Stromsparen zu Weihnachten

«Können nicht einfach in der ganzen Stadt Kerzen anzünden»

Raphael Willen, David Kocher, 1. September 2022, 17:48 Uhr
Die unsichere Energielage in der Schweiz hat bereits jetzt erste Auswirkungen auf die Weihnachtssaison. In Biel wird teilweise auf die Beleuchtung verzichtet, in Bern sind kürzere Einschaltdauern ein Thema.
Der Betreiber des Sternenmarkts ist gewillt, seinen Beitrag zur Energieeinsparung zu leisten.
© KEYSTONE/Peter Klaunzer
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Die erwartete knappe Energielage in der Schweiz führt bei Vereinen und Organisationen immer deutlicher zu Planungsunsicherheiten. In Interlaken wird die Eisbahn «Ice Magic» aufgrund der drohenden Strommangellage dieses Jahr ausgesetzt. Unternehmen und Privatpersonen sind angehalten, Energie zu sparen, um eine solche Mangellage zu vermeiden.

Auch in Biel ist ein erster Schritt zum Stromsparen gefällt: Die IG Robert-Walser-Platz hat entschieden, dieses Jahr auf die Weihnachtsbeleuchtung zu verzichten. «Wir sind zum Schluss gekommen, dass es aufgrund des möglichen Strommangels als sichtbares Zeichen das Beste ist, darauf zu verzichten», sagt Daniel Stähli, Präsident der IG Robert-Walser-Platz.

Nur der Bund kann eine Abschaltung anordnen

«Wenn wir Strom sparen wollen, müssen wir auf Dinge verzichten, die nicht zwingend notwendig sind. Eine solche Weihnachtsbeleuchtung braucht Strom und ist nicht unbedingt nötig», erläutert Daniel Stähli. «Mit dem Verzicht leisten wir gemeinsam einen kleinen Beitrag zur Bewältigung der zu erwartenden Stromkrise.»

In Bern wird auch abgeklärt, wie bei Weihnachtsbeleuchtungen Strom eingespart werden kann. «Wir sind mit den Veranstaltern der Weihnachtsmärkte in Kontakt», sagt Reto Nause, Direktor für Sicherheit, Umwelt und Energie der Stadt Bern. «Es sind oft private Veranstalter. Weihnachtsbeleuchtungen verbieten könnten wir ohnehin nur, wenn der Bund eine Strommangellage feststellen und die Abschaltung anordnen würde.»

Beleuchtung ist bereits energiesparend

Die Veranstalter hätten den Ernst der Situation erkannt und seien gewillt, ihren Beitrag zu leisten, um Energie einzusparen. «Aber sie wollen nicht gleich alles schliessen», meint Reto Nause.

Der Beitrag an die gesamte Energieleistung der Stadt, den man bei Beleuchtungen einsparen könne, sei jedoch nicht wahnsinnig gross, so Nause. «Das Absenken der Raumtemperatur in öffentlichen Gebäuden wäre beispielsweise deutlich effektiver, um Energieeinsparungen zu erzielen.»

«Die Beleuchtung in Bern ist LED-betrieben und sehr energiesparend. Wir schauen jetzt aber, ob wir in Sachen Leuchtpunkten und Einschaltdauer der Lichter etwas einsparen können. Wenn wir die Beleuchtung in der Nacht ausschalten würden, könnten wir zum Beispiel etwa 30-40 Prozent der Energie dieser Lichter einsparen», führt Nause aus.

Die Stadt als Vorbild

Es gehe auch um die Sensibilisierung der Leute, Strom zu sparen. Nause erklärt: «Es würde komisch wirken, wenn wir von der Bevölkerung fordern, weniger Strom zu verbrauchen und gleichzeitig die Gassen munter weiter beleuchten.»

Alternativen gebe es nicht wirklich. «Wir können nicht einfach in der ganzen Stadt Kerzen anzünden», sagt Nause und lacht. «Wir wollen nun mit innovativen Wegen und gewissen Einschränkungen Energieersparnisse erzielen. Dann wird es nicht notwendig sein, Angebote in der Weihnachtszeit gänzlich zu streichen.»

Quelle: BärnToday
veröffentlicht: 1. September 2022 17:55
aktualisiert: 1. September 2022 17:55