Drohende Energiekrise

Was tun Spitäler, Schulen und Firmen bei Strommangel?

Salome Studer, 21. August 2022, 20:40 Uhr
Die der Schweiz drohende Stromkrise ist in aller Munde. So wollen in Bern die Bedag, die Universität und das Inselspital darauf reagieren.
Kein Strom: Haben Berner Unternehmen und Institutionen eine Lösung?
© KEYSTONE/DPA/Philipp von Ditfurth

Der Schweiz drohen im kommenden Winter Stromengpässe. Gar das stundenweise Abschalten des Stroms im Winter steht zur Diskussion.

Die Stromkrise beschäftigt derzeit viele Schweizerinnen und Schweizer. Auch Berner Unternehmen, Spitäler und Bildungsinstitutionen befassen sich damit. Aktuell insbesondere mit den hohen Strom- und Gaspreisen.

Beschränkte Handlungsmöglichkeiten: Experimente verschieben

«Sie sprengen unser Budget in diesem Bereich», sagt Markus Brönimann, der Verwaltungsdirektor der Universität Bern. Die Energiekosten würden jedoch lediglich rund ein Prozent der Gesamtkosten betragen.

Die Verantwortlichen der Universität Bern machen sich derzeit Gedanken, wie sie in einer allfälligen Notlage vorgehen würden und wie sie künftig Energie sparen könnten. Die Handlungsmöglichkeiten seien aus heutiger Sicht jedoch beschränkt.

Der Lehrbetrieb brauche zwar nicht viel Strom. In der Forschung sei man aber auf Energie angewiesen – beispielsweise um Proben in Kühlschränken zu lagern. Bei Strommangel müsste man in der Forschung zudem priorisieren und entscheiden, welche Experimente noch durchgeführt würden, so Markus Brönimann.

Dreifache Stromkosten, aber Notstromaggregat

Dass die Stromkosten massiv angestiegen sind, spürt auch der Berner Informatikdienstleister Bedag: Das Unternehmen zahlt aktuell bis zu dreimal mehr für Strom als in früheren Jahren.

Würde das Stromnetz einige Tage nicht funktionieren, wäre die Bedag gut vorbereitet: «Wir könnten uns selber über Notstromaggregate versorgen und sogar einen Teil ins öffentliche Netz einspeisen», so Fred Wenger, der Geschäftsführer der Bedag.

Grössere Probleme hätte die Bedag dann, wenn sie beispielsweise während zwei Monaten nur noch 80 Prozent des Stroms beziehen könnte, sagt der Geschäftsführer. «Darauf wären wir noch nicht vorbereitet.» Bestimmte Serversysteme müssten dann wohl heruntergefahren werden.

Das Worst-Case-Szenario würde für den Informatikdienstleister Bedag dann eintreten, wenn er – zusätzlich zur Rationierung des Stroms – für die Notstromaggregate kein Heizöl oder Diesel mehr kaufen könnte.

Keine Leistungsreduzierungen für Patientinnen und Patienten

Auch die Insel Gruppe verfügt über Notstromaggregate, die in Notlagen eingesetzt werden könnten, um den Spitalbetrieb sicherzustellen.

Bei einer länger anhaltenden Strommangellage könne davon ausgegangen werden, dass die kritische Infrastruktur – unter anderem Spitäler – priorisiert würde, sagt Abel Müller-Hübenthal, der Direktor Immobilien und Betrieb der Insel Gruppe. Demnach sollte es zu keinen nennenswerten Leistungsreduzierungen in der Versorgung von Patientinnen und Patienten kommen.

Die Insel Gruppe verfügt über einen Plan mit verschiedenen Notfallszenarien. Sollte es nötig sein, würde der Verbrauch zuerst in den Bereichen reduziert, die für den klinischen Bereich nicht kritisch sind. Dass der Betrieb eingeschränkt würde und Personen verlegt werden müssten, sei eher unwahrscheinlich, so Abel Müller-Hübenthal.

Wie für die Universität Bern und den Informatikdienstleister Bedag steigen die Stromkosten auch für die Insel Gruppe stark an: Gemäss Abel Müller-Hübenthal werden sie sich mehr als verdoppeln. «Damit erhöht sich der ohnehin bestehende Kostendruck in den Spitälern weiter.»

Quelle: BärnToday
veröffentlicht: 22. August 2022 06:00
aktualisiert: 22. August 2022 06:00
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