Testkäufe

Kafi Luz oder Bier: Minderjährige konnten in Wengen einfacher Alkohol kaufen

Lara Aebi, 8. Februar 2023, 13:06 Uhr
«Ernüchternde» Resultate bei den diesjährigen Testkäufen in Wengen und Adelboden: Am Lauberhornrennen kamen Minderjährige in einem Drittel der Tests unrechtmässig an Alkohol. Am Chuenisbärgli wird zwar ein Verkaufsrückgang registriert – man sei noch lange nicht da, wo man sein solle.
Party-Stimmung am Lauberhorn: Alkohol wurde dabei nicht nur an Erwachsene verkauft.
© BärnToday
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Die Weltcup-Rennen in Adelboden und Wengen sind nicht nur in sportlicher Hinsicht spektakulär – es wird auch gerne gefeiert. Entsprechend gehören Tabak und Alkohol dazu – nicht nur bei Erwachsenen. Auch Minderjährige versuchen immer wieder, Alkohol und Tabak zu kaufen. Und es gelingt ihnen auch, wie das Blaue Kreuz Bern-Solothurn-Thun am Mittwoch mitteilt.

Nach zwei Jahren Pandemie-bedingter Pause führte das Blaue Kreuz dieses Jahr im Auftrag des Präventionsprogramms «cool and clean» von Swiss Olympic wieder Alkohol- und Tabak-Testkäufe an beiden Weltcup-Rennen durch. Die Resultate? «Ernüchternd», meinen die Organisatoren.

Mehr Verkauf in Wengen, leichte Verbesserung in Adelboden

Besonders in Wengen lassen die Testresultate zu wünschen übrig. Insgesamt seien 21 Alkohol- und Tabaktestkäufe durchgeführt worden. Bei einem Drittel – also sieben Fällen – konnten Jugendliche Tabak oder Alkohol kaufen. Die Quote ist damit gegenüber den letzten Testkäufen im Jahr 2020 wieder gestiegen.

Etwas besser schneidet Adelboden ab: Auf dem Weltcup-Gelände wurden insgesamt 41 Tests durchgeführt. Bei 16 davon kamen Jugendliche unrechtmässig an Alkohol oder Tabak. Gegenüber 2020 sei dies zwar eine Verbesserung, aber: «Wir sind noch lange nicht dort, wo wir sein sollten», sagt Christian Haueter, Geschäftsführer der Ski-Weltcup Adelboden AG, in der Mitteilung.

Insgesamt seien 62 Alkohol- und Tabaktestkäufe in Adelboden und Wengen durchgeführt worden. Die Testkaufresultate an beiden Orten liegen dabei über dem letztjährigen kantonalen Gesamtdurchschnitt von 24,3 Prozent.

Zu ungenau gerechnet

Wie kommt es zu diesen Testkaufresultaten? Das eingesetzte Verkaufspersonal beider Veranstaltungsorte absolvierte im Vorfeld der Grossanlässe eine Schulung und wurde sensibilisiert. Die Alterskontrolle ging aber trotzdem oft vergessen. Dies habe unter anderem den Grund, dass an den Anlässen viele Freiwillige mitarbeiten würden, sagt Lea Leuenberger, Verantwortliche Jugendschutz Bern beim Blauen Kreuz. «Leute, die nicht regelmässig im Gastgewerbe arbeiten, sind sich weniger bewusst, dass Minderjährige versuchen, an Alkohol und Tabak zu gelangen und sie als Verkaufspersonal ein explizites Auge darauf werfen müssen.» Zudem seien Fehler bei der Ausweiskontrolle vorgekommen. «Es ist  öfters passiert, dass das Personal den Ausweis zwar kontrolliert, aber trotzdem Alkohol oder Tabak herausgibt, da sie das Alter falsch ausrechnen.»

App soll Alterskontrolle vereinfachen

Abhilfe schaffen soll die Jalk ID Scan App, die eine Alterskontrolle per Smartphone für Verkaufs- und Servicepersonal ermöglichen soll. Schon dieses Jahr seien positive Erfahrungen mit der App gesammelt worden. Am Weltcup 2024 soll sie nun noch mehr Gewicht erhalten. Die App speichere keine Daten, erklärt Leuenberger. «Sie funktioniert relativ unkompliziert und sehr schnell, aber man muss das Handling trotzdem lernen.»

Im Hinblick auf den Weltcup 2024 wartet auf die fehlbaren Betriebe in Wengen eine obligatorische Schulung. «Man will damit das Bewusstsein und die Sensibilisierung pushen und dabei verstärkt auf die App setzen. Das Organisationskomitee will in diesem Rahmen dafür sorgen, dass die Leute nicht nur von der App wissen, sondern sie auch verwenden», betont Leuenberger. Die Resultate müssten in Zukunft wieder besser werden, meint auch Daniel Kaufmann vom Verein Internationale Lauberhornrennen. «Es liegt ja auch in dem Interesse der Verkaufsstände, dass kein Alkohol an Minderjährige verkauft wird», so Kaufmann weiter.

Trotz der ernüchternden Testkaufresultate gelte es jedoch, die vielen positiven Aspekte nicht aus den Augen zu verlieren, bilanziert Leuenberger. «Die Stimmung war an beiden Rennen sehr friedlich. In Adelboden kam die Ambulanz gar nie zum Einsatz, die Sanität hatte wenig zu tun. Es ist sehr erfreulich, dass es in erster Linie um die Rennen ging – auch wenn die Testkaufresultate noch zu wünschen übrig lassen.»

Quelle: BärnToday
veröffentlicht: 8. Februar 2023 12:26
aktualisiert: 8. Februar 2023 13:06