Nach «massivem» Diebstahl

Rüedu-Filiale veröffentlicht unzensierte Überwachungskamera-Bilder

· Online seit 19.10.2022, 17:56 Uhr
Seit rund zwei Wochen werden in der Rüedu-Filiale an der Schwarztorstrasse Lebensmittel entwendet. Die Rüedu AG wehrt sich und veröffentlicht unzensierte Überwachungskamera-Bilder des mutmasslichen Täters. Dies ist rechtlich gesehen nicht unproblematisch.
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Wer zurzeit die Rüedu-Filiale an der Schwarztorstrasse in Bern passiert, wird mit Sicherheit bemerken, dass an der Aussentüre des Selbstbedienungsladens Plakate angebracht sind, welche auf «massiven Diebstahl in den letzten Tagen» hinweisen. Zudem sind Überwachungskamera-Bilder zu sehen, welche den mutmasslichen Täter unzensiert zeigen. Auf den Plakaten rufen die Rüedu-Betreiber dazu auf, Hinweise über die gezeigte Person an die eigenen Kontaktangaben zu senden.

Verletzung der Persönlichkeitsrechte

Doch ist es rechtlich gesehen überhaupt zulässig, Bilder zu veröffentlichen, welche eine Person erkenntlich zeigen? «Uns ist bewusst, dass wir uns in einer Grauzone bewegen. Wir haben uns aber trotzdem dazu entschieden, diese Person zu zeigen und unserer Kundschaft offensiv zu signalisieren, dass wir ein Diebstahl-Problem haben und auf Mithilfe aus der Bevölkerung angewiesen sind», gibt Selina Zeller von der Marketing- und Kommunikationsabteilung der Rüedu AG auf Anfrage von BärnToday bekannt.

Die Kantonspolizei Bern ordnet die Publikation der unzensierten Bilder anders ein: «Insbesondere die Veröffentlichung von Bildern durch Privatpersonen ist kontextbezogen (etwa, wenn die Person auf dem Bild des Diebstahls bezichtigt wird und erkenntlich gemacht wird) nicht gerade unbedenklich, da unter Umständen der Straftatbestand der üblen Nachrede oder eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte (Recht am Bild) gemäss Zivilgesetzbuch im Raum stehen kann», so Isabelle Wüthrich, Mediensprecherin der Kantonspolizei Bern. Es handle sich um ein Antragsdelikt respektive um eine zivilrechtliche Klage, welche von der betroffenen Person angezeigt beziehungsweise eingeklagt werden müsste.

Plakate sollten gegen innen geklebt sein

Die Rüedu AG spricht von «massiven» Diebstahl-Vorfällen, welche in diesem Ausmass noch in keiner anderen Filiale vorgekommen seien. Es sei von blossem Auge sichtbar gewesen, dass jemand seine Taschen gefüllt habe. «Wenn man den Laden betreten hat, sah man in den Regalen Lücken oder beispielsweise den leergeräumten Kühler», gibt Zeller bekannt.

Die Rüedu AG sei deswegen in regelmässigem Kontakt mit der Polizei. «Die Polizei hat uns mitgeteilt, die Bilder sollen gegen innen an die Ladenfenster geklebt werden, so dass sie nur Menschen gesehen werden, welche sich im Laden befinden, nicht aber von Passantinnen oder Passanten.» Stand Mittwoch ist das jedoch noch nicht der Fall. «Da gibt es jetzt natürlich einen Anpassungsprozess, da wir noch nie in einem solchen Ausmass mit Diebstahl konfrontiert wurden.»

Noch immer Diebstähle

Die Plakate an der der Rüedu-Filiale haben bereits zu Hinweisen geführt, erklärt Zeller. «Eingehende Hinweise leiten wir an die Polizei weiter, welche sie weiter verfolgt.»

Trotz der veröffentlichten unzensierten Bilder hätten die Diebstähle noch nicht aufgehört. Sollte die Diebstahl-Serie weitergehen, sieht sich die Rüedu AG gezwungen, Konsequenzen zu ziehen. «Bei weiteren gravierenden Problemen mit Diebstahl werden wir unsere Öffnungszeiten bei einzelnen Filialen anpassen.»

Aktuell sind die Rüedu-Filialen von 6 bis 21 Uhr geöffnet. Das Unternehmen ruft deshalb dazu auf, die Web-App herunterzuladen. Darin können sich interessierte Personen registrieren und den Laden zu jeder Uhrzeit betreten.

veröffentlicht: 19. Oktober 2022 17:56
aktualisiert: 19. Oktober 2022 17:56
Quelle: BärnToday

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