Energiesparen

Was, wenn der Chef die Büroheizung runterdreht?

24.10.2022, 08:14 Uhr
· Online seit 21.10.2022, 12:47 Uhr
Um Energie zu sparen rät der Bundesrat zu Hause die Heizung um einige Grad zu reduzieren. Doch was, wenn der Arbeitgeber die Bürotemperatur senkt?
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Das Credo des Bundesrats für die drohende Energiekrise ist klar: «Energie ist knapp. Verschwenden wir sie nicht.» In der Ende August lancierten Energiesparkampagne gibt der Bundesrat Tipps, wie unnötige Energieverschwendung vermieden werden soll und Ressourcen gespart werden können.

In allen Bereichen, also Strom, Erdgas, Heizöl, Diesel/Benzin und Holz, ist die Versorgungslage laut Bund aktuell «angespannt». Bei Privathaushalten gehört zu den Top-Spartipps etwa das Herunterdrehen der Heizung. Pro Grad könne so bis zu 10 Prozent Heizenergie gespart werden. Für Unternehmen wird bisher geraten, die Temperatur nachts zu senken und beispielsweise die Betriebszeiten der Lüftung anzupassen.

Senkt das SECO die empfohlenen Temperaturen in Büroräumen?

Das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO empfiehlt in Büros eine Lufttemperatur von 21 bis 23 Grad im Winter. Das könnte sich aber bald ändern. Wie Christian Capacoel Guzmán, Leiter Kommunikation & Kampagnen unia, mitteilt, sei das SECO daran, die Richtlinien zur Temperatur in Büroräumlichkeiten anzupassen. Verpflichtend dürften diese Angaben aber nicht sein: «Diese Richtlinie wird den Unternehmen als Guideline zur Verfügung stehen.»

Welche Rechte haben die Arbeitnehmenden?

Falls ein Unternehmen Anpassungen vornimmt, seien die Arbeitnehmenden beizuziehen, sagt Capacoel Guzmán. «Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben ein Anrecht darauf, dass die Geschäftsleitung ihre Meinung zu allen Aspekten des Gesundheitsschutzes, der Arbeitssicherheit und der Organisation der Arbeitszeit anhört und sich im Gespräch mit ihnen damit auseinandersetzt, bevor Sie einen Entscheid trifft.»

So hätten die Arbeitnehmenden auch Anspruch auf Begründung des Entscheids, wenn ihre Einwände nicht oder nur teilweise berücksichtigt werden.

Sind kalte Büros gesundheitlich bedenklich?

Können kühlere Büroräume zu mehr Erkältungen oder Krankheitsfällen führen? Marco Tackenberg von der Ärztegesellschaft des Kantons Bern gibt Antwort: «Eine Raumtemperatur von 19 Grad wird nicht als übermässige Kälteeinwirkung gewertet. Kälte alleine löst keine Erkältung aus. Dabei handelt es sich in aller Regel um Infektionskrankheiten.» Der Unterschied in der Raumtemperatur von ein bis zwei Grad sei dabei nicht von grosser Bedeutung.

Wie lassen sich Krankheitsfälle am besten vermeiden?

Um Krankheitsfälle zu vermeiden sei es wichtiger, Kontakt mit kranken Personen zu vermeiden und Schutzmasken zu tragen, besonders wenn der Abstand nicht eingehalten werden könne. «Eine grosse Bedeutung kommt auch der konsequenten Handhygiene zu», sagt Marco Tackenberg. Auch seien allgemeine Massnahmen zur Stärkung der Immunabwehr wie gesunde Ernährung, Bewegung und ausreichend Erholung und Schlaf ratsam.

Wenn jemand in einem zu kalten Büro arbeitet, rät die Ärztegesellschaft des Kantons Bern, mit den Vorgesetzen das Gespräch zu suchen und gemeinsam eine Lösung zu finden.

veröffentlicht: 21. Oktober 2022 12:47
aktualisiert: 24. Oktober 2022 08:14
Quelle: BärnToday

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