Klettersport

Bern im «Boulder-Rausch»: Wie viele Hallen sind genug?

20.03.2024, 12:54 Uhr
· Online seit 20.03.2024, 12:53 Uhr
Wer in Bern Bouldern oder Klettern will, dem stehen verschiedenste Hallen zur Auswahl. So wurde kürzlich ein ehemaliges Hallenbad zur Boulderhalle umfunktioniert und nun ein Fitnesscenter. Doch braucht es wirklich so viele Boulderhallen?
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O'bloc in Ostermundigen, das Muubeeri mitten in Bern, Magnet in Niederwangen oder im Bimano nahe Ostermundigen: Das Boulderangebot in und um Bern ist gross. Nun soll auch noch das Unik Training, mit Standort neben dem Bimano, zur Boulderhalle umgebaut werden.

Laut dem Betreiber des Bimano, Ramon Trachsel, soll mit dem Umbau mehr Platz für Kurse geschaffen und der Trainingsbereich erweitert werden. Obwohl es noch «keine definitiven Pläne» gebe, ist klar, dass die Wand, die das Fitnesscenter und die Boulderhalle heute noch trennt, herausgerissen wird.

«Wir glauben an den Boom»

Durchschnittlich bouldern täglich zwischen 150 und 200 Personen im Bimano. Nach der Eröffnung des «Boulder-Bad» im ehemaligen Schwimmbad Muubeeri seien «kurzzeitig» weniger Leute ins Bimano gekommen.

Die Konkurrenz habe man gespürt. Trotzdem wolle man auf der Trendwelle weiterreiten: «Wir würden nicht erweitern, wenn wir nicht an einen anhaltenden Boom glauben», sagt Ramon Trachsel.

Mehr Angebote, mehr Menschen

Ähnlich tönt es bei O'bloc in Ostermundigen. Obwohl mit der Erweiterung des Bimanos der Konkurrenzkampf zwischen den Anbietern angeheizt wird, sei man optimistisch. «Wir hoffen, dass durch mehr Angebote auch mehr Menschen fürs Bouldern motiviert werden», sagt Christian Tschudi, Geschäftsführer von O'bloc.

Die beiden Kletterhallen, die rund ein Kilometer Luftlinie auseinander liegen, unterscheiden sich hinsichtlich des Klientel. Während O'bloc auf Seilklettern setzt, stehe im Bimano eher Bouldern im Zentrum. «Wir ergänzen einander und das ist auch toll so», meint Tschudi.

Der Markt ist noch nicht gesättigt

Und tatsächlich: Es scheint so, als wäre die «Kletter-Lust» in Bern noch nicht gestillt. «Nicht nur in Bern, auch anderswo in der Schweiz spielt der Markt», bestätigt Benjamin Jordi, Geschäftsführer vom Verband der Schweizer Boulder- und Kletteranlagen VSBK.

Er geht davon aus, dass die Kundschaft in den Hallen weiterhin zunehmen wird. Nicht zuletzt deshalb, da man fürs Bouldern nur wenige Vorkenntnisse und eine kleine Ausrüstung braucht: «Sehen Sie sich einmal abends oder an einem verregneten Feiertag in einer Anlage um. Dann verstehen Sie, wieso neue Angebote entstehen.» Das Wachstum werde sich aber in Zukunft etwas verlangsamen, prognostiziert Jordi.

Ist Bern die «boulderfreundlichste» Stadt?

Auch Urs Stöcker, Ressortleiter Leistungssport beim Schweizer Alpen Club SAC, meint, dass Bern eine weitere Boulderhalle «vertrage». So gebe es in der Agglomeration von Zürich ungefähr zehn Boulderhallen für eine Million Leute, in Tokio 140 Angebote für rund 15 Millionen Menschen. «Ausserdem sind die Menschen in Bern ‹naturverbundener› als in Zürich und Tokio», meint Urs Stöcker.

Bereits vor rund 25 Jahren berichtete der SAC über das «Boulderfieber» in Bern. Damals fehlte noch die Hallen, deshalb erklommen die Kletterfanatiker Wände und Mauern in der Altstadt – eine rechtliche «Grauzone». Ein beliebter Boulderort in der Stadt sind beispielsweise die Stützmauern der Kirchenfeldbrücke.

Seither entwickelte sich Bern wohl zu «boulderfreundlichsten» Stadt in der Schweiz, fasst Urs Stöcker zusammen.

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veröffentlicht: 20. März 2024 12:53
aktualisiert: 20. März 2024 12:54
Quelle: BärnToday

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