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Stadt Bern

Nach diesen Frauen sind Berns Strassen benannt

Gertrud Woker, Anna Seiler & Co.

Nach diesen Frauen sind Berns Strassen benannt

· Online seit 08.03.2023, 17:46 Uhr
Nur ein Bruchteil der Strassen in der Stadt Bern ist nach Frauen benannt. Die Stadt hat sich 2019 vorgenommen, dies zu ändern. Die Umsetzung geht aber langsam voran. Es gibt trotzdem bereits einige Strassen, die nach Frauen benannt sind.
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Guisanplatz, Zähringerstrasse, Muraltweg und viele andere: Wer durch Bern läuft, kommt an vielen Strassen vorbei, die nach bekannten Persönlichkeiten benannt sind. Laut der Website «equalstreetnames.eu» sind in Bern von 908 Strassen 169 nach einer Person benannt.

Was dabei auffällt ist, dass von diesen 169 Strassen nur 26 nach Frauen benannt sind. Das sind nicht einmal 16 Prozent. Darunter finden wir etwa die Getrud-Woker-Strasse oder den Barbara-Lischetti-Platz.

Die Stadt Bern ist sich des Problems bewusst. Regula Bühlmann (GB) forderte in einer Motion im Stadtrat deshalb, dass in der Stadt Bern keine Strassen mehr nach Männern benannt werden sollen, solange nicht mindestens 50 Prozent der Strassen nach Frauen benannt sind. Damit stiess sie auf viel Zustimmung, weshalb die Stadt bei der Strassenbenennung nun Frauen bevorzugt. So etwa in der neuen Überbauung im Viererfeld/Mittelfeld, über die am nächsten Sonntag abgestimmt wird.

Wir haben einige Strassen gesucht, die schon heute nach Frauen benannt sind. Das sind die Geschichten dahinter:

Barbara-Lischetti-Platz

Der Platz befindet sich gleich vor dem Gebäude Uni Mittelstrasse der Universität Bern. Die 2003 verstorbene Barbara Lischetti (1954-2003) war «als Juristin in verschiedenen Funktionen an der Universität Bern tätig und eine engagierte Kämpferin für die Geschlechtergleichstellung an der Hochschule», wie die Stadt Bern auf ihrer Website schreibt.

Die Universität Bern verleiht sogar alle zwei Jahre den Barbara-Lischetti-Preis, damit wird jeweils eine «hervorragende Dissertation ausgezeichnet», in der ein Thema der Geschlechterforschung behandelt oder ein entsprechender Ansatz verwendet wird, wie die Universität schreibt.

Tumarkinweg

Ebenfalls in der Nähe eines Uni-Gebäudes, dieses Mal des Hauptgebäudes, befindet sich ein Weg, der nach Anna Tumarkin (1875-1951) benannt ist. Tumarkin kam mit 17 Jahren aus Russland nach Bern, wo sie an der Universität studierte. Nach einem dreijährigen Aufenthalt in Berlin kam sie für ihr Doktorat zurück nach Bern. Neben verschiedener anderer Verdienste wurde sie zur ersten Professorin Europas, welche die vollen Rechte besass, im Senat Einsitz zu nehmen und Doktoranden sowie Habilitanden zu prüfen.

Der Tumarkinweg führt heute am ehemaligen Vortragszimmer von Anna Tumarkin vorbei.

Jennerweg

In unmittelbarer Nähe des Inselspitals befindet sich der Jennerweg. Dies ist kein Zufall: Julie von Jenner (1787 bis 1860) rief 1958 eine Stiftung ins Leben, mit dem Zweck, ein Spital für die Pflege kranker Kinder zu errichten. Dieses entstand zu Beginn an der Gerechtigkeitsgasse, wurde aber später in ein Gebäude südlich des Inselspitals verschoben. 2022 wurde das Gebäude der Kinderklinik ausserdem zum «Julie-von-Jenner-Haus» umbenannt.

Seilerstrasse

Auch Anna Seiler (1348-1360) ist eng mit dem Inselspital verbunden: Sie gilt als Stifterin des Spitals. Dieses sollte zu Beginn dreizehn bettlägerigen Personen helfen. Besonders für die damalige Zeit war, dass Leute wieder entlassen werden sollten, sobald sie gesund waren. Damals war es nämlich üblich, dass ein Krankenhaus auch als Armenhaus oder als Unterkunft für Pilgerinnen und Pilger diente.

Im 19. Jahrhundert wurde ausserdem ein Brunnen in der Marktgasse nach Anna Seiler benannt.

Gertrud-Woker-Strasse

Die Frauenrechtlerin, Chemikerin und Friedensaktivistin Gertrud Woker (1878-1968) studierte Organische Chemie in Bern und wurde die erste Privatdozentin für Chemie an einer Schweizer Hochschule. Ausserdem hatte sie eine wichtige Rolle bei der Weiterentwicklung von Benzin: Sie wies auf die Giftigkeit von bleihaltigem Benzin hin und gab Vorschläge zur Herstellung von bleifreiem Benzin.

Seit dem Ersten Weltkrieg setzte sie sich ausserdem gegen den Krieg ein, auch gegen den Einsatz von Giftgas, ein Thema, zu dem sie Flugblätter in zahlreichen Auflagen veröffentlichte. Nicht nur Bern, auch Düsseldorf hat eine Strasse nach ihr benannt. In Bern befindet sich die nach ihr benannte Strasse in der Länggasse.

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veröffentlicht: 8. März 2023 17:46
aktualisiert: 8. März 2023 17:46
Quelle: BärnToday

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