Elfbars angepriesen

Berner Shop wirbt illegal für Wegwerf-E-Zigis

Bettina Zanni, 18. Januar 2023, 14:59 Uhr
Die Polizei rückte am Mittwochmorgen in einem Shop in der Berner Innenstadt an. Der Betreiber hatte trotz Verbot auf einem Plakat für Einweg-E-Zigaretten geworben.
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Die farbigen Einweg-E-Zigaretten sind bei Jugendlichen derzeit besonders beliebt. Ayhan Atav bietet in seinem Schuh- und Schlüsselservice «Cetin» in der Schweizerhof-Passage deshalb auch Elfbars an. «Ich dachte mir, dass ich damit Zusatzeinnahmen generieren könnte», berichtet er. Doch wider Erwarten sei das Geschäft nicht gut gelaufen.

Um den Verkauf anzukurbeln, stellte Atav vor zwei Wochen in der Nähe seines Shops einen Klappwerbeständer auf. Darauf prangt ein blauer Elfbar mit verschiedenen frischen Erdbeeren im Hintergrund. Mit «25 verschiedene Aromen» wirbt der Schuh- und Schlüsselservice für die Produkte. Doch mit dem Werbeplakat ist nach einer Recherche der Today-Zentralredaktion jetzt Schluss.

«Musste Plakat sofort entfernen»

Am Mittwochvormittag rückte bei «Cetin» die Orts- und Gewerbepolizei der Stadt Bern an. «Ich musste das Plakat sofort entfernen», sagt Ayhan Atav. Dies habe er auch getan. Ansonsten hätte die Polizei bei der Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet, sagt Atav.

Im Kanton Bern gilt ein besonders strenges Werbeverbot für Tabakprodukte und E-Zigaretten. Vom öffentlichen Raum einsehbare Plakate mit entsprechender Werbung sind verboten. «Ich wusste vom Verbot nichts», behauptet der Shop-Betreiber. Die Produkte werde er wahrscheinlich aus dem Sortiment nehmen. «Auch mit dem Plakat ist die Nachfrage nach den Elfbars sowieso kaum gestiegen.»

Tabakprävention kritisiert Werbung

Die Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz kritisierte das Angebot in einem Tweet kürzlich. Sie störte sich daran, dass auch ein Schuh- und Schlüsselservice Elfbars verkauft. «Laut Branche verkaufen nur ‹Expert:innen› E-Zigaretten (inkl. Beratung) und nur mit dem Ziel, Raucheri:innen weg von der Zigarette zu bekommen», schrieb die Arbeitsgemeinschaft. Wenn der Bund das Tabakproduktegesetz wie vom Volk beschlossen umsetze, sei solche Werbung bald verboten.

Im Oktober verabschiedete das Parlament das neue Bundesgesetz über Tabakprodukte und elektronische Zigaretten. Tabakwerbung soll demnach unter anderem auf Plakaten verboten werden.

Im Gespräch mit der Today-Zentralredaktion vermutete Wolfgang Kweitel, Kommunikationsmanager Politik bei der Arbeitsgemeinschaft, dass die Elfbar-Werbung im Kanton Bern jetzt schon illegal ist.

Intervention angekündigt

Die Orts- und Gewerbepolizei der Stadt Bern bestätigte danach, dass es verboten sei, diese Art elektronischen Geräte ohne Tabak zu bewerben.

Norbert Esseiva, Leiter Orts- und Gewerbepolizei der Stadt Bern, kündigte darauf an, beim Shop-Betreiber zu intervenieren und die sofortige Entfernung des Plakates anzuordnen. «Sollte das Plakat nicht wie angeordnet entfernt werden, wird der Verursacher/in bei der Staatsanwaltschaft zur Anzeige gebracht.»

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 18. Januar 2023 14:05
aktualisiert: 18. Januar 2023 14:59