«auawirleben»

Organisatoren überzeugt: «Man muss nicht wahnsinnig angefressen vom Theater sein»

11.05.2023, 15:13 Uhr
· Online seit 11.05.2023, 15:07 Uhr
Das Berner Theaterfestival «auawirleben» hat eine lange Tradition und findet aktuell zum 41. Mal statt. Die Organisatoren haben ein Jahr lang an der erneuten Ausführung gearbeitet und freuen sich auf ein buntes Programm in der grossen Halle der Reitschule – unter dem Motto «birth right».
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Das Thema Geburt steht im Zentrum des diesjährigen Festivals «auawirleben». Die Geburt ist etwas, was alle Menschen gemeinsam haben. «Jeder kommt als kleines Baby auf die Welt, welches sich weder etwas zu Schaden hat kommen lassen, noch sich bisher irgendwie auszeichnen konnte», sagt Isabelle Jakob, Kommunikationsverantwortliche von «auawirleben». Gleich nach der Geburt aber würden von der Gesellschaft Weichen gestellt, die uns fortan voneinander unterscheiden. Es werde schubladisiert, abgestempelt und zugeschrieben. Es würden Chancen, Erwartungen, Privilegien und Diskriminierungen auf uns nieder prasseln und den Rest des Lebens würden wir schliesslich damit verbringen, mit alldem umzugehen.

In den Produktionen rund um das Theaterfestival «auawirleben» geht es deshalb um «Herkunft, Identität, Selbstbestärkung, unterschiedliche Perspektiven auf die Welt und vor allem um Menschlichkeit».

Philosophisches Bällchenbad und Queereoké

Es sei das wahrscheinlich diverseste und diskriminierungssensibelste Programm, das es am «auawirleben» je gegeben hat, so Jakob. «Die Vorfreude ist riesig. Wir haben ein Jahr daraufhin gearbeitet und es ist einfach nur schön, wenn es jetzt endlich losgeht.» Man müsse nicht wahnsinnig angefressen vom Theater sein, um das Festival zu besuchen. Es gebe auch Musik, DJs und Getränke- und Essensstände.

Ein Programmhighlight beispielsweise sei Queereoké. Bei dieser queeren Karaoke-Show müsse man nicht gut singen können, wichtiger sei es, dass man sich auf der Bühne stark fühle. «Das Schauspiel ist ein diskriminierungsfreier Ort fürs queere und queerfriendly Publikum der Stadt Bern», betont Isabelle Jakob. Wolle man nicht singen, könne man bei der Show der Menschen aus Hamburg und Berlin auch einfach zuhören und mittanzen.

Auf eine Installation freuen sich die Macher von «auswirleben» ganz besonders: auf das philosophische Bällchenbad «Le Thermes». Ein grosser Holzpool gefüllt mit 25'000 Plastikbällchen lädt zum moralischen Bad ein – auf den Bällchen befinden sich Sätze der Stoiker, über welche sich die Besucherinnen und Besucher unterhalten können. «Hungrig bleiben», «Liebe, was dir widerfährt» oder «Lass den Mut nicht sinken» sind alles Sätze, die ein Gespräch in Gang bringen könnten – wenn dies denn von Nöten ist. «Man kann sich auch einfach über das Leben austauschen und verweilen», so Isabelle Jakob.

«Keine einfache Zeit fürs Theater»

Die Organisatoren freuen sich, wenn sich die Künstlerinnen und Künstler in Bern wohl fühlen und das Publikum «eine gute Zeit hat». Denn es seien keine einfachen, aber spannenden Zeiten für das Theater. Einerseits klettern die Publikumszahlen nicht mehr auf den Stand von vor der Corona-Pandemie. Andererseits werde von verschiedensten Zeiten immer wieder daraufhin gewiesen, dass die zeitgenössischen Theater «zu woke» seien und dass man zu viel auf Minderheiten eingehe. «Aber genau das ist uns Organisatoren eben wichtig, dass in dieser Gesellschaft alle Menschen Platz haben und zu Wort kommen.»

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veröffentlicht: 11. Mai 2023 15:07
aktualisiert: 11. Mai 2023 15:13
Quelle: BärnToday

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