Insel Gruppe mit Mega-Verlust

Verwaltungsratspräsident Pulver: «Müssen ökonomisch besser werden»

· Online seit 14.03.2024, 15:43 Uhr
Die Insel Gruppe hat im Jahr 2023 einen Konzernverlust von 112,7 Millionen Franken geschrieben. Im Interview erzählt Verwaltungsratspräsident Bernhard Pulver, was zu den roten Zahlen geführt hat, wie er das Jahr 2023 erlebt hat und welchen Einfluss die Schliessung der Spitäler Tiefenau und Münsingen auf das Konzernsergebnis hatte.
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BärnToday: Bernhard Pulver, wie erlebten Sie als Verwaltungsratspräsident der Insel Gruppe das Jahr 2023?

Bernhard Pulver: Es war ein sehr zwiespältiges Jahr. Auf der einen Seite war 2023 sehr erfreulich, weil wir unser neues Hauptgebäude eröffnen konnten. Ich bin stolz darauf, dass wir diesen ohne Kostenüberschreitungen und ohne Verzögerung über die Bühne gebracht haben.

Gleichzeitig haben wir Verluste geschrieben – mehr als im Jahr zuvor. Mit der Schliessung der Spitäler Münsingen und Tiefenau haben wir sehr schwierige Massnahmen ergriffen. Gleichzeitig herrscht Fachkräftemangel. Da merken wir, dass das ein riesiges Thema ist. Insbesondere im Bereich der Pflege sind grosse Massnahmen nötig.

Wie ist das negative Geschäftsergebnis entstanden?

Im Vergleich zum Jahr vorher gab es Zusatzkosten, die für uns gar nicht veränderbar waren. Zum einen die Teuerung, aber auch die Stromkosten, welche um 18 Millionen Franken gestiegen sind. Dazu kommen zwingende Lohnmassnahmen: Wir mussten unserem Personal die Teuerung zahlen, das hat etwa 25 Millionen Franken ausgemacht. Diese Punkte haben dazu geführt, dass unser Verlust grösser wurde als im Jahr vorher.

Gleichzeitig haben wir Massnahmen dagegen ergriffen. Wir haben stark gebremst. Darum bin ich froh, dass wir den Verlust bei 112 Millionen Franken begrenzen konnten. Wegen der Einrichtung des neuen Hauptgebäudes hatten wir mit einem gewissen Verlust gerechnet – aber er wurde grösser als gewollt. Nun möchten wir die Verluste in den nächsten Jahren wieder massiv verkleinern.

Wie wirkt sich die Schliessung von Münsingen und Tiefenau das Geschäftsergebnis aus?

Ökonomisch wird sich das erst im nächsten Jahr auswirken, also ab 2024 und im nächsten Jahr. Letztes Jahr haben uns die Schliessungen zusätzliche Kosten gebracht: Wir haben Patienten verloren, einen Sozialplan gehabt und mussten die Mitarbeitenden an andere Orte verschieben, das hat alles Zusatzkosten ausgelöst.

In Zukunft werden wir mit dem Schliessungsentscheid das erreichen, was wir wollten. Unser Personal soll an den Standorten, die wir haben, konzentriert werden. So könnten wir auch wieder mehr Betten betreiben. Die grosse Mehrheit, etwa 70 Prozent des Pflegepersonals, hat an einen anderen Standort gewechselt. Das ermöglicht uns, mehr Patientinnen und Patienten zu versorgen. Die Auswirkungen der Schliessungen werden sich aber erst im Laufe der Zeit spürbar.

Welchen Einfluss hatten die neuen Insel-Gebäude?

Das war ein grosser Aufsteller. Ich habe vor einem Jahr noch nicht mit Sicherheit sagen können, ob das wirklich fristgerecht kommt. Aber dieser Umzug ist perfekt abgelaufen. Ich glaube, das hat vielen ein bisschen Antrieb gegeben. Aber es ist ein gutes Gebäude. Natürlich hat es noch seine Kinderkrankheiten. Aber zusammen mit dem neuen Informatik- und Kliniksystem werden wir unsere Abläufe noch verbessern können.

So berichete TeleBärn im September über das Umzugswochenende des Insel Spitals:

Quelle: TeleBärn News vom 18. September 2023

Konkret: Was soll 2024 besser werden?

Wir haben verschiedene Ziele für dieses Jahr. Mithilfe des neuen Kliniksystems wollen wir unter anderem unsere Patientenströme verbessern. Wir müssen ökonomisch besser werden und auch wieder unsere Leistungen erbringen, die wir für diesen Kanton übernommen haben.

Unser Problem ist, dass wir weniger Patienten versorgen als noch vor der Pandemie. Es ist unser Hauptziel, dass wir die Organisation in diesem Jahr so aufstellen, dass wir wieder unsere Leistungen bringen können.

(lae)

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veröffentlicht: 14. März 2024 15:43
aktualisiert: 14. März 2024 15:43
Quelle: BärnToday

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