Neu auf acht Spuren

Grauholz-Autobahn soll ausgebaut werden – Verein Spurwechsel übt Kritik

26.09.2022, 18:06 Uhr
· Online seit 26.09.2022, 12:54 Uhr
Der Ausbau der Grauholz-Autobahn von sechs auf acht Spuren ist seit Montag öffentlich aufgelegt. Die Unterlagen können bis Ende Oktober eingesehen werden. Der Verein Spurwechsel kritisiert unter anderem den Zeitpunkt der Eingabefrist.
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Die öffentliche Auflage zum Ausbau der Grauholz-Autobahn läuft bis 25. Oktober, wie aus Angaben des Bundesamts für Strassen (Astra) hervorgeht. Bei den betroffenen Gemeinden handelt es sich um Bolligen, Ittigen, Moosseedorf, Urtenen-Schönbühl, Zollikofen, Lyssach sowie Wohlen bei Bern.

Der Verein Spurwechsel übte in einem Communiqué erneut scharfe Kritik an den Plänen. Die Verbreiterung der Autobahn sei «gegen jede Klimavernunft» und werde Mehrverkehr in die Stadt und Agglomeration Bern bringen.

Zeitpunkt der Eingabefrist sei «Fehler oder Frechheit»

«Wir kritisieren, dass eine Autobahn, die bereits heute sechsspurig ist, in Zeiten der Klimakrise ausgebaut werden soll. Das können wir nicht verstehen», sagt Markus Heinzer, Präsident des Vereins Spurwechsel, auf Anfrage. Es gebe andere Wege, diese Probleme zu lösen. «Aber den Verkehr immer weiter auszubauen auf Kosten von Wald, Fruchtfolgeflächen und Land kann nicht die Lösung sein.» Man müsse die zwei Spitzenzeiten des Verkehrs brechen. Dazu sieht Heinzer mehrere Ansätze: «Homeoffice, Zersiedelung oder dass die Menschen wieder näher an ihrem Arbeitsplatz wohnen.»

Seit Montag läuft die Eingabefrist für das Grossprojekt. Dass dieses Datum im Kanton Bern mit dem Beginn der Herbstferien übereinstimmt, nimmt Heinzer mit Empörung entgegen. «Entweder ist es ein Fehler oder eine Frechheit, ich kann es nicht anders ausdrücken.» Die vielen Ferienabwesenheiten würden die zu bewältigende Bürokratie behindern. Und 30 Tage als Eingabefrist für ein Projekt dieser Grösse sei sowieso knapp bemessen.

Dennoch nutzt der Verein momentan jede Gelegenheit, um das Projekt zu bekämpfen. «Wir unterstützen Verbände, Gemeinden und Landeigentümer bei ihren Eingaben. Wir werden auf allen Ebenen – auch auf der politischen – Druck machen.»

Astra will Dörfer entlasten

Für die Astra ist der Ausbau aber notwendig: «Die Grauholz-Autobahn ist einer der meistbefahrenen Abschnitte», sagt Astra-Mediensprecher Lukas Studer. Der regelmässige Stau habe nicht nur Auswirkungen auf die Autobahn, sondern auf das gesamte Verkehrsnetz der Umgebung: «Der Ausweichverkehr auf umliegende Dörfer blockiert dort die Strassen, wodurch auch der ÖV nicht mehr planmässig fahren kann.»

Das Bundesamt für Strassen geht nicht davon aus, dass mit dem Ausbau mehr Verkehr generiert wird. «Den Verkehr haben wir jetzt schon und wir wollen ihn auf der Autobahn behalten und die Dörfer entlasten», so Bauer.

Das Ziel sei dabei nicht, flächendeckend die Autobahn auszubauen, sondern wirklich nur dort, wo es effektiv Sinn macht, so Studer. «Eine Fahrstreifenergänzung ist eine Ausnahme, die wir machen.»

Den Zeitpunkt der Auflage verteidigt Studer als verfahrenstechnische Frage. «Wir haben gewisse Sperrzeiten, da gehören die Herbstferien aber nicht dazu.» Da die Pläne bis Ende Oktober aufgelegt seien, habe man auch nach den Ferien noch genug Zeit. Studer macht auch darauf aufmerksam, dass die Dossiers online verfügbar sind.

(lae/dak/sda)

veröffentlicht: 26. September 2022 12:54
aktualisiert: 26. September 2022 18:06
Quelle: BärnToday

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