Nachfrage eingebrochen

Maschinenhersteller Rieter baut 900 Stellen ab – 100 in Winterthur

20.10.2023, 10:38 Uhr
· Online seit 20.10.2023, 07:22 Uhr
Der Spinnereimaschinenhersteller Rieter hatte im Juli einen umfangreichen Abbau von Arbeitsplätzen angekündigt. Nun sollen, wie ebenfalls in Aussicht gestellt, deutlich mehr Stellen abgebaut werden. Grund ist die nach wie vor schlechte Auftragslage.

Quelle: Massenentlassungen bei Rieter und Arbonia / Beitrag vom 20. Juli 2023 / TeleZüri

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Rieter brechen die Aufträge weg und der Spinnereimaschinenhersteller greift zum Sparhammer. Bereits im Juli hatte Rieter einen umfangreichen Stellenabbau angekündigt. Nun sollen, wie damals ebenfalls in Aussicht gestellt, noch mehr Arbeitsplätze verloren gehen.

Bereits im Juli wurde Abbau von 300 Stellen angekündigt

Beim Winterthurer Konzern werden somit insgesamt bis zu 900 Stellen gestrichen. Im Juli wurde der Abbau von rund 300 Stellen vor allem in verwaltenden Overhead-Funktionen in Winterthur und Ingolstadt mit dem Verweis kommuniziert, dass 400 bis 600 weitere abgebaut werden könnten. Mitte Jahr beschäftigte Rieter weltweit 5555 Mitarbeitende.

Mit dem im Juli lancierten Performance-Programm «Next Level» sei man auf Kurs, schrieb Rieter weiter. Die Konsultation mit den Arbeitnehmervertretungen in Winterthur und Ingolstadt seien abgeschlossen und ein Grossteil des dortigen Stellenabbaus werde bis Ende Jahr durchgeführt. Das Ziel des Programms sei es, den Konzern für die Zukunft profitabel aufzustellen.

Nachfrage nach neuen Maschinen eingebrochen

Und das ist bitter nötig, denn die Auftragslage von Rieter bleibt äusserst schwach: In den ersten neun Monaten nahm der Umsatz zwar um 11 Prozent auf 1,09 Milliarden Franken zu, der Auftragseingang brach hingegen um 59 Prozent auf 452,2 Millionen Franken ein. Analysten hatten mit einem weniger deutlichen Rückgang gerechnet.

Vor allem die Nachfrage nach neuen Maschinen sei bis auf China weltweit eingebrochen, während sich das Geschäft mit Komponenten und Ersatzteilen aufgrund der nachlassenden Auslastungen in Spinnereien ebenfalls abgeschwächt habe, hiess es weiter. Eine zusätzliche Belastung seien die steigenden Zinsen und hohen Energie- und Rohmaterialkosten.

Im dritten Quartal allein gingen die Bestellungen um 44 Prozent auf 127,2 Millionen Franken zurück. Rieter geht davon aus, dass die Talsohle noch in diesem Jahr erreicht werden dürfte und im nächsten Jahr eine Markterholung einsetzt.

Rieter hat in Winterthur Immobilie an Allreal verkauft 

An den für das Gesamtjahr gesetzten Zielen hält Rieter jedoch fest: Da will der Konzern einen Umsatz auf Vorjahresniveau im Bereich von 1,5 Milliarden Franken erzielen. Rieter lebt davon, früher an Land gezogene Aufträge abzuarbeiten. Ende September stand der Auftragsbestand bei rund 900 Millionen Franken, nachdem er ein Jahr zuvor 2 Milliarden betragen hatte.

Zudem wird weiterhin eine Betriebsgewinn-Marge (EBIT) im Bereich von 5 bis 7 Prozent angepeilt. Rieter geht dabei weiter davon aus, dass für die eingeleiteten Massnahmen einmalige Restrukturierungskosten von rund 45 bis 50 Millionen Franken anfallen und das Ergebnis 2023 belasten werden.

Einen finanziellen Zustupf bringt der im September vollzogene Verkauf eines Grundstücks an der Klosterstrasse in Winterthur an die Immobilienfirma Allreal für 96,0 Millionen Franken. Daraus erwartet Rieter einen positiven EBIT-Beitrag in Höhe von 70 bis 75 Millionen Franken, wie es hiess.

Rieter-Stellenabbau findet hauptsächlich im Ausland statt

In Winterthur allein würden rund 100 Stellen wegfallen, bekräftigte er im Sommer gemachte Aussagen, sagte Konzernchef Thomas Oetterli am Freitag an einer Telefonkonferenz. 

Die nun neu bestätigten Stellenstreichungen von 400 bis 600 Arbeitsplätzen in der Produktion nimmt Rieter laut Oetterli in den Fabriken in Deutschland, Tschechien, Indien und China vor. Da Rieter in Winterthur nicht mehr produziere, sei die Schweiz von diesen Massnahmen nicht betroffen, erklärte er.

Oetterli will den Konzern mit dem im Juli lancierten Performance-Programm «Next Level» für die Zukunft «nachhaltig profitabel» aufstellen. Am Ende sollen die Betriebskosten um jährlich 80 Millionen Franken tiefer ausfallen. Auf der Gegenseite werden dazu in diesem Jahr einmalige Restrukturierungskosten von 45 bis 50 Millionen Franken verbucht.

Anzeichen einer Erholung

Während Rieter zum Sparhammer greift, machen sich am Markt Erholungssignale bemerkbar. «Die Aufträge im vierten Quartal werden höher ausfallen als dies im sehr schwachen dritten Quartal der Fall war», sagte Oetterli. Lag der Auftragseingang im dritten Quartal bei 127 Millionen Franken, dürfte er laut dem CEO im Schlussquartal auf 170 bis 200 Millionen anziehen.

Das nährt die Zuversicht, dass Rieter bei den Aufträgen die Talsohle noch im laufenden Jahr durchschreiten wird. Kommt hinzu, dass auch die Probleme in den Lieferketten kaum mehr ein Thema sind. Alles in allem soll im 2023 ein Umsatz von rund 1,5 Milliarden Franken und eine EBIT-Marge von 5 bis 7 Prozent erzielt werden.

(sda/gin)

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veröffentlicht: 20. Oktober 2023 07:22
aktualisiert: 20. Oktober 2023 10:38
Quelle: ZüriToday

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