Angepasste Wildtiere

«Stadtfüchse haben eine kürzere Schnauze, da sie nicht mehr so viele Mäuse jagen»

23.05.2023, 17:24 Uhr
· Online seit 23.05.2023, 17:05 Uhr
Ein abendlicher Spaziergang durch die Stadt – plötzlich leuchtet einem ein Augenpaar unter einem Auto entgegen. Ist es nur eine Katze? Es könnte aber auch ein Marder, ein Fuchs oder ein Dachs sein. Dies wäre keine Überraschung, denn Wildtiere haben sich in der Stadt Bern breit gemacht.
Anzeige

Wildtiere mitten in der Stadt Bern? Tönt zwar speziell, ist aber schon länger Realität und auch keine Seltenheit. Laut «Stadtwildtiere Schweiz» leben im städtischen Raum rund die Hälfte aller 90 Säugetierarten, die es hierzulande gibt. Triffst du also bei deinem abendlichen Spaziergang auf einen Fuchs, dann hat sich dieser nicht verlaufen. «Für viele Wildtierarten ist die Stadt ihr Lebensraum», bestätigt Katja Rauchenstein, Wildtierbiologin von «Stadtwildtiere Schweiz».

«Der Fuchs war früher hauptsächlich im Wald oder in ländlichen Gebieten unterwegs. Seit Ende des 20. Jahrhunderts kam er immer mehr in die Städte», erklärt Rauchenstein. Heute vermischen sich laut der Wildtierbiologin die Stadtfüchse kaum noch mit den Landfüchsen und man kann mittlerweile sogar Unterschiede im Aussehen und im Verhalten feststellen. «Stadtfüchse haben eine kürzere Schnauze, da sie nicht mehr so viele Mäuse jagen.»

Die Bewohnerinnen und Bewohner von Bern treffen oft auf Wildtiere – praktisch täglich erhält die Stadt Bern Nachrichten, sagt Sabine Tschäppeler, Leiterin Fachstelle Natur und Ökologie. «Bei vielen Meldungen können wir Tipps geben, welche Bedeutung die Beobachtung hat und wie man die Art unterstützen kann. Meldungen zu kranken, verletzten oder toten Tieren leiten wir dem Wildhüter weiter. Auch wenn es Probleme mit Füchsen und anderen Säugetieren gibt.»

«Heute leben mehr Igel im Siedlungsgebiet als im ländlichen Raum»

Die Stadt bietet verschiedensten Tieren zwar einen geeigneten Lebensraum, trotzdem gibt es viele Risiken, wie beispielsweise der Strassenverkehr oder «Barrieren». «Überall hat es Zäune und Mauern, die das Durchkommen für kleine Wildtiere, wie Igel oder Amphibien, erschweren. Oft fehlen Möglichkeiten zum Verstecken wie Büsche und Hecken», so Rauchenstein. Und Gärten, welche monotone Rasenflächen und nur exotische Sträucher oder Steingärten beinhalten, würden Wildtieren keine Nahrung bieten und seien als Lebensraum ungünstig. «Ausserdem kann es zu Konflikten mit Menschen kommen, wenn Tiere bedrängt oder anderweitig gestört werden.»

Du willst keine News mehr verpassen? Hol dir jetzt die Today-App:

Auch Igel leben in und nahe von Städten, weil sie hier einfacher ein Zuhause finden. Igel benötigen Wiesen und Heckenlandschaften. Durch die intensive Landwirtschaft wurden sie laut Rauchenstein immer mehr aus dem ländlichen Raum verdrängt und fanden im Siedlungsraum in Gärten und Parkanlagen einen passenden Lebensraum. «Heute leben mehr Igel im Siedlungsgebiet als im ländlichen Raum. Auch Wildbienen kommen teilweise häufiger in Städten vor als im ländlichen Raum, da in Städten das Blütenangebot mittlerweile teilweise grösser ist.»

Lebensraum für Wildtiere verbessern

Da in der Stadt also viele Tiere ihr zu Hause gefunden haben, sei es wichtig, ihnen im Siedlungsraum auch passenden Lebensraum zur Verfügung zu stellen. Das sei schon im kleinen Rahmen möglich, wie beispielsweise mit einem Asthaufen im Garten, einem Wildblumentopf auf dem Balkon, einem Loch im Zaun, um dem Igel den Zugang zu erleichtern.

Doch welche Tiere genau leben denn jetzt in der Nachbarschaft? «Es lohnt sich, in der Nacht durch die Stadt zu gehen und Ausschau nach Wildtieren zu halten. Mit etwas Glück kann man vieles antreffen: Füchse, Dachse, Igel, Fledermäuse, ja sogar Glühwürmchen.» Dabei sollten die Tiere aber nicht bedrängt, sondern aus genügend Distanz beobachtet werden.

veröffentlicht: 23. Mai 2023 17:05
aktualisiert: 23. Mai 2023 17:24
Quelle: BärnToday

Anzeige
baerntoday@chmedia.ch