Nach der Frauen-EM

Mehr Mädchen wollen in Berner Fussballvereine

David Kocher, 4. August 2022, 14:22 Uhr
Beim FC Münsingen und FC Wyler hat die Medienpräsenz der Frauen-Europameisterschaft zu spürbar mehr Interesse geführt. Doch bis zu einem gleichberechtigten Angebot ist es noch ein langer Weg.
Frauen-EM 2022: Lia Wälti im Spiel gegen die Niederlande.
© KEYSTONE/AP Photo/Leila Coker

Die Fussball-Europameisterschaft der Frauen ist Geschichte. Im Finalspiel bezwangen die Engländerinnen die Deutschen mit 2:1. In Deutschland brach die Live-Übertragung Rekorde: Teilweise verfolgten über 20 Millionen Deutsche das Spiel im Wembley-Stadion.

In der Schweiz verfolgten um die 200'000 Zuschauerinnen und Zuschauer die Spiele der Schweizer Nationalmannschaft. Im Vergleich mit den Spielen der Männermannschaft (circa 1,5 Millionen Zuschauer) hinken die Zahlen zwar noch deutlich hinterher. Doch durch die Medienpräsenz wird der Frauenfussball auch in der Region Bern immer beliebter, wie eine Nachfrage bei Fussballvereinen zeigt.

Der FC Münsingen setzt auf regionale Angebote

Beim FC Münsingen verzeichnet man aktuell eine deutliche Zunahme an Mädchen, die sich für die Sportart interessieren, wie Präsident Andreas Zwahlen erklärt. Eine Entwicklung, die ihn sehr erfreut.

Früher habe er selber den Frauenfussball noch etwas belächelt, gibt Andreas Zwahlen zu. Bei den EM-Spielen habe er dann aber gestaunt: «Es war sensationell». Der Präsident des FC Münsingen weiss, dass man beim Thema Frauenfussball Gas geben muss: «Wir haben dort ein riesen Potenzial.»

Die Schweizer Nationalmannschaft an der Frauen-EM hatte eine grosse Strahlkraft – auch auf die Region Bern.

© KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi

Beim FC Münsingen gibt es noch einige Baustellen: Zwischen den gemischten Juniorenteams und der einzigen Aktiv-Frauenmannschaft klaffe eine grosse Lücke, sagt der Präsident des FC Münsingen. Selber mehr Frauenmannschaft aufzubauen sei aktuell aber nicht geplant – dazu würde doch noch die Menge an interessierten Mädchen und Frauen fehlen.

Wichtig sei es aber, dass in der Region ein Angebot für Interessierte besteht: So arbeitet der FC Münsingen mit dem mittelländischen Fussballverband zusammen, damit interessierte Frauen in der Region die Möglichkeit haben, auch nach der Juniorenmannschaft weiterzuspielen, wie beispielsweise beim benachbarten SV Kaufdorf.

Ambitionierte Pläne beim FC Wyler

Ähnlich ist die Situation beim FC Wyler. Auch dort hat das Interesse am Frauenfussball durch die Europameisterschaft zugenommen. Philippe Page, Präsident des FC Wyler, bestätigt, dass sie nach der EM mehr Anfragen für Schnuppertrainings erhalten haben. «Es ist höchst erfreulich, dass das Interesse jetzt da ist», sagt Page.

Nun arbeitet man an Fussballangeboten für jede Altersstufe. Für die Zukunft hat Philippe Page sehr ambitionierte Ziele: «Wir möchten in den nächsten Jahren gleich viele Junge wie Mädchen haben und sportlichen in den gleichen Ligen aufgestellt sein.»

Um das Interesse weiter zu steigern, sieht Philippe Page auch die Vereine in der Verantwortung: «Wenn ein Vereine eine guete ‹Büez› macht und gute Trainerinnen und Trainer hat, dann interessieren sich auch mehr Leute für den Verein. So kann man auch dieser Vision Schritt für Schritt näher kommen.»

Quelle: BärnToday
veröffentlicht: 4. August 2022 07:07
aktualisiert: 4. August 2022 14:22
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