Flüchtlingswelle

Bald kein Platz mehr? Kanton Bern sucht weitere Asyl-Unterkünfte

4. November 2022, 15:40 Uhr
Weil der Zustrom an Asylsuchenden derzeit stark steigt, sucht der Kanton Bern nach zusätzlichen Unterbringungsmöglichkeiten. Die Bundesasylzentren sind komplett ausgelastet, weshalb Asylsuchende auch ohne abgeschlossenes Verfahren bereits an die Kantone überwiesen werden.
Der Kanton Bern sucht mit Hochdruck nach neuen Unterkünften für Asylsuchende. (Archivbild)
© KEYSTONE/GAETAN BALLY
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Der Kanton Bern rechnet damit, dass sich der Zustrom in den nächsten Wochen in etwa verdoppelt. Bis Ende Jahr habe man noch genug Platz, sagt Gundekar Giebel, Leiter Kommunikation der Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion des Kantons Bern. «Wir  müssen uns darauf vorbereiten, dass die Situation ab 2023 wirklich knapp wird.»

Unter den zugewiesenen Personen befinden sich viele unbegleitete Minderjährige, für die eine kindsschutzgerechte Unterbringung und Betreuung nötig sei, wie der Kanton in einer Mitteilung schreibt. Der Kanton Bern sei sehr aktiv bei der Suche nach Unterkünften und werde in den kommenden zwei bis drei Monaten rund 1000 zusätzliche Plätze für die Migrantinnen und Migranten vorbereiten. Dennoch sei dies nicht ausreichend.

In zehn Wochen könnte der Platz ausgehen

«Die Unterkünfte, die wir bis jetzt zur Verfügung stellen konnten, reichen nicht mehr aus», so Gundekar Giebel. «Bis auf den Winter haben wir 1000 Plätze, die wir zur Verfügung stellen können.» Die Auslastung steige aber stetig, statt 40 bis 60 Personen pro Woche kämen aktuell bis zu 100 Personen. «Wenn es bleibt wie heute haben wir in zehn Wochen keinen Platz mehr», sagt Giebel. Dann müsste man Notunterkünfte in Turnhallen oder Zivilschutzanlagen eröffnen.

Unterkünfte, die für geflüchtete Personen aus der Ukraine zur Verfügung stehen, können oftmals nicht oder nur vereinzelt zur Unterbringung von Personen aus anderen Staaten genutzt werden. Das liegt unter anderem an den verschiedenen Asylverfahren: «Personen mit dem Schutzstatus S könnten sich ganz anders bewegen als Asylsuchende, welche den ganzen Asylprozess durchlaufen müssen», so Giebel. Auch die Immobilien können oft nicht frei verwendet werden: «Es gibt Vermieter, die ihre Unterkünfte fix an Geflüchtete aus der Ukraine gebunden haben. Mit denen werden wir Kontakt aufnehmen und schauen, ob wir diese auch für andere öffnen können.»

Kanton sucht nach weiteren Kollektivunterkünften

Daher ist der Kanton auf der Suche nach weiteren Gebäuden, die als Kollektivunterkünfte genutzt werden können. Interessant seien für den Kanton Objekte ab etwa 40 Betten, erklärt Gundekar Giebel. So kämen beispielsweise Restaurants oder Gasthöfe in Frage, welche leer stehen oder in die Wintersaison gehen würden. Auch Clubhäuser von Vereinen würde man in Betracht ziehen.

Diese Entwicklung werde die Gesellschaft auch in anderen Bereichen wie etwa den Schulen und dem Gesundheitswesen stark betreffen, so der Kanton. «Bei der neuen Asylwelle gibt es sehr viele unbegleitete Minderjährige, die in das Schulsystem einsteigen werden», erklärt Giebel. Es gebe hier eine Belastung auf das ganze System, wie es das schon lange nicht mehr gab.

(sda/fho/dak)

Quelle: BärnToday
veröffentlicht: 4. November 2022 18:59
aktualisiert: 4. November 2022 18:59