme und es war nicht möglich, zur Bussalp hochzufahren.

Der Betrieb war also an vielen Tagen gar nicht wirklich möglich?

Im Dezember hatten wir eigentlich nur die Weihnachtswoche, die zwar auch nicht mega, aber immerhin noch gut gelaufen ist. Im Januar gab es zwei super Wochenenden, wo man mit dem Schlitten wirklich herunterfahren konnte. Danach wurde es einfach zu warm. Dementsprechend blieben die Gäste aus und das hatte Auswirkungen auf die Umsatzzahlen.

Dass der Restaurantbetrieb wetterabhängig ist, weiss man und das wusste ich auch. Dass aber der Winter so schlecht wird, das hätte keiner erahnen können. Und das hat mir letzten Endes das Genick gebrochen – das konnte ich mir nicht leisten. Da habe ich gesagt: lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.

Ein Jahr ein Restaurant zu führen, ist ja eher eine kurze Zeit. Wie geht es Ihnen jetzt mit diesem Entscheid? 

Es ist natürlich mega schade. Ich habe den Platz und die Gäste geliebt und wir hatten auch wahnsinnig viele Einheimische. Mit diesen Leuten war es sehr schön. Das schätze ich sehr und es war eine tolle Zeit, auf die ich gerne zurückblicken werde. Es ist sehr schade, dass es im Winter so gelaufen ist mit dem Wetter. Sonst wären wir natürlich geblieben.

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Gab es keine andere Lösung, etwa eine Zusammenarbeit mit der Pro Bussalp AG?

Ich hätte einen privaten Kredit aufnehmen müssen und das ist einfach nicht die Lösung. Ich habe damals bei Null gestartet und hatte keine Erfahrung mit einem anderen Restaurant. Von daher ist es natürlich schwierig, wenn man neu startet und dann gleich in eine Schlechtwetterfront gerät. Dann ist einfach nichts da, worauf man zurückgreifen kann. Das Verhältnis mit den Verpächtern ist aber tiptop, wir hatten es wirklich gut und haben auch früh miteinander geredet.

Wie geht es für Sie weiter?

Ich habe schon eine neue Stelle gefunden und arbeite seit dem 1. April wieder in einem Büro. Ich bin jetzt wieder aus der Tourismusbranche raus. Es geht mir aber gut, so schade und schwer die ganze Sache auch war.

War es für Sie ein schwieriger Entscheid, das Restaurant zu übernehmen? 

Es war immer mein Traum, ein eigenes Restaurant zu haben. Und das war natürlich die Chance, das umzusetzen. Und trotzdem habe ich gewusst, dass es kein einfacher Platz ist.  Es ist jetzt nicht so wie an touristischen Hotspots, wo jeden Tag massenhaft Gruppen vorbeikommen, egal wie das Wetter ist. Ich habe dann gepokert. Ich wusste, im Sommer kommst du irgendwie über die Runden, aber das Geld machst du im Winter. Aber wenn der Winter weg ist, machst du auch kein Geld. Das war jetzt leider der Fall.

Was denken Sie, wie es dort oben doch noch klappen könnte? Auf das schlechte Wetter kann man ja keinen Einfluss nehmen.

Die Winter sind in den letzten Jahren kontinuierlich dürftiger geworden. Man muss sich etwas überlegen, das die Sache da oben attraktiver macht. Meiner Meinung nach reicht das Restaurant alleine nicht. Ich denke, die Verantwortlichen werden da sicherlich auch zukünftig Ideen finden. Es ist ein Ort, den viele sehr schätzen, da es eben nicht so ein Hotspot ist, wo tausende Gruppen herumrennen.

Was für schöne Erinnerungen nehmen Sie aus dieser Zeit mit?

Unheimlich viele Bekanntschaften im Dorf und drum herum, wo ich ganz viele Leute kennenlernen durfte, die ich wirklich sehr, sehr schätze – von jung bis alt. Man freut sich, wenn man durchs Dorf geht und über die alten Zeiten reden kann. Das ist einfach schön.

veröffentlicht: 4. April 2024 14:10
aktualisiert: 4. April 2024 14:10
Quelle: BärnToday

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