Wegen Facebook-Post

Sektenopfer Philip Seibel in Eggiwil verhaftet

23.06.2023, 22:35 Uhr
· Online seit 23.06.2023, 07:54 Uhr
Die eigenen Eltern haben ihn jahrelang misshandelt. In einem Facebook-Post fordert Sektenaussteiger Philip Seibel im Januar Gerechtigkeit: Er wolle nach Deutschland reisen und dafür sorgen, dass seine Eltern «die Gerechtigkeit erhielten, die ihnen zustehe». Dafür wird er verhaftet.

Quelle: TeleBärn

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Philip Seibel wuchs in der Sekte Childern of God auf und erlebte als Kind jahrelangen sexuellen Missbrauch – auch durch seine Eltern. Seine Geschichte machte er im Mai öffentlich. In einem Video, das er diese Woche auf Youtube gestellt hat, berichtet der 43-Jährige, dass er Ende Januar verhaftet worden sei. Der Grund: Ein Facebook-Post, in dem er ankündigte, nach Deutschland reisen zu wollen, um dafür zu sorgen, dass seine Eltern «die Gerechtigkeit erhielten, die ihnen zustehe».

Einen Tag, nachdem er den Post abgesetzt hatte, wurde er in Eggiwil verhaftet. Den Facebook-Post musste jemand also als Bedrohung aufgefasst haben. «Die Worte waren keineswegs als Drohung gemeint oder vorgesehen. Zudem ist Englisch meine Muttersprache und es kann deswegen zu Fehl-Übersetzungen kommen», schreibt Seibel in einem Mail an TeleBärn.

Seibel sei am 27. Januar von Polizisten festgenommen worden. «Auf dem Parkplatz der Arztpraxis wurde ich von circa sechs schwerbewaffneten Polizisten aus dem Auto gezerrt», schildert er das Erlebnis. Man habe ihn erst auf den Polizeiposten in Langnau, dann ins Spital Burgdorf gebracht.

«Sie haben mich gezwungen, ein Gutachten über mich ergehen zu lassen», sagt Seibel im Video. Die Psychiaterin habe aber keine psychische Krankheit und keine von Seibel ausgehende Gefahr für andere feststellen können. Folglich habe der dreifache Familienvater eine Strafanzeige gegen die Polizisten eingereicht.

Offene Rechnung über 600 Franken

Gegenüber den Tamedia-Zeitungen Bund und Berner Zeitung beantwortet weder die Kantonspolizei Bern noch das Spital Burgdorf Fragen zum Ablauf der Festnahme. Die Strafanzeige wurde zwar nicht abgewiesen – die Untersuchung werde allerdings erst dann eröffnet, wenn sich aus der Anzeige «ein hinreichender Tatverdacht ergibt», so die Staatsanwaltschaft. Am 13. Juni wurde laut Seibel ein Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter der Polizei eingeleitet.

Dazu kommen offene Rechnungen: «Auf den Spital- und Arztkosten von über 600 Franken bleibe ich sitzen», sagt der 43-Jährige. Er würde zusätzliche Kosten riskieren, die er sich nicht leisten könne, wenn er sich aktiv am Verfahren beteilige. «Über Monate hinweg rief ich das Spital Burgdorf an, um zu erklären, dass die Behandlung gegen meinen Willen war und ich Anzeige eingereicht habe deswegen. Weder das Spital Burgdorf, noch die Helsana Versicherung waren gewillt, die Rechnungen zu pausieren, also sammeln sich nun Mahngebühren und Betreibungsandrohungen, was wiederum einen Einfluss auf meine Familie und meinen Aufenthaltsstatus hat», sagt Seibel.

Im Nachhinein meint der Sektenaussteiger, er habe sich auf Facebook «etwas ungeschickt» ausgedrückt. Wer ihn bei der Polizei angezeigt hat, ist nicht bekannt.

Im «TalkTäglich» erzählt Philip Seibel Anfangs Juni von den schrecklichen Erlebnissen aus seiner Kindheit:

Quelle: TalkTäglich

(lae)

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veröffentlicht: 23. Juni 2023 07:54
aktualisiert: 23. Juni 2023 22:35
Quelle: BärnToday

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