Festivalsommer

Schluss mit Gratis-Eintritt: Music Days Steffisburg werden kostenpflichtig

· Online seit 14.03.2024, 05:46 Uhr
Sieben Jahre nach dem Start werden die Music Days Steffisburg kostenpflichtig. Der Anteil der Musik-Fans, die das Festival mit dem Kauf eines Kulturbändels unterstützt haben, sei zu klein gewesen. Reichen Solibeiträge überhaupt aus, um ein Festival auf die Beine zu stellen? Auch andere Festivals kämpfen.
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«Nicht nur die Pandemie, auch die allgemeinen Umwälzungen der letzten Monate und Jahre mit steigenden Energiepreisen, fehlenden Fachkräften und allgemein wachsendem Kostendruck machen sich auch bei der Organisation der Music Days immer stärker bemerkbar», wird Milan Tanaskovic, Sprecher des Vereins Music Day Steffisburg, in einer Mitteilung vom Montag zitiert.

Bisher waren die Music Days auf dem Dorfplatz in Steffisburg frei zugänglich. Besucherinnen und Besucher hatten die Möglichkeit, den Anlass mit einem Kulturbändel im Wert von 30 Franken zu unterstützen. Allerdings: «Bisher war es nur eine vergleichsweise kleine Gruppe der Festivalbesucher, die einen solchen Bändel erworben haben», so die Organisatoren. Daher zieht der Vereinsvorstand nun Konsequenzen: Die Music Days Steffisburg werden kostenpflichtig.

Veranstaltende: «Nichts als fair»

Die diesjährigen Music Days finden vom 6. bis 8. Juni statt. Das Line-Up wird Mitte März bekannt gegeben. Ein Tagespass im Vorverkauf kostet 25 Franken. Für 50 Franken können alle drei Festivaltage besucht werden. Der Vorverkauf starte in den kommenden Tagen, gleichzeitig werde auch das Line-Up bekannt gegeben, so die Organisatoren. Kinder unter 14 Jahren können das Festival nach wie vor gratis besuchen.

«Mit der Einführung von Eintrittstickets können wir unsere Finanzen besser planen und steuern und so das Festival mittel- und langfristig auf eine solidere finanzielle Basis stellen», erklären die Organisatoren. Zudem: Es sei «nichts als fair», wenn die Besuchenden so ihren Teil zur Finanzierung und Durchführung des Anlasses beitragen würden.

Weniger Bändeli-Verkäufe nach der Pandemie

Vor Corona sei der Verkauf der Kulturbändel zeitgemäss gut gelaufen, erklärt Milan Tanaskovic auf Anfrage von BärnToday. Aber: «Wir haben insbesondere nach der Pandemie einen Rückfall der Verkäufe erlebt, so der Sprecher des Vereins Music Days Steffisburg. «Diese Nicht-Einnahmen wurden nun deutlicher und wirtschaftlich nicht mehr tragbar.»

Künftig werden alle Besucherinnen und Besucher der Music Days ein Bändeli mit unterschiedlichen Farben je Altersgruppe tragen. So würde sowohl die Einlass- als auch die Jugendschutzbestimmungen vereinfacht, teilen die Organisatoren mit.

Bei den Festivalgängerinnen und -gängern sei der Richtungswechsel gut angekommen. «Die Reaktionen der Besucherinnen und Besucher sind bis jetzt alle verständnisvoll», so Tanaskovic.

Diese Anlässe setzen noch auf Solibeiträge

Reicht es aus, wenn Besuchenden die Wahl gelassen wird, ob sie einen Anlass unterstützen oder nicht? Schliesslich sind die Steffisburger Music Days nicht die einzige Veranstaltung, die lange auf «Solibeiträge» gesetzt haben.

Wohl bekanntestes Beispiel in der Region: das Buskers in Bern. Das Festivalgelände – die Strassen in der Berner Altstadt – sind frei zugänglich. Man kann ohne Weiteres die Musik geniessen, ohne einen Rappen dafür zu zahlen. Die Organisatoren arbeiten mit Bändelis. Für 20 Franken gibts ein Bändeli plus Programmheft. Mit einem «Solibändeli» für 30 Franken kommt man an jeden Festival-Tag gratis ins Buskershaus. Das «Hutgeld» ist die Gage der Künstlerinnen und Künstler.

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In einer Medienmitteilung vom 13. August zur 20-Jahre-Bilanz bezeichnet der Verein Buskers Bern den Bändeliverkauf als «unverzichtbare Einnahmequelle für die Finanzierung des Festivals». 2023 konnten «mit grossem Aufwand» etwas über 22'000 Festivalbändeli mit Programmheften abgesetzt werden. Das entspreche rund zwei Drittel der produzierten Ware. Und rund 5000 weniger als letztes Jahr – trotz neuer Cashless-Zahlmöglichkeit, hervorragendem Wetter und «enormem» Aufwand.

War es beim Buskers je Thema, nicht mehr auf die Bändeli respektive auf freien Zugang zum Festivalgelände zu setzen? Die Frage sei zwar schon aufgeworfen worden, erklärt Festivalleiterin Christine Wyss. Aber: «Die Idee wäre gar nicht praktikabel und würde unserer Philosophie widersprechen.» Schliesslich sei das Buskers eine Non-Profit-Veranstaltung, welche mitten im Wohn- und Gewerbegebiet der Berner Altstadt stattfinde. Jedoch sei man auf den  Bändeli-Verkauf angewiesen, so Wyss. «Wir sind dankbar, dass es immer noch funktioniert. Schliesslich betreiben wir einen enormen Aufwand.»

veröffentlicht: 14. März 2024 05:46
aktualisiert: 14. März 2024 05:46
Quelle: BärnToday

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